Blutdruck im Zielbereich: Dauer beeinflusst Risiko entscheidend19. November 2025 © Robert Kneschke – stock.adobe.com (Symbolbild) Eine Metaanalyse von 14 Kohorten im „European Heart Journal“ zeigt: Je länger der Blutdruck im Zielbereich der ESC‑Leitlinie 2024 liegt, desto niedriger sind Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse. Mit der Aktualisierung der Hypertonie-Leitlinie im Jahr 2024 definierte die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) strengere Zielwerte. Demnach soll bei den meisten Patienten, bei denen eine Behandlung indiziert ist, ein Blutdruck(BP)-Zielwert von 120–129/70–79 mmHg bei einer Praxismessung erreicht werden. Um die BP-Kontrolle näher zu beurteilen, kann der Prozentsatz der Zeit, die der BP im Zielwert liegt (PTTR), herangezogen werden. Eine aktuelle Datenerhebung von 14 Bevölkerungskohorten mit 14.230 inkludierten Personen verdeutlicht nun, dass je höher der PTTR innerhalb des 2024er-ESC-Zielwertes liegt, desto geringer ist das Risiko für unerwünschte Ergebnisse. Außerdem wird durch die Verwendung von PTTR (basierend auf ambulanten BP-Messungen [ABP]) eine falsche Klassifikation von Patienten mit Blick auf ihre BP-Kontrolle verhindert. In ihrer Metaanalyse auf Patientenebene kombinierten die verantwortlichen Forscher systolische und diastolische ABP-Werte, um die PTTR über 24 Stunden, am Tag sowie in der Nacht zu bestimmen. Die Schwellenwerte für nicht erhöhten ABP lagen dabei bei <115/65 mmHg (24 h), <120/70 mmHg (Tag) und <110/60 mmHg (Nacht). Die mediane 24-h-PTTR betrug 18 Prozent (IQR 5–33), entsprechend 4,3 Stunden (Interquartilsabstand [IQR] 1,2–7,9). Über einen medianen Nachbeobachtungszeitraum von 10,9 Jahren wurden 3117 Todesfälle und 2265 kardiovaskuläre Ereignisse registriert. Mit zunehmenden Quartilen der 24-h-PTTR nahmen Todesfälle (von 21,3 auf 16,1/1000 Personenjahre) und kardiovaskuläre Endpunkte (von 20,3 auf 11,3/1000 Personenjahre) ab. Die standardisierten, multivariat adjustierten HRs für die 24-h-PTTR betrugen 0,57 (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,46–0,71) für die Gesamtmortalität und 0,30 (95%-KI 0,23–0,39) für kardiovaskuläre Endpunkte. Analysen zu Tages- und Nacht-ABP, kardiovaskulärer Mortalität, koronaren Endpunkten, Schlaganfall sowie Subgruppenanalysen bestätigten diese Ergebnisse. Der 2024er-ESC-Grenzwert verkürzte im Vergleich zum 2018er-ESC/ESH-Grenzwert die erforderliche Zeitspanne im 24-h-PTTR zur Reduktion des relativen Risikos für unerwünschte Ereignisse von 60 Prozent auf 18 Prozent (14,4 vs. 4,3 h). Der BP in der Praxis führte im Vergleich zur 24-h-PTTR bei den meisten Teilnehmern zu einer Fehleinschätzung hinsichtlich der Blutdruckkontrolle. (ah)
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