Blutdruckziel unter 130 mmHg: Mehr Nutzen als Schaden

Medikamente und Blutdruckmessung
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Eine Auswertung von sechs Studien mit mehr als 80.000 Teilnehmenden zeigt: Intensive Blutdruckkontrolle senkt das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse deutlich und bietet trotz häufiger Nebenwirkungen einen positiven Nettonutzen.

Obwohl eine intensive Blutdruckkontrolle in den wichtigsten Leitlinien empfohlen wird, bleibt das Gesamtverhältnis zwischen Nutzen und Schaden ungewiss. Insbesondere ist unklar, wie sich der klinische Nettonutzen je nach Blutdruckziel und Patientenmerkmalen unterscheidet.

Das Verhältnis zwischen Nutzen und Schaden einer intensiven Blutdruckkontrolle im Vergleich zu einer Standard-Blutdruckkontrolle zu quantifizieren, setzten sich nun chinesische Wissenschaftler zum Ziel. Ihren Erkenntnissen zufolge bietet die intensive Blutdruckkontrolle im Vergleich zur Standard-Blutdruckkontrolle zwischen der Verringerung kardiovaskulärer Ereignisse und der Zunahme unerwünschter Ereignisse – einschließlich renaler Ereignisse – einen Nettonutzen. Die Ergebnisse wurde im „Lancet“ publiziert.

Die chinesische Studiengruppe nahm eine nachträgliche, gepoolte Teilnehmeranalyse von sechs randomisierten kontrollierten Studien (ACCORD BP, SPRINT, ESPRIT, BPROAD, STEP und CRHCP) vor. Der ursprüngliche Datensatz umfasste 80.676 Teilnehmer, von denen 80.220 in die Analysen einbezogen wurden (Medianalter 64,0 Jahre (IQR 59,0–70,0); 48,7% männlich; 82,6% Asiaten; 10,1% Weiße).

Die Teilnehmer der sechs Studien wurden je nach Studiendesign randomisiert einer intensiven Blutdruckbehandlung (n=40.503; systolischer Blutdruckzielwert <120 oder <130 mmHg) oder einer Standardbehandlung (n=39.043; systolischer Blutdruckzielwert <140 mmHg, <150 mmHg bei älteren Erwachsenen oder übliche Versorgung) zugewiesen. Der primäre Nutzenendpunkt war eine Kombination aus Myokardinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und kardiovaskulärem Tod. Die primären Schadensendpunkte waren unerwünschte Ereignisse von Interesse (z.B. Hypotonie und Synkope) und renale Ereignisse.

Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 3,2 Jahren (IQR 3,0–3,5) trat ein Primärereignis bei 2158 (5,3%) Teilnehmern in der Gruppe mit intensiver Blutdruckkontrolle und bei 2811 (7,1%) Teilnehmern in der Gruppe mit Standard-Blutdruckkontrolle auf (Hazard Ratio 0,76; 95%-Glaubwürdigkeitsintervall [CrI] 0,72–0,81; p<0,0001). Im Vergleich zur Standard-Blutdruckkontrolle war die intensive Blutdruckkontrolle mit einer absoluten Risikoreduktion von 1,73 Prozent (95%-CrI 1,65–1,81) für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Number-Needed-to-Treat 58; 95%-CrI 55–61) und einer absoluten Risikoerhöhung von 1,82 Prozent (95%-CrI 1,63–2,01) für unerwünschte Ereignisse von Interesse (Number-Needed-to-Harm 55; 95%-CrI 49–61) assoziiert.

Insgesamt zeigte die intensive Blutdruckkontrolle ein günstiges Nutzen-Risiko-Profil mit einem Nettonutzen von 1,14 (95%-CrI 1,03–1,25) unter Verwendung einer bewerteten Gewichtung. Der Nettonutzen blieb positiv, wenn man die nierenbezogenen unerwünschten Ereignisse berücksichtigte (1,13; 95%-CrI 1,01–1,24). (ah)