BVOU: ApoVWG ist „ein Schritt in die falsche Richtung“28. Mai 2026 Foto: nmann77/stock.adobe.com Auch für den Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) ist das Gesetz zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung (ApoVWG) ein „Schritt in die falsche Richtung“. Diese Apothekenreform gefährde die Patientensicherheit. „Die geplanten Maßnahmen sind ein klarer Systembruch. Sie gefährden nicht nur die Qualität der Versorgung, sondern schaffen ineffiziente Strukturen, die am Ende weder den Patientinnen und Patienten noch den Ärztinnen und Ärzten helfen“, mahnte Dr. Helmut Weinhart, Vizepräsident des BVOU und Vorstandssprecher. Ärztliche Verantwortung darf nicht verwässert werden Für den BVOU ist die zentrale Rolle der ärztlichen Verantwortung in Diagnostik und Therapie „unersetzlich“. Die mit dem ApoVWG geplante Lockerung der Vorschriften – etwa bei der Durchführung von Impfungen, Blutentnahmen oder der Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente ohne ärztliche Verordnung – stellten „eine klare Gefährdung der Patientensicherheit dar“, kritisiert der Verband. Er verweist darauf, dass medizinische Versorgung eine umfassende Anamnese, eine differenzierte Diagnostik und die Erfahrung, mögliche Risiken zu beurteilen erfordere. Diese komplexen Aufgaben könnten nicht „einfach an Apothekenpersonal delegiert werden“. „Orthopädisch-unfallchirurgische Diagnosen und Therapien erfordern Fachwissen und Erfahrung. Die Vorstellung, dass solche Aufgaben ohne ärztliche Beteiligung ausgeführt werden können, ist schlicht unverantwortlich“, betonte Dr. Anna-Katharina Doepfer, Vizepräsidentin des BVOU mit Blick auf die Apothekenreform. Mit seiner Kritik am ApoVWG steht der BVOU nicht allein. Auch die Bundesärztekammer und der Spitzenverband der Fachärzte Deutschlands kritisieren das Gesetz – insbesondere die Möglichkeit zur Blutentnahme in der Apotheke. Patientensicherheit durch ApoVWG in Gefahr: Fehlbehandlungen vorprogrammiert Die Apothekenreform wirft für den BVOU zahlreiche Fragen hinsichtlich der Patientensicherheit auf. Besonders in der Orthopädie und Unfallchirurgie könnten scheinbar harmlose Symptome auf schwerwiegende Erkrankungen hinweisen. Ohne die fachärztliche Kompetenz drohen Fehldiagnosen und Behandlungsfehler, befürchtet der BVOU. „Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten hat oberste Priorität. Diese Reform setzt genau diese Sicherheit aufs Spiel, und das können wir nicht akzeptieren“, stellt Dr. Weinhart klar. Anstatt den bestehenden ambulanten Sektor zu stützen, schaffe das ApoVWG ineffiziente Parallelstrukturen, kritisiert der BVOU. Die geplante Verlagerung ärztlicher Aufgaben auf Apotheken führe nicht nur zu erhöhtem Abstimmungsbedarf zwischen Apotheken und Praxen, sondern auch zu zusätzlicher Belastung der Ärzteschaft. „Die vermeintliche Entlastung durch die Reform ist eine Illusion. Unklare Befunde und Rückfragen landen am Ende doch wieder bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten – auf Kosten der Patientenversorgung“, ergänzte Doepfer. BVOU fordert: Apothekenreform stoppen und Praxen stärken „Orthopädisch-unfallchirurgische Praxen sind ein zentraler Bestandteil der medizinischen Versorgung in Deutschland. Ihre Schwächung durch die Auslagerung ärztlicher Aufgaben gefährdet die flächendeckende Versorgung und geht zulasten der Patientinnen und Patienten“, betont der BVOU. Der Berufsverband fordert die Bundesregierung und die Koalitionsfraktionen auf, die geplanten Regelungen zur Apothekenreform zu überdenken und zurückzunehmen. „Wir brauchen klare Verantwortlichkeiten und eine Stärkung der ärztlichen Versorgung – keine Verschiebung von Aufgaben in unklare Strukturen“, fasste Weinhart zusammen. Statt ärztliche Aufgaben auf nicht-ärztliches Personal zu übertragen, sollten gezielte Maßnahmen ergriffen werden, die die ambulante Versorgung stärken. Der BVOU fordert insbesondere den Abbau von Bürokratie, eine faire Vergütung der ärztlichen Leistungen und Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Praxen.
Mehr erfahren zu: "Notfallreform: Fachgesellschaften fordern Nachschärfungen bei Qualitätssicherung und Digitalisierung" Notfallreform: Fachgesellschaften fordern Nachschärfungen bei Qualitätssicherung und Digitalisierung Deutsche intensiv- und notfallmedizinische Fachgesellschaften sehen Fortschritte bei der Entwicklung der Notfallreform. Sie mahnen aber auch verbindliche Qualitätsstandards, bessere Datenstrukturen und klare Verantwortlichkeiten an.
Mehr erfahren zu: "Apothekenreform: „Ärztliche Tätigkeiten gehören nicht in die Apotheke“" Apothekenreform: „Ärztliche Tätigkeiten gehören nicht in die Apotheke“ Blutabnahme beim Apotheker? Nicht nur die Bundesärztekammer (BÄK) kritisiert die im Bundestag verabschiedete Apothekenreform, diese gefährde die Patientensicherheit. Wer ärztliche Aufgaben übernehme müsse auch dafür ausgebildet sein.
Mehr erfahren zu: "Schmerz als Auslöser für eine Myokardschädigung bei Patienten mit Hüftfrakturen" Schmerz als Auslöser für eine Myokardschädigung bei Patienten mit Hüftfrakturen Eine multizentrischen internationale klinische Studie gibt Hinweise darauf, dass verstärkte Schmerzen bei Patienten mit Hüftfrakturen mit myokardialen ischämischen Ereignissen in der perioperativen Phase assoziiert sind.