COVID-19: Hydrokortison senkt die Sterblichkeit3. September 2020 Die REMAP-CAP-Studienbeteiligung von derzeit 17 deutschen Intensivstationen wird am Uniklinikum Jena koordiniert. (Foto: © UKJ) In einer internationalen Kooperation von mehr als 250 Intensivstationen konnte die REMAP-CAP-Studiengruppe nachweisen, dass intravenös verabreichtes Hydrokortison dem Organversagen bei COVID-19-Patienten mit schwerer beatmungspflichtiger Lungenentzündung entgegenwirkt und die Überlebenschancen der Patienten erhöht. Die REMAP-CAP-Studiengruppe ist ein von Intensivmedizinern und Infektiologen aufgebauter Zusammenschluss von Intensivstationen in 14 Ländern in Europa, Kanada, USA, Australien, Neuseeland und Saudi-Arabien. In dieser einzigartigen weltweiten Kooperation führt die Gruppe randomisierte klinische Studien durch, um die Wirksamkeit bekannter Medikamente in der COVID-19-Pandemie zu untersuchen. Die aus derzeit 17 Intensivstationen bestehende Studienbeteiligung in Deutschland wird am Zentrum für Klinische Studien des Universitätsklinikums Jena (UKJ) koordiniert. Hydrokortison hilft COVID-19-Patienten mit schwerer Lungenentzündung In einer jetzt publizierten Arbeit berichten die Ärzte von einer Studie, die den Einsatz von Hydrocortison bei COVID-19-Erkrankungen mit sehr schwerem Verlauf testete. Bei 384 erwachsenen Patienten, die wegen einer schweren Lungenentzündung beatmet werden mussten, erwies sich die Behandlung mit dem überall verfügbaren und preiswerten Kortisonpräparat als sehr wirkungsvoll. Im Vergleich mit einer Kontrollgruppe verbesserte die intravenöse Behandlung mit Hydrocortison die Überlebensrate und minderte die Schwere des Organversagens mit einer Wahrscheinlichkeit von 93 Prozent. Diese Ergebnisse sind in Übereinstimmung mit einer jüngsten Studie aus Großbritannien, die zeigen konnte, dass Dexamethason die Sterblichkeit bei schwerer COVID-19-Erkrankung um ein Drittel senkt. Ergebnisse fließen in COVID-19-Behandlungsempfehlungen der WHO ein „Bisher galten Cortisonpräparate als kontraindiziert bei Viruspneumonien. Die Ergebnisse zeigen, dass Hydrocortison eine ähnlich günstige Wirkung wie Dexamethason bei schwerer COVID-19-Pneumonie hat“, sagt Mathias Pletz. Der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am UKJ ist der Studienleiter für Deutschland. „Das Ergebnis ist auch hinsichtlich der sich weltweit abzeichnenden Verknappung von Dexamethason eine wichtige Botschaft.“ Die Studienresultate werden in die Behandlungsempfehlungen der WHO für COVID-19 einfließen, die ständig aktualisiert werden. Valide COVID-19-Studienergebnisse nur in internationalen Kooperationen möglich Seit März 2020 baut die weltweit vernetzte REMAP-CAP-Gruppe Studienprotokolle auf, die die Wirksamkeit und Sicherheit von bereits zugelassenen Medikamenten bei hospitalisierten COVID-19-Patienten testen. „Wir untersuchen derzeit parallel die Wirksamkeit und Sicherheit von 14 unterschiedlichen Behandlungen in einem adaptiven und multifaktoriellen Studiendesign, das auch von der WHO empfohlen wird”, sagt Frank Brunkhorst, der als Mitglied der globalen Lenkungsgruppe mitverantwortlich ist für Design und Protokolle der Studien. Der Leiter des Studienzentrums am UKJ kritisiert auch die gegenwärtige Zersplitterung der klinischen Forschung mit vielen kleinen Studien zu COVID-19 in Deutschland: „In einer Pandemie wie dieser brauchen wir große Patientenzahlen, um schnell zu Erkenntnissen und Fortschritten in der Therapie zu kommen. Das ist nur im Rahmen von internationalen Kooperationen möglich. Wir brauchen die Ergebnisse dieses Jahr und nicht erst im Herbst 2021.“
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