Dauerhafte Sommerzeit erhöht Unfallrisiko für Schulkinder deutlich

Müssen Kinder ihren Schulweg noch vor Sonnenaufgang antreten, steigt das Unfallrisiko. (KI-generiertes Symbolbild, erstellt mit Google Gemini)

Eine dauerhafte Umstellung auf Sommerzeit würde das Risiko tödlicher Verkehrsunfälle auf dem Schulweg etwa verdoppeln und den zirkadianen Rhythmus von Kindern und Jugendlichen erheblich beeinträchtigen. Das zeigt eine Untersuchung aus den USA.

In den USA wird derzeit intensiv über den sogenannten „Sunshine Protection Act“ debattiert, der die saisonale Zeitumstellung abschaffen und die Sommerzeit (Daylight Saving Time, DST) ganzjährig verankern soll. Auch hierzulande wird seit Jahren über die Zeitumstellungen im März und Oktober diskutiert. Ein Mehrheit der Bevölkerung spricht sich dabei für die Beibehaltung der Sommerzeit aus. Was auf den ersten Blick nach mehr Sonne am Nachmittag klingt, verschiebt das Tageslicht am Morgen jedoch um eine volle Stunde nach hinten. Ein Forscherteam um Prof. Horacio de la Iglesia und Dr. Guadalupe Rodríguez Ferrante von der University of Washington in Seattle (USA) hat nun die konkreten Konsequenzen dieser Gesetzesinitiative für Kinder und Jugendliche quantifiziert.

Mehr als zwei Milliarden Schulwege vor Sonnenaufgang

Unter Verwendung von Schulstartzeiten, Schülerzahlen und geografischen Koordinaten errechneten die Forschenden zunächst für 14 US-Bundesstaaten die Anzahl der Schulwege im Dunkeln. Die Hochrechnung auf das gesamte Bundesgebiet ergab, dass eine dauerhafte Sommerzeit dazu führen würde, dass Kinder und Jugendliche pro Jahr mehr als zwei Milliarden mal häufiger ihren Schulweg vor Sonnenaufgang antreten müssten. Besonders stark betroffen wären Gemeinden am westlichen Rand der Zeitzonen sowie Regionen mit frühem Unterrichtsbeginn vor 8.00 Uhr morgens.

Ein ähnlicher Versuch in den USA im Jahr 1974, die DST dauerhaft einzuführen, wurde bereits nach wenigen Monaten wegen großer Sorgen der Bevölkerung über die dunklen Wintermorgen wieder abgebrochen.

Verdoppeltes Risiko für tödliche Fußgängerunfälle

Die Auswirkungen betreffen keineswegs nur den Komfort: Eine Auswertung der US-Verkehrsunfalldaten über ein Jahrzehnt zeigte, dass tödliche Kollisionen mit Fußgängern im Alter von fünf bis 18 Jahren in dunklen Morgenstunden etwa doppelt so häufig auftreten wie nach Sonnenaufgang. Die Belastung trifft vor allem Kinder aus einkommensschwächeren Familien, die häufiger zu Fuß gehen, auf Schulbusse angewiesen sind oder frühzeitige Schulverpflegungsprogramme nutzen.

Störung der inneren Uhr und Plädoyer für Normalzeit

Dunkle Morgenstunden entziehen Kindern zudem das essenzielle Morgenlicht, das für die Synchronisation der inneren Uhr sowie für Stimmung, Schlaf und Appetit entscheidend ist. Eine dauerhafte Sommerzeit würde zudem die Vorteile späterer Schulstartzeiten für Jugendliche zunichtemachen. Die Studienautoren – und auch Schlafmediziner hierzulande – plädieren daher nachdrücklich für eine dauerhafte Normalzeit (Standard Time), da diese das Unfallrisiko senkt und biologische, soziale und solare Uhren am besten in Einklang bringt. (ej/BIERMANN)