Die Welt mit Baby-Augen sehen6. Dezember 2022 Um herauszufinden, wie Babys die Welt sehen, haben Forschende die Gehirnaktivitäten von Babys und Erwachsenen beim Betrachten von Bildern verglichen. (Foto: © .James Timothy Peters – Pixabay) Eine Studie der Universitäten Berlin und Wien zeigt, wie Babys visuelle Wahrnehmungseindrücke ordnen. Während Erwachsene visuelle Eindrücke blitzschnell sortieren, müssen Babys dies erst lernen. Diese Fähigkeit ist wichtig, um sich im Alltag zurecht zu finden. Bisher war unklar, ob die visuelle Wahrnehmung im Gehirn von Babys vor dem Spracherwerb fundamental anders ist als bei Erwachsenen. Forscher der FU Berlin und die Entwicklungspsychologin Prof. Stefanie Höhl von der Universität Wien haben die Gehirnaktivitäten von Babys und Erwachsenen beim Betrachten von Bildern verglichen, um herauszufinden, wie Babys die Welt wahrnehmen. Frühere Studien mit Blickbewegungsmaßen zeigten bereits, dass Babys im ersten Lebensjahr immer besser darin werden, Objekte in Kategorien einzuordnen. Die neue Studie gibt nun Aufschluss über die dabei ablaufenden Prozesse im Gehirn. Dazu zeichneten die Forscher die Gehirnaktivität von Babys im Alter zwischen sechs und acht Monaten mittels Elektroenzephalographie auf, während diese sich rund hundert Bilder von Menschen, Spielzeugen und Häusern anschauten. Zum Vergleich sah eine Gruppe von Erwachsenen dieselben Bilder. Moderne Analyseverfahren kamen zum Einsatz, um den Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Wahrnehmung bei Babys und Erwachsenen auf die Spur zu kommen. “Wir konnten beobachten, dass Babys die verschiedenen Bilder bereits in Kategorien wie ‚Gesichter‘ und ‚Spielzeuge‘ einordnen konnten, aber sie waren dabei deutlich weniger präzise und sehr viel langsamer als die Erwachsenen”, erklärt Höhl. Die langsamere Informationsweiterleitung im kindlichen Gehirn könnte mit den noch nicht ausgereiften Verbindungen zwischen Gehirnarealen zusammenhängen. Die Myelinschicht, die im erwachsenen Gehirn für eine beschleunigte Weiterleitung sorgt, bildet sich nach der Geburt erst noch aus. Dazu passt, dass die an der visuellen Verarbeitung beteiligten Gehirnrhythmen bei den Babys deutlich langsamere Frequenzen hatten als bei den Erwachsenen. Der Vergleich mit Computermodellen zeigte zudem, dass die Wahrnehmungsprozesse bei Babys vorwiegend von grundlegenden Eigenschaften der Bilder geprägt waren, z. B. Helligkeit und Kanten. Dagegen spielten bei Erwachsenen komplexere Aspekte wie Formen eine größere Rolle. Gleichzeitig gab es interessante Zusammenhänge zwischen den visuellen Wahrnehmungsprozessen der kleinen und großen Versuchsteilnehmer. Diese belegen, dass Babys verschiedene Arten von Objekten schon ganz ähnlich wie Erwachsene wahrnehmen. Die Studie zeige das enorme Potenzial moderner Analyseverfahren in den kognitiven Neurowissenschaften auf und lege den Grundstein für weitere entwicklungspsychologische Forschung, so die Forscher. Derzeit führt die Arbeitsgruppe weiterführende Untersuchungen mit Kindern im Kindergarten- und Schulalter durch.
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