COVID-19: Rückgang bei Diagnose und Behandlung von Darmkrebs in England10. August 2021 © sakramir – stock.adobe.com (Symbolbild) Wie wirkt sich die COVID-19-Pandemie auf die Erkennung und Behandlung von KRK in England aus? Um diese Frage zu beantworten, haben britische Forschende Angaben zu Überweisungen mit KRK-Bezug aus 4 bevölkerungsbasierten Datensätzen des National Health Service (NHS) in England vom 1.1.2019 bis 31.10.2020 extrahiert. Dabei wurden monatliche Unterschiede der Versorgungsmuster zwischen 2019 und 2020 untersucht und berechnet. Im Vergleich zum monatlichen Durchschnitt des Jahres 2019 verringerte sich im April 2020 die monatliche Anzahl der 2-Wochen-Überweisungen wegen Krebsverdachts um 63% von 36.274 auf 13.440 (95%-KI 53–71) und wegen einer Koloskopie um 92% von 46.441 auf 3484 (95%-KI 89–95). Dies führte zu einem 22%igen relativen Rückgang der zur Behandlung überwiesenen Fälle, von einem Monatsdurchschnitt von 2781 im Jahr 2019 auf 2158 Überweisungen im April 2020 (95%-KI 8–34). Bis Oktober 2020 kehrte die monatliche Rate wieder auf das Niveau von 2019 zurück, überschritt diese jedoch nicht. Damit wurden bis Oktober 2020 in England >3500 Menschen weniger als erwartet mit Darmkrebs diagnostiziert. Verglichen mit dem monatlichen Durchschnitt des Jahres 2019 gab es bei der Anzahl von Operationen im April 2020 einen relativen Rückgang von 31% (95%-KI 19–42) sowie einen geringeren Anteil laparoskopischer und einen größeren Anteil stomabildender Verfahren. Zum Oktober 2020 lagen die laparoskopischen Chirurgie- und Stoma-Raten auf dem Niveau von 2019. Bei Rektumkarzinomen konnte im April 2020 ein relativer Anstieg der neoadjuvanten Strahlentherapien um 44% (95%-KI 17–76) vs. den Monatsdurchschnitt im Jahr 2019 verzeichnet werden, da vermehrt Kurzzeitbehandlungen angewendet wurden. Obwohl es im Juni 2020 zu einem Rückgang bei den Kurzzeittherapien kam, blieben die Raten bis Oktober 2020 stabil über dem Niveau von 2019. Fazit Die COVID-19-Pandemie führte zu einem anhaltenden Rückgang der Personenzahl, die wegen Darmkrebs überwiesen, diagnostiziert und behandelt wurden. Bis Oktober 2020 lag das Erreichen der Versorgungsziele wieder auf dem Niveau von 2019, wenn auch mit einer geringeren Anzahl von Patienten und mit vermehrten Veränderungen bei der üblichen Behandlungspraxis. (bi) Autoren: Morris EJA et al. Korrespondenz: Eva Morris; [email protected] Studie: Impact of the COVID-19 pandemic on the detection and management of colorectal cancer in England: a population-based study Quelle: Lancet Gastroenterol Hepatol 2021;6(3):199–208. Web: https://doi.org/10.1016/S2468-1253(21)00005-4
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