Brustkrebs: Depression belastet Patientinnen noch viele Jahre nach der Therapie27. Oktober 2020 Foto: ©Pradit – stock.adobe.com Selbst nach einer erfolgreichen Therapie sind viele Brustkrebspatientinnen noch über lange Zeit sehr belastet. Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben in einer Studie belegt, dass gerade Patientinnen, deren Therapie bereits fünf bis 15 Jahre zurückliegt, häufig mit Depressionen kämpfen. Brustkrebs ist nach wie vor die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Weltweit diagnostizieren Ärzte jedes Jahr mehr als zwei Millionen Neuerkrankungen; allein in Deutschland erhalten jährlich rund 69.000 Patientinnen diese Diagnose. Gleichzeitig verbessern sich aber auch die Überlebenschancen dank immer besserer Diagnostik und Therapie. Doch auch nach einer erfolgreichen Behandlung ist die Lebensqualität vieler Betroffener noch lange Zeit eingeschränkt. Sie leiden etwa unter dem chronischen Erschöpfungssyndrom oder unter therapiebedingten Muskel- und Gelenkschmerzen. Auch über Depressionen klagen viele Betroffene. „Während das Auftreten von Depressionen innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Brustkrebstherapie bereits recht gut untersucht ist, ist über die Häufigkeit von Depressionen bei Langzeitüberlebenden bislang wenig bekannt“, sagt Volker Arndt, Epidemiologe im Deutschen Krebsforschungszentrum. „Wir wollten wissen, welche Rolle Depressionen bei Patientinnen auch noch viele Jahre nach der erfolgreichen Krebsbehandlung spielen, und welche Faktoren dies möglicherweise beeinflussen.“ Die DKFZ-Epidemiologen um Arndt untersuchten daher insgesamt 3100 Brustkrebsüberlebende, deren Therapie zwischen fünf und 16 Jahre zurücklag, auf Anzeichen einer Depression. Zum Vergleich schlossen sie 1005 Frauen ohne eine entsprechende Krebserkrankung in ihre Studie ein. „Wir haben festgestellt, dass Langzeitüberlebende, deren Therapie bereits zwischen fünf und 15 Jahren zurückliegt, häufiger unter Depressionen leiden als Frauen, die nie an Brustkrebs erkrankt waren“, sagt Erstautorin Daniela Doege. Insbesondere betroffen waren Frauen, bei denen die Krebserkrankung wiedergekehrt war oder bei denen Metastasen festgestellt wurden. Weitere Risikofaktoren waren höheres Alter, Übergewicht, sowie eine eingeschränkte oder aufgegebene Berufstätigkeit. „Wie die einzelnen Faktoren das Depressionsrisiko beeinflussen, können wir auf der Grundlage unserer Studie allerdings nicht erklären“, sagt Doege. Doch auch wenn sich die exakten Ursachen für das erhöhte Depressionsrisiko derzeit nicht ausmachen lassen, enthält das Studienergebnis eine bedeutende Botschaft: „Unsere Daten zeigen, wie wichtig es ist, dass behandelnde Ärzte bei Brustkrebspatientinnen, gerade bei Betroffenen mit Metastasen oder wiederkehrenden Tumoren, nicht nur die rein onkologischen Symptome therapieren“, sagt Arndt. „Entscheidend ist auch, die psychische Verfassung der Betroffenen im Blick zu behalten und bei Bedarf Hilfe anzubieten.“ Originalpublikation: Doege D et al. Age-specific prevalence and determinants of depression in long-term breast cancer survivors compared to female population controls. Cancer Medicine, 6. Oktober 2020
Mehr erfahren zu: "Paul Ehrlich-Preis für Erkenntnisse zu Autoimmunerkrankungen" Paul Ehrlich-Preis für Erkenntnisse zu Autoimmunerkrankungen Der australische Immunologe Prof. Christopher Goodnow erhält den Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2027.
Mehr erfahren zu: "Epilepsie im Kindesalter: PET/MRT verbessert die präoperative Diagnostik" Epilepsie im Kindesalter: PET/MRT verbessert die präoperative Diagnostik Die Kombination von PET/MRT-Befunden mit EEG-Ergebnissen kann bei Kindern mit schwer zu diagnostizierender Epilepsie die Identifizierung des anfallauslösenden Hirngewebes verbessern und fundierte Behandlungsentscheidungen ermöglichen. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende im […]
Mehr erfahren zu: "Medikament verbessert die Sexualfunktion bei Patienten mit Depressionen" Medikament verbessert die Sexualfunktion bei Patienten mit Depressionen Eine neue US-amerikanische Studie ergab, dass bei Patienten mit einer Major Depression, die unzureichend auf Standard-Antidepressiva ansprachen, eine Zusatzbehandlung mit dem Medikament Lumateperon eine signifikante Verbesserung der Sexualfunktion erreichen kann.