DN: GKV-Gesetzentwurf bedeutet überwiegend negative Folgen für die nephrologische Versorgung

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Der Berufsverband der Nephrologinnen und Nephrologen in Deutschland (DN) macht auf die möglichen Auswirkungen des Gesetzentwurfs auf die Versorgung chronisch nierenkranker Menschen, die nephrologische Versorgungsstruktur sowie die Rahmenbedingungen der ambulanten Dialyseversorgung aufmerksam.

Der DN begrüßt die Auseinandersetzung mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland durch die Bundesregierung. Aus bereits durch die Fachgesellschaft genannten Gründen (Link: https://www.dgfn.eu/stellungnahmen-details/stellungnahme-zum-entwurf-beitragssatzstabilisierungsgesetz-20260420.html) erscheint es dem DN sinnvoll, dass präventive Ansätze für alle Menschen anders positioniert werden und in Zukunft stärker zur Verhinderung von chronischen Krankheiten und deren Spätfolgen beitragen sollen.

Laut dem Berufsverband werden sich die Rahmenbedingungen für die ambulante Nierenersatztherapie durch die erhebliche Dynamisierung bei den Kosten der Fachkräfte und die kompetitive Situation mit Einrichtungen der stationären und pflegerischen Versorgung weiter verschärfen. Deshalb sei es unabdingbar, dass im Bereich der Dialysetherapie eine Fortschreibung der derzeitigen Regelung stattfindet.

Die darüber hinaus beschlossenen Schritte zur weiteren regulatorischen Beschneidung der ärztlichen Vergütung hält der DN für sehr problematisch. Der Gesetzentwurf werde sich negativ auf die Qualität der Versorgung der komplex kranken Patienten auswirken. Die bereits heute schwierige Nachbesetzungssituation in der ambulanten Versorgung würden damit auch in der Nephrologie weitere ungünstige Vorzeichen erhalten, da die wirtschaftlichen Risiken sowie die Verantwortlichkeiten für Einrichtungen mit überwiegend mittelständischen betriebswirtschaftlichen Konstellationen von der nächsten Generation von Ärzte schon heute zunehmend negativ eingeordnet würden.

Grundlohnrate im Fokus

Die Koppelung der Punktwertfortschreibung an die Grundlohnrate werde laut DN die Schere zwischen den Ausgaben und den Einnahmen weiter öffnen und damit eine Dynamik unterstützen, welche bereits vorab über mehr als zehn Jahre auf Seiten der Kostenträger ignoriert worden sei.

Budgetierungen in der fachärztlichen Versorgung müssten beseitigt werden, so der Berufsverband. Ärztliche Beratungsleistungen, präventiv wie therapeutisch, benötigen eine adäquate Honorierung und können und dürfen angesichts der demographischen Veränderungen in Deutschland nicht einer Vergütung entzogen werden, heißt es weiter.

Die geplanten Einschnitte würden zum gegenteiligen Effekt dessen führen, was politisch gewollt sei:

  • einer weiteren Verschlechterung der Versorgung in ländlichen Bereichen und
  • einer weiteren Zentralisierung der ambulanten nephrologischen Strukturen einschließlich der Marktkonzentration in größeren, teils kapitalgetriebenen Strukturen.

DN: Arzneimittelversorgung bleibt problematisch

Ein patientenrelevantes Risiko sieht der DN im Bereich der Arzneimittelabschläge und der konsekutiv schlechteren Verfügbarkeit von Medikamenten. Bereits in den letzten Jahren seien Medikamente im Bereich der intravenösen Eisensubstitution, Erythropoese-stimulierende Agenzien und Calcimimetika sowie Puffer-Substanzen regelmäßig schlecht oder nicht verfügbar.

Diese Verfügbarkeitslücken im Bereich der chronischen Behandlung und der Dialyseversorgung würden den personellen Aufwand steigern, weil Medikamente ersetzt werden müssen oder oft gar nicht verfügbar sind, und limitieren letztlich Verfügbarkeit für die Versorgung von Patienten. Der Berufsverband befürchte daher eine weitere Verschlechterung dieser Versorgungssituation.

Patientenindividuelle Probleme würden zunehmen

An dieser Stelle möchte sich der DN auch explizit für die Belange der chronisch Nierenkranken und insbesondere der Menschen unter Nierenersatztherapie einsetzen. Diese würden durch die Verschiebung der Belastung über höhere Zuzahlungen, insbesondere in den ersten Monaten eines Jahres, vor deutlich größere individuelle finanzielle Herausforderungen gestellt sein.

„Die neu geplanten Regelungen im Hinblick auf die Krankentransporte werden auch die Dialysefahrten und damit sehr wahrscheinlich auch die Patienten relevant treffen“, mahnt der Berufsverband. Die Verfügbarkeit der Fahrdienste werde gerade im ländlichen Bereich absehbar abnehmen, was die Organisation von Fahrten zur Behandlung weiter erschweren und lange Anfahrtswege zur Folge haben werde. Es bestehe die Gefahr, dass die Patienten nicht mehr die nötige Therapie erhalten und die Lebensqualität – vor allem die der älteren Menschen – erheblich beeinträchtigt wird.

Wie sich die Versorgung mit Hilfsmitteln durch den geplanten pauschalen Abschlag von drei Prozent entwickeln wird, bleibe abzuwarten, wird aber auch hier wieder vermehrt komplex kranke Patienten treffen.

Ausdrücklich begrüßen möchte der DN die Einführung einer Teilarbeitsunfähigkeit, die gerade für chronisch kranke Menschen mit einer Abhängigkeit von Dialyseverfahren oder nach der Transplantation eine bessere Absicherung und Integration bedeute. Allerdings falle nur ein kleiner Teil der Betroffenen in eine entsprechende Altersgruppe.

Entsprechende Rahmenbedingungen gefordert

Man sehe sich laut DN insgesamt einem Gesetzentwurf gegenüber, der die ambulante Versorgung im Bereich chronischer Nierenkrankheiten verschlechtern und weitere Konzentrationseffekte zur Folge haben wird.

Ziel des Berufsverbandes sei es, die hohe Versorgungsqualität in der CKD- Prävention, Nierenersatztherapie und Transplantationsnachsorge beizubehalten und im Hinblick auf die demographische Entwicklung zu reagieren und zukunftsfähig zu gestalten. Eine Förderung kostengünstigerer Behandlungsmodalitäten in der Nierenersatztherapie müsse daher, zusammen mit einer strukturellen Weiterentwicklung aller Heimdialyseverfahren, gefestigt werden. Dafür benötige man die richtigen Rahmenbedingungen.

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