Bessere Methoden für Suche nach Antikörpern: Dr. Simon Krah erhält Kurt-Ruths-Preis 201926. Februar 2019 Dr. Simon Krah, Preisträger des Kurt Ruths-Preises 2019. Foto: Gregor Rynkowski/TU Darmstadt Dr. Simon Krah erhält den mit 12.000 Euro dotierten Kurt-Ruths-Preis 2019 für seine methodischen Verbesserungen bei der Suche nach neuen therapeutischen Antikörpern für die Medizin. Er hat den Prozess schneller, effizienter und zielgerichteter gemacht. Elf Publikationen, eine davon als Letztautor, zwei Patentanmeldungen, mehrere vielbeachtete Auftritte bei internationalen Konferenzen und nur drei Jahre Zeit investiert – solche Promotionsleistungen sind selten. Simon Krah gilt als äußerst klug, kreativ und eigenständig. Der 29-jährige Biotechnologe hat die Suche nach therapeutischen Antikörpern gleich an mehreren Stellen optimiert. Diese biologischen Wirkstoffe gelten als die neuen Superstars der Medizin, weil sie durch die spezifische Erkennung eines Antigens präziser in das Krankheitsgeschehen eingreifen als viele andere Medikamente. Krankheiten wie Krebs oder chronisch-entzündliche Leiden wie Rheuma, Schuppenflechte oder Morbus Crohn können heute mit therapeutischen Antikörpern weitaus besser behandelt werden als noch vor wenigen Jahren. Nicht umsonst gehören einige von ihnen zu den umsatzstärksten Medikamenten am Markt. Das Auffinden geeigneter Kandidaten gleicht allerdings der Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen, weil die Besten aus einer Unmenge an weniger guten oder unbrauchbaren Antikörpern herausgesucht werden müssen. Krah hat gleich an mehreren Stellschrauben gedreht. Er nutzt zum Beispiel für das Massenscreening nach geeigneten Kandidaten ein optisches Verfahren, kein biochemisches. Mit einem optischen Verfahren lassen sich Millionen von Antikörpern schneller auf ihre Eignung testen, was die Entdeckung interessanter Kandidaten extrem beschleunigt hat. Krah hat zudem die Erzeugung bispezifischer Antikörper optimiert. Das ist eine besondere Klasse von therapeutischen Antikörpern mit zwei Angriffspunkten. Diese Antikörper erkennen entweder zwei verschiedene Antigene und erhöhen dadurch ihre Schlagkraft oder binden ein Antigen über zwei verschiedenen Stellen und nehmen es doppelt in die Zange. In beiden Fällen ist die Wirkung größer und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der therapeutische Nutzen. Daher ist das Interesse an den bispezifischen Antikörpern hoch. Der Preisträger hat den Suchprozess nach solchen Antikörpern ebenfalls weiterentwickelt. Krah begann sein Studium an der Hochschule Darmstadt. Dort hat er einen Bachelor in Biotechnologie erworben. Danach wechselte er als einer der Jahrgangsbesten an die TU Darmstadt, wo er den Masterstudiengang „Biomolecular Engineering“ absolvierte. Krah promovierte mit finanzieller Unterstützung der Merck KGaA. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Harald Kolmar vom Clemens-Schöpf-Institut für Organische Chemie und Biochemie der TU Darmstadt. Krah ist im vergangenen Jahr bereits mit dem mit 3500 Euro dotierten Promotionspreis der Familie Bottling-Stiftung ausgezeichnet worden. Heute arbeitet er als Laborleiter bei Merck. Der seit 1989 jährlich verliehene Kurt-Ruths-Preis würdigt herausragende wissenschaftliche Leistungen aus den Fachbereichen Architektur, Bau- und Umweltingenieurwissenschaften sowie Chemie und wird an Nachwuchswissenschaftler der TU Darmstadt verliehen. Der Preis geht zurück auf Kurt Ruths, den langjährigen Sprecher der Geschäftsführung der Braas-Gruppe.
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