Blutungen bei Zirrhosepatienten: Thrombozytenzahl dient der Vorhersage nicht

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Anhand der Thrombozytenzahl lassen sich laut einer Arbeitsgruppe aus Italien keine Vorhersagen über unprovozierte größere oder geringfügigere Blutungen bei Zirrhosepatienten treffen.

Die Thrombozytopenie sei ein Kennzeichen für Zirrhosepatienten und werde als Risikofaktor für Blutungen angesehen, schreiben die Autoren zum Hintergrund ihrer Arbeit. In welchem Verhältnis aber Thrombozytenzahl und Blutungen zueinander stehen, sei noch immer unklar. Die Wissenschaftler untersuchten diese Zusammenhang über einen Zeitraum von rund 4 Jahren bei 280 Patienten mit Leberzirrhose (67 % Männer; Alter 64±37 Jahre; 47 % Child-Pugh-Stadium B und C). Diese wurden im Median 1129 (Interquartilbereich 800–1498) Tage nachbeobachtet. So ergab sich ein Follow-up von 953,12 Patientenjahren.

Die jährliche Rate signifikanter Blutungen betrug 5,45 % (3,57% für größere bzw. 1,89 % für kleinere Blutungen). Ein größeres (n=34) oder wenig schwerwiegendes (n=18) Blutungsereignis erfuhren 52 (18,6 %) Patienten, wobei diese vorwiegend gastrointestinalen Ursprungs waren.

Die Thrombozytenzahl nahm mit einer Verschlechterung der Lebererkrankung in progressive Art und Weise ab und war bei Patienten mit oder ohne größere oder geringfügigere Blutungen ähnlich: Bei 3 (6 %) Patienten mit und bei 20 (9 %) Patienten wurde eine Thrombozytenzahl ≤50×103/μl gemessen, ohne dass irgendein Blutungsereignis eintrat. Umgekehrt war die Prothrombinzeit/International Normalized Ratio bei Patienten mit Blutungen insgesamt oder mit größeren Blutungen etwas erhöht.

In einer Cox-Proportional-Hazard-Analyse sagten lediglich eine zuvor stattgehabte gastrointestinale Blutung (Hazard Ratio [HR] 1,96; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,11–3,47; p=0,020) sowie eine Enzephalopathie (HR 2,05; 9 5%-KI 1,16–3,62; p=0,013) unabhängig Blutungen insgesamt voraus.