Cochrane-Review bestätigt Wirksamkeit und Sicherheit von MMR-Impfstoffen

Foto: ©Astrid Gast – stock.adobe.com

Die Aktualisierung eines Cochrane Reviews zeigt, dass MMR-, MMRV- und MMR+V-Impfstoffe gegen Mumps, Masern und Röteln sowie Windpocken wirksam sind und dass sie nicht mit einem erhöhten Risiko für Autismus verbunden sind.

„Wir wollten in diesem Update der zuletzt 2012 aktualisierten Übersichtsarbeit die Wirksamkeit, Sicherheit sowie die lang- und kurzfristigen Risiken der MMR-Impfstoffe bewerten”, erklärt Hauptautor Dr. Carlo Di Pietrantonj vom italienischen Regionalen Referenzdienst für Epidemiologie (SeREMI). Von den 138 randomisierten und nicht randomisierten Studien, die in den Bericht aufgenommen wurden, bewerteten 51 Studien mit rund 10 Millionen Kindern, wie wirksam die Impfstoffe für die Prävention der Krankheiten waren, 87 Studien (13 Mio. Kinder) bewerteten die Schäden”, erklärt Di Pietrantonj.

Ergebnisse des Reviews zur Wirksamkeit der Impfstoffe:
• Masern: Bereits eine Dosis des Impfstoffs schützte 95 Prozent der Geimpften vor einer Masernerkrankung. Auf Basis der im Review analysierten Daten würde die Zahl der Fälle von sieben Prozent bei ungeimpften Kindern auf unter 0,5 Prozent bei Kindern sinken, die eine Dosis des Impfstoffs erhalten. Nach zwei Dosen war die Wirksamkeit mit etwa 96 Prozent ähnlich hoch.
• Mumps: Eine Dosis des Impfstoffs beugte bei 72 Prozent der Geimpften einer Erkrankung vor. Nach zwei Dosen stieg die Wirksamkeit auf 86 Prozent. Aus den analysierten Daten geht hervor, dass die Zahl der Fälle von 7,4 Prozent bei ungeimpften Kindern auf ein Prozent bei Kindern zurückgehen würde, die mit zwei Dosen geimpft wurden.

Auch die Ergebnisse für Röteln und Windpocken zeigten, dass die Impfstoffe wirksam sind. Nach einer Impfdosis war der Impfstoff zu 89 Prozent wirksam, um einer Erkrankung mit Röteln vorzubeugen. Eine Studie ergab, dass der relativ neue MMRV-Impfstoff nach zehn Jahren zu 95 Prozent vor Windpocken schützte. Bei einer Exposition gegenüber Windpocken würden sich also fünf von 100 geimpften Kindern anstecken.

„Was die Sicherheit anbelangt, so wissen wir aus früheren Studien aus der ganzen Welt, dass die Risiken, die von diesen Krankheiten ausgehen, bei weitem die Risiken der zur Vorbeugung verabreichten Impfstoffe überwiegen”, sagt Erstautor Di Pietrantonj. „In diesem Bericht wollten wir uns mit der Evidenz für spezifische Schäden befassen, die in der öffentlichen Debatte mit diesen Impfstoffen in Verbindung gebracht werden – oft ohne strenge wissenschaftliche Grundlage.“

In Bezug auf Kontroverse um Behauptungen, die die MMR-Impfung und Autismus miteinander in Verbindung bringen, fasst der Bericht Evidenz aus zwei Studien mit 1.194.764 Kindern zusammen. Die diagnostizierten Fälle von Autismus waren bei geimpften und nicht geimpften Kindern ähnlich* und widerlegen abermals den Verdacht eines Zusammenhangs.

Zwei weitere Studien mit 1.071.088 Kindern finden keinen Beweis für einen Zusammenhang zwischen den MMR-Impfstoffen und Enzephalitis, entzündlichen Darmerkrankungen, Morbus Crohn, kognitiver Verzögerung, Typ-1-Diabetes, Asthma, Dermatitis/Ekzem, Heuschnupfen, Leukämie, Multipler Sklerose, Gangstörungen und bakteriellen oder viralen Infektionen.

„Wir beurteilten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für die Wirksamkeit des MMR-Impfstoffs als moderat.** Obwohl die Studien, die diese Daten liefern, nicht randomisiert sind, sind die Effekte sehr groß. Die Sicherheit der Evidenz für den Varizellen-Impfstoff, basierend auf einer RCT, wurde als hoch eingeschätzt”, sagt Di Pietrantonj.

„Insgesamt sind wir der Meinung, dass die vorhandene Evidenz zur Sicherheit und Wirksamkeit von MMR, MMRV und MMR+V-Impfstoffen ihre Verwendung für die Massenimmunisierung unterstützt. Kampagnen, die auf eine weltweite Ausrottung der Krankheiten abzielen, sollten die epidemiologische und sozioökonomische Situation der Länder bewerten, sowie deren Fähigkeit berücksichtigen, eine hohe Durchimpfungsrate zu erreichen. Wir benötigen noch mehr Evidenz, um beurteilen zu können, ob die Schutzwirkung dieser Impfungen mit der Zeit seit der Immunisierung nachlassen könnte.“

Fußnoten:
* Auf 100.000 nicht geimpfte Kinder kommen 451 diagnostizierte Fälle von Autismus. Von 100.000 geimpften Kindern würden etwa 419 diagnostizierte Fälle von Autismus erwartet.
** Folgend dem GRADE-Schema mit vierstufiger Vertrauenswürdigkeit: sehr niedrig, niedrig, moderat und hoch

Originalpublikation:
Di Pietrantonj C et al.: Vaccines for measles, mumps, rubella, and varicella in children. Cochrane Database of Systematic Reviews 2020, Issue 4. Art. No.:CD004407.