Cochrane Review: Helfen pflanzlichen Mittel bei Reizmagen?29. Juni 2023 Foto: © magele-picture/stock.adobe.com Anhaltende oder immer wieder auftretende Oberbauchbeschwerden, für die sich keine organische Ursache findet, werden unter dem Begriff funktionelle Dyspepsie zusammengefasst. Ob sich damit assoziierte Symptome mit pflanzlichen Mitteln lindern lassen, ist in einem aktuellen Cochrane-Review untersucht worden. Zwischen acht und dreißig Prozent der Weltbevölkerung leiden epidemiologischen Studien zufolge an einer funktionellen Dyspepsie. Pflanzliche Mittel in verschiedenen Darreichungsformen (z. B. Kapseln, Tabletten, Pulver, Tee) erfreuen sich bei dieser Erkrankung zunehmender Beliebtheit. Ein Team von Cochrane-Autoren hat nun die Evidenz zu Wirksamkeit und Sicherheit pflanzlicher Mittel bei Reizmagen zusammengestellt und bewertet. Pflanzliche Präparate werden auch im Rahmen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) verwendet. Da ein weiterer Cochrane-Review speziell zu diesem Thema zur Zeit in Arbeit ist, wurde für diese Review lediglich Evidenz zu pflanzlichen Präparaten begutachtet, die nicht Teil der TCM sind. Der Review umfasst 41 Studien für insgesamt 27 pflanzliche Mittel. Das bedeutet, dass für jedes Pflanzenmittel nur wenige oder nur einzelne Studien vorliegen. Viele Studien berichten zudem nicht, wie die funktionelle Dyspepsie diagnostiziert wurde – beides schränkt die Aussagekraft und Übertragbarkeit der Evidenz ein. Die wichtigsten Ergebnisse: Pflanzliche Mittel in Kapselform mit den ätherischen Ölen von Pfefferminze und Kümmel sowie Curcumin (aus der Wurzel von Curcuma longa) lindern wahrscheinlich Reizmagenbeschwerden insgesamt über den untersuchten Zeitraum von vier Wochen (moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE). Ein Kombipräparat, das neun verschiedene Pflanzenextrakte (Angelika, Bittere Schleifenblume, Kamille, Kümmel, Mariendistel, Melisse, Pfefferminze, Schöllkraut, Süßholz) enthält, fanden die Cochrane-Autoren sechs Studien mit 970 Teilnehmenden, die Zeiträume von vier bis zwölf Wochen untersuchten. Demnach verbessern sich die Gesamtsymptome möglicherweise, doch sei die Evidenz aufgrund methodischer Mängel der Studien, uneinheitlicher Ergebnisse und Unsicherheiten in Bezug auf die Schätzung der Effektgröße unsicher, schreiben die Forschenden (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE). Insgesamt fand das Cochrane-Team für 14 weitere pflanzliche Mittel (z. B. Pacari-Pflanze, Schwarzkümmel, Ingwer, Artischocke) aus jeweils einer Studie Hinweise auf eine mögliche positive Wirkung bei Reizmagen. In den analysierten Studien wurden Zeiträume von 15 Tagen bis zwölf Wochen untersucht. Zwar traten in diesem Zeitraum unerwünschte Wirkungen mit den pflanzlichen Mitteln nicht oder allenfalls geringfügig häufiger auf als mit Placebo. Die funktionelle Dyspepsie ist allerdings ein chronisches Problem, sodass der Nachweis der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit über längere Zeiträume notwendig ist. So sei beispielsweise bekannt, dass Schöllkraut in hoher Dosierung und bei längerer Anwendungsdauer die Leber schädigen können, schreiben die Cochrane-Autoren.
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