Delisting-Strategie bei hohem panelreaktiven Antikörperwert: Erhöhtes Abstoßungsrisiko, aber gutes kurzfristiges Transplantatüberleben2. Februar 2026 Foto: © luuuusa/stock.adobe.com Laut einer Studie aus Spanien verbessert ein sorgfältiges Antigen-Delisting den Zugang zu Transplantationen für Patienten mit cPRA von mindestens 99,9 Prozent deutlich. Bei Nierentransplantationskandidaten mit einem berechneten panelreaktiven Antikörperwert (calculated Panel Reactive Antibody, cPRA) von ≥ 99,9 Prozent kann die Suche nach einer perfekten Humanen-Leukozyten-Antigen(HLA)-Kompatibilität die Transplantation deutlich verzögern. Das Vorhandensein von präformierten spenderspezifischen Antikörpern (donor-specific antibody, DSA) führt jedoch nicht immer zu einer antikörpervermittelten Abstoßung. In einer aktuellen Studie präsentieren spanische Wissenschaftler jetzt die Ergebnisse ihrer Strategie, Kandidaten für eine Nierentransplantation mit einem cPRA ≥ 99,9 Prozent bzw. HLA-Antigene von der Liste zu nehmen (Delisting-Strategie). Ihrer Aussage zufolge verbessert ein sorgfältiges Antigen-Delisting den Zugang zu Transplantationen für Patienten mit cPRA ≥ 99,9 Prozent deutlich. Dieser Ansatz birgt zwar ein erhebliches Risiko einer akuten Abstoßung, ist aber auch mit einer angemessenen kurzfristigen Transplantat-Überlebensrate assoziiert. HLA-Antigene im Fokus Die Forscher nahmen HLA-Antigene von der Liste, wenn ihre mittlere Fluoreszenz-Intensität (MFI) in aktuellen und historischen Proben unter 5000 lag. Dies diente dazu, den cPRA auf ≤ 99,0 Prozent zu senken. Wenn dieser erste Schritt nicht erfolgreich war, zogen die Experten HLA-Antikörper mit einer MFI unter 10.000 oder einer beliebigen MFI für Anti-HLA-DP (D-Region Peptidbindung) und Anti-HLA-DRB (D-Related Beta-Kette) 3/4/5 für die Streichung in Betracht. Weitere Kriterien waren die 1/16-Verdünnungsreaktion und Komplement-Bindungsaktivitat (C3d oder C1q), wobei idealerweise Antikörper vermieden wurden, die auf kreuzreaktive Epitop-gruppen/Eplet-Muster abzielten und wiederholte Nichtübereinstimmungen mit früheren Spendern aufwiesen. Insgesamt strichen die Wissenschaftler 48 Patienten nach einer medianen Wartezeit von 5,6 Jahren von der HLA-Antigen-Liste, wodurch sich ihr cPRA auf 98,3 Prozent verringerte. Es erhielten 30 (62,5 %) Patienten 98 Tage nach der Streichung ein Spenderangebot. Von diesen 30 wiesen 18 (60,0 %) eine negative Durchflusszytometrie und komplementabhängige Zytotoxizitäts-Kreuzproben auf und unterzogen sich einer direkten Transplantation ohne zusätzliche Desensibilisierung mit dem Enzym Imlifidase. Unter diesen Teilnehmern hatten 16 (83,3 %) mindestens einen DSA mit einer immundominanten MFI von 7245. Bei diesen Patienten trat nach einjähriger Nachbeobachtung in sieben Fällen (43,7 %) eine antikörpervermittelte Abstoßung auf, und die Transplantatüberlebensrate betrug 87,5 Prozent. (jh)
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