DGE zum KHAG: Drohende Versorgungslücke in der Endokrinologie14. November 2025 Foto: © wladimir1804/stock.adobe.com Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) kritisiert den Entwurf des Krankenhausanpassungsgesetzes (KHAG), da dieser nicht zwingend die fachärztliche endokrinologisch-diabetologische Expertise fest vorschreibt. Patienten mit komplexen hormonellen und Stoffwechselerkrankungen können in Krankenhäusern nur dann angemessen versorgt werden, wenn spezialisierte endokrinologische Expertise strukturell verankert ist, betont die DGE. Laut des aktuellen Entwurfs des KHAG schreibt die Leistungsgruppe 2 „Komplexe Endokrinologie und Diabetologie“ jedoch keine Expertise von Fachärzten für Endokrinologie und Diabetologie mehr vor. Stattdessen soll – anders als im ursprünglichen Gesetzentwurf – bereits ein Arzt mit einer Zusatzweiterbildung für Diabetologie ausreichend sein und den dreijährigen Facharztstandard für Endokrinologie und Diabetologie ersetzen können. Hier verfehle der Gesetzentwurf seine eigentliche Intention, eine qualitativ hochwertige fachärztliche Versorgung sicherzustellen, kritisiert die DGE. Die Fachgesellschaft fordert daher, dass die entsprechende Leistungsgruppe laut KHAG zwingend die fachärztliche endokrinologisch-diabetologische Expertise fest vorschreibt, wie dies bereits in Nordrhein-Westphalen erfolge und auch in allen anderen internistischen Schwerpunktfächern vorgesehen sei. Andernfalls sei die Versorgung von komplexen endokrinen und diabetologischen Diagnosen und Versorgung von Patienten in höchstem Maße gefährdet. Fachärztliche Expertise notwendig Erkrankungen des Hormon- und Stoffwechselsystems erfordern eine differenzierte Diagnostik und Therapie, erklärt Prof. Jan Tuckermann. Es sei daher richtig, dass sich die Leistungsgruppe 2 an der Verfügbarkeit der Fachärzte für Innere Medizin ausrichtet – allerdings müsse bei der Zusammensetzung der Leistungsgruppe Komplexe Endokrinologie und Diabetologie zwingend die Expertise für Endokrinologie und Diabetologie vorgesehen werden, fügt er hinzu. Doch „so, wie die Personalsituation aktuell in der Leistungsgruppe gestaltet ist, deckt sie nicht den Bedarf an endokrinologischer Versorgung. Am Ende der Krankenhausreform muss sichergestellt sein, dass Patient*innen mit komplexen endokrinen Erkrankungen von Ärzt*innen behandelt werden, die dafür speziell ausgebildet sind“, betont der DGE-Präsident. Der Kritik Tuckermanns schließt sich Prof. Nicole Reisch an. In der Versorgungspraxis sei die spezielle Expertise von Fachärzten für Endokrinologie/Diabetologie an vielen Stellen entscheidend – auch über unser Fachgebiet hinaus. Denn neben Diabetes, Störungen der Schilddrüse, des Knochenstoffwechsels, Hypophysen- oder Nebennierenerkrankungen behandeln Fachärzte zum Beispiel auch vermehrt langfristige Nebenwirkungen onkologischer Therapien, so Reisch. Schließlich entwickele jede zweite Person, die eine Krebserkrankung im Kindesalter überlebt, im Laufe des Lebens eine endokrine Störung. Moderne Immuntherapien für Krebs würden häufig zu akut lebensbedrohlichen endokrinen Erkrankungen als Nebenwirkung führen. Ein plötzlicher Ausfall der Nebennierenhormone wie Cortisol kann tödlich enden, betont die DGE-Vizepräsidentin. „Solche komplexen Krankheitsbilder können nur durch entsprechend weitergebildete Fachärzt*innen für Endokrinologie und Diabetologie adäquat betreut werden. Um dies sicherzustellen, muss die Endokrinologie im KHAG strukturell gesichert werden – sowohl hinsichtlich der Vorgaben für Fachärzt*innen als auch durch die Sicherstellung der Weiterbildung“, führt Reisch weiter aus. Unverzichtbarer Bestandteil der Inneren Medizin Die Behandlung von Störungen der Schilddrüse, des Knochenstoffwechsels oder seltenen Hypophysen- oder Nebennierenerkrankungen erfordern besonderes endokrinologisches Fachwissen, so die DGE. Dabei ist die Zahl spezialisierter Zentren und Fachärzten begrenzt: Aktuell gibt es in Deutschland 149 Krankenhäuser mit endokrinologischer Expertise und hauptamtlich 270 Fachärzten für Endokrinologie/Diabetologie in der stationären Versorgung. Außerdem sind 28 Prozent der derzeit tätigen Fachärzte Endokrinologie/Diabetologie älter als 60 Jahre und werden in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. Es müsse daher einerseits das Ziel der Krankenhausreform sein, eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung auf Facharztniveau sicherzustellen, andererseits die strukturellen Voraussetzungen zu schaffen, um die Weiterbildung von Fachärzten zu fördern und den steigenden Bedarf langfristig decken zu können, heißt es abschließend in der Pressemitteilung der DGE.
Mehr erfahren zu: "Wie Adipositas den Impfschutz beeinträchtigt" Weiterlesen nach Anmeldung Wie Adipositas den Impfschutz beeinträchtigt Eine aktuelle US-Studie legt nahe, dass sich Adipositas negativ auf den Impfschutz auswirken könnte. Im Mausmodell beeinträchtigt Adipositas die Antikörperproduktion nach einer Impfung gegen Pseudomonas aeruginosa. Gewebsständige Gedächtnis-T-Zellen könnten dieses […]
Mehr erfahren zu: "Estradiol-Pflaster gleichwertig zu LHRH-Agonisten bei lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs" Weiterlesen nach Anmeldung Estradiol-Pflaster gleichwertig zu LHRH-Agonisten bei lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs Zur Androgenentzugstherapie bei lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs hat sich die transdermale Verabreichung von Estradiol gegenüber LHRH-Agonisten als nicht unterlegen erwiesen. Dies gilt sowohl für die Überlebensergebnisse als auch für die Testosteronsenkung. […]
Mehr erfahren zu: "Studie zu Schwangerschaftsübelkeit deckt sechs neue genetische Zusammenhänge auf" Studie zu Schwangerschaftsübelkeit deckt sechs neue genetische Zusammenhänge auf Eine neue Studie identifizierte insgesamt zehn Gene, die mit der schwersten Form der Schwangerschaftsübelkeit, der Hyperemesis gravidarum, in Verbindung stehen. Sie liefert Hinweise auf zugrundeliegende biologische Mechanismen und potenzielle neue […]