Cannabis: Mediale Aufmerksamkeit scheint den Placeboeffekt zu beeinflussen4. März 2023 © chokniti – stock.adobe.com (Symbolbild) Viele klinische Studien zur Wirkung von Medizinalcannabis gegen Schmerzen werden von einem starken Placeboeffekt getragen, der möglicherweise durch eine erhöhte Aufmerksamkeit in den Medien forciert wird. Einen solchen Zusammenhang konnte nun eine schwedische Arbeitsgruppe um Filip Gedin vom Karolinska Institut in Stockholm im Rahmen einer systematischen Literaturrecherche und Metaanalyse aufzeigen. Gedin und Kollegen bewerteten das Ausmaß von schmerzbezogenen Placebo-Reaktionen in 20 Cannabinoid-Studien mit doppelblindem, placebokontrolliertem Design und korrelierten diese Reaktionen mit objektiven Schätzungen der Medienaufmerksamkeit. Eingeschlossen waren 1459 Personen (mittleres Alter 51 ±7 Jahre; Altersspanne 33–62 Jahre; 56% Frauen) mit klinischen Schmerzen beliebiger Dauer, jedoch ohne HIV/AIDS oder schwere Hauterkrankungen. Unabhängige Gutachter extrahierten die Studiendaten. Die Qualitätsbewertung erfolgte anhand des Werkzeugs „Risk of Bias 2“. Die Rezeption in den Medien erfolgte auf Grundlage der Aufmerksamkeits- und Verbreitungskennzahlen für jede Studie entnommen aus Altmetric und Crossref. Die Studienautoren poolten die Daten und analysierten sie mit einem statistischen Modell mit zufälligen Effekten. Als Hauptmessgröße diente die Veränderung der Schmerzintensität vor vs. nach der Behandlung, gemessen als verzerrungskorrigierte standardisierte mittlere Differenz (Hedges g). Die Schmerzintensität war mit einer signifikanten Verringerung des Ansprechens auf Placebo assoziiert, mit einer mäßigen bis großen Effektgröße (mittleres Hedges g 0,64 ±0,13; p<0,001). Studien mit geringem Verzerrungsrisiko wiesen größere Placebo-Reaktionen auf (q1=5,47; I2=87,08; p=0,02). Das Ausmaß der Medienaufmerksamkeit und -verbreitung im Zusammenhang mit den einzelnen Studien war proportional hoch und wies eine starke positive Verzerrung auf, stand jedoch nicht mit den klinischen Ergebnissen in Zusammenhang. Fazit Die positive Aufmerksamkeit in den Medien und die weite Verbreitung können hohe Erwartungen aufrechterhalten und die Reaktion auf Placebos in künftigen Studien beeinflussen, was sich auf die Ergebnisse klinischer Studien, regulatorische Entscheidungen, die klinische Praxis und letztlich den Zugang der Patienten zu Cannabinoiden zur Schmerzlinderung auswirken kann, so die Schlussfolgerung der Forscher um Gedin. (ah) Autoren: Gedin F et al. Korrespondenz: Karin Jensen; [email protected] Studie: Placebo Response and Media Attention in Randomized Clinical Trials Assessing Cannabis-Based Therapies for Pain: A Systematic Review and Meta-analysis Quelle: JAMA Netw Open 2022;5(11):e2243848. Web: https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2022.43848
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