Cochrane Review: Wie gut helfen E-Zigaretten beim Rauchstopp?

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Zwar bringen nikotinhaltige E-Zigaretten mittelfristig etwas mehr Menschen vom Tabak ab als eine Nikotinersatztherapie, doch einem Großteil gelingt auch mit E-Zigaretten kein Rauchstopp. Das geht aus einem aktualisierten Cochrane Review hervor.

Die Vor- und Nachteile von E-Zigaretten als Mittel zur Rauchentwöhnung werden schon seit längerem kontrovers diskutiert – vor allem, weil auch Vaping nicht als risikofrei für die Gesundheit gelten. Die Autoren eines aktualisierten Cochrane-Reviews haben insgesamt 80 abgeschlossene randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit 29.861 erwachsenen Teilnehmenden in ihren Review eingeschlossen. Die Studien wurden in 13 Ländern durchgeführt, die meisten in den USA (40 Studien), Großbritannien (16) und Australien (6). Die Aktualisierung des Reviews berücksichtigt neun Studien mehr als eine vorangegangene Version.

Die Übersichtsarbeit der internationalen Forschenden um Nicola Lindson und Jonathan Livingstone-Banks von der University of Oxford (Großbritannien) und Jamie Hartmann-Boyce von der University of Massachusetts Amherst (USA) ist als „Living Systematic Review“ angelegt und liefert in regelmäßigen Abständen eine umfassende Zusammenfassung der Studienlage zum Thema „Elektronische Zigaretten zur Rauchentwöhnung“. Als „rauchfrei“ gelten in diesem Review Menschen, die keine herkömmlichen Tabakzigaretten mehr rauchen. Vaping zählt in dieser Definition nicht als Rauchen. Ob die Teilnehmenden rauchfrei waren, wurde in den Studien erfragt und, sofern entsprechende Daten vorlagen, zusätzlich biochemisch – also etwa durch Atemluft-Tests – überprüft.

Entwöhnung ist selbst mit nikotinhaltigen E-Zigaretten schwierig

Durch den Umstieg auf nikotinhaltige E-Zigaretten gelingt es laut dem Review Menschen häufiger, mindestens sechs Monate lang nicht mehr zu rauchen, als mit einer herkömmlichen Nikotinersatztherapie (NRT): Nach sechs bis zwölf Monaten sind etwa zehn von 100 Menschen, die nikotinhaltige E-Zigaretten dampfen, rauchfrei. Unter jenen, die Nikotinersatzpräparate verwenden, sind es etwa sechs von 100 Personen. Dieses Teilergebnis des Reviews basiert auf elf Studien mit insgesamt 4114 Teilnehmenden (relatives Risiko [RR] 1,61; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,23‒2,12, Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE [Grading of Recommendations, Assessment, Development and Evaluation]: hoch).

Umgekehrt betrachtet bedeutet dieses Ergebnis auch: Selbst mit nikotinhaltigen Vapes fällt der Rauchstopp den meisten Menschen schwer. Der Konsum solcher E-Zigaretten führen dem Review zufolge nämlich bei durchschnittlich 90 von 100 Menschen nicht dazu, dass sie vom Rauchen loskommen.

Was die Verträglichkeit im Sinne unmittelbar auftretender Beschwerden angeht, gibt es zwischen nikotinhaltigen Vapes und herkömmlichen Nikotinersatzpräparaten möglicherweise insgesamt keine klaren Unterschiede: Unerwünschte Ereignisse wie Husten, Herzklopfen und Schwindel traten insgesamt ähnlich häufig auf. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz hierfür ist allerdings niedrig (8 Studien mit 3107 Teilnehmenden; RR 0,95; 95%-KI 0,72‒1,24).

Vergleich: E-Zigaretten mit und ohne Nikotin in der Entwöhnung

Der Review hat auch verglichen, ob E-Zigaretten mit Nikotin eine andere Wirkung haben als E-Zigaretten ohne Nikotin. Bei der Datenerhebung (nach 6‒12 Monaten je nach Studie) zeigte sich: E-Zigaretten mit Nikotin helfen bisherigen Rauchern wahrscheinlich etwas besser dabei, nach mindestens sechs Monaten rauchfrei zu sein.

Von 100 Menschen, die mithilfe von nikotinhaltigen E-Zigaretten vom Rauchen loskommen wollen, gelingt das laut Cochrane Deutschland zwei Personen mehr als von 100 Menschen, die aufhören wollen zu rauchen und dazu E-Zigaretten ohne Nikotin nutzen. Dieses Ergebnis basiert auf sieben Studien mit insgesamt 1918 Teilnehmenden (Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE: moderat). Die Verträglichkeit von E-Zigaretten mit Nikotin und solchen ohne Nikotin unterscheidet sich wahrscheinlich nicht oder nur geringfügig: Unerwünschte Ereignisse traten dem Review zufolge ähnlich häufig auf (6 Studien mit 909 Teilnehmenden; RR 1,01; 95%-KI 0,95‒1,08).

Vergleich zwischen E-Zigarette und (therapeutischer) Unterstützung

Zudem hat der Review untersucht: Wie wirkt der Konsum von E-Zigaretten im Vergleich zu ausschließlich verhaltenstherapeutischer oder gar keiner Unterstützung bei der Rauchentwöhnung? Hier zeigt sich: Die E-Zigarette ist möglicherweise überlegen. Mittelfristig sind neun von 100 Menschen, die vapen, rauchfrei. Unter jenen, die lediglich verhaltenstherapeutische Unterstützung oder keinerlei Hilfe erhalten, sind es hingegen etwa fünf von 100 Personen. Das Ergebnis basiert auf elf Studien mit insgesamt 7214 Teilnehmenden, die meist sechs bis zwölf Monate, in einem Fall aber auch zwei Jahre lang liefen (RR 1,75; 95%-KI 1,39-2,20; Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE: niedrig).

Allerdings vertrauen die Review-Autoren diesem Ergebnis nur sehr eingeschränkt und sind der Ansicht, dass eine recht große Restunsicherheit besteht. Diese Einschätzung beruht vor allem auf einem Verzerrungsrisiko: Bei diesem Vergleich war es nicht möglich, die Studienteilnehmer zu verblinden. Zudem könnten die Review-Ergebnisse dadurch verzerrt worden sein, dass die Raucher in den verschiedenen Studien unterschiedlich intensiv verhaltenstherapeutisch unterstützt wurden. Manche Teilnehmenden bekamen beispielsweise eine standardmäßige Rauchstopp-Beratung, andere hingegen wurden deutlich umfassender unterstützt.

Und was ist mit dualem Konsum?

Der Review liefert auch Hinweise zum dualen Konsum. Die Review-Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieser bei Menschen, die E-Zigaretten zur Rauchentwöhnung nutzen, kurzfristig häufiger vorkommt als bei Menschen, die Nikotinersatzprodukte verwenden. Dieses Bild zeigte sich in drei der vier Studien, die zu dieser Frage ausgewertet wurden. Allerdings sei die Datenlage insgesamt noch spärlich und teilweise unpräzise und lasse keine verlässlichen Aussagen zu, teilt Cochrane Deutschland mit.

Unbeantwortet bleibt die Frage, was die E-Zigaretten zur Rauchentwöhnung langfristig – also über ein bis zwei Jahre hinaus – bewirken: Werden die Raucher zu reinen „Dampfern“ oder konsumieren sie dauerhaft gleichzeitig Tabak- und E-Zigaretten weiter? Dazu fehlen bislang die Daten.

Weiterhin Unsicherheit hinsichtlich der langfristigen gesundheitlichen Folgen

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts aus dem Mai 2026 rauchen in Deutschland 19,1 Prozent der Menschen ab 15 Jahre ‒ Konsumenten von E-Zigaretten inklusive. Während viele Menschen, die mit dem Tabakrauchen aufhören wollen, E-Zigaretten nutzen, besitzen auch nikotinhaltige E-Zigaretten ein Abhängigkeitspotenzial.

International werden laut Cochrane Deutschland E-Zigaretten als Rauchstopp-Hilfe unterschiedlich bewertet. Die bisherige deutsche S3-Leitlinie – die allerdings abgelaufen ist und gerade aktualisiert wird – hat E-Zigaretten zurückhaltend bewertet und sie nicht als Mittel der ersten Wahl eingestuft. In Großbritannien beispielsweise werden E-Zigaretten zur Rauchentwöhnung weniger kritisch gesehen.

Ein wesentlicher Grund für die Zurückhaltung sind die weiterhin bestehenden Unsicherheiten hinsichtlich der langfristigen gesundheitlichen Folgen des Konsums von E-Zigaretten. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beispielsweise sind im Dampf von E-Zigaretten bei bestimmungsgemäßer Anwendung nach derzeitigem Kenntnisstand zwar deutlich weniger krebserregende und andere gesundheitsschädliche Stoffe enthalten als im Rauch von Tabakzigaretten. Das BfR verweist aber darauf, dass auch das Dampfen mit gesundheitlichen Risiken behaftet ist: Der ausgestoßene Dampf enthalte viele Stoffe, die unter anderem die Lunge und das Herzkreislaufsystem schädigen können. Zudem fehlen bisher Langzeitstudien dazu, wie sich das Inhalieren bestimmter Aerosolbestandteile auf die Gesundheit auswirkt.

Eine gerade veröffentlichte Arbeit beispielsweise hat ergeben, dass der Konsum von Nikotin unabhängig von der Darreichungsform messbare Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System hat.

„Es ist wichtig hervorzuheben, dass sich unsere Untersuchung auf reglementierte, nikotinhaltige E-Zigaretten bezieht, während viele der auf dem Markt erhältlichen Produkte diese Standards nicht erfüllen“, betont Seniorautor Dr. Hartmann-Boyce von der University of Massachusetts Amherst. „Nicht zugelassene E-Zigaretten bergen potenzielle Gefahren, etwa durch instabile Akkus oder schädliche chemische Substanzen. Wer E-Zigaretten zur Raucherentwöhnung nutzen möchte, sollte ausschließlich auf Geräte zurückgreifen, die von der jeweiligen nationalen Zulassungsbehörde geprüft und genehmigt wurden.“

Zahlreiche bedeutende Gesundheitsorganisationen und -behörden, darunter die Weltgesundheitsorganisation (WHO), warnen davor, dass Nutzer von E-Zigaretten immer noch Nikotin und anderen potenziell schädlichen Substanzen ausgesetzt sind. Zudem bestehen Bedenken, dass der Konsum von E-Zigaretten bei Kindern und Jugendlichen zu Nikotinabhängigkeit und zum Rauchen von Tabakprodukten führen kann.

Die Autoren des aktualisierten Cochrane-Reviews weisen darauf hin, dass E-Zigaretten nicht für jeden, der mit dem Rauchen aufhören möchte, zwangsläufig die beste Methode darstellen. Vielmehr wird betont, dass sich Betroffene an Beratungsstellen zur Raucherentwöhnung oder an medizinisches Fachpersonal wenden sollten. Auch Vaping sei mit Gesundheitsrisiken verbunden.