Dortmunder und Wiener Forscher entwickeln LipidCreator-Software18. Juni 2020 Foto: © Sodel Vladyslav – Adobe Stock Erkenntnisse mittels neuer Lipid-Analyse können schnelle und zielgerichtete Diagnose sowie Prognose von Krankheiten unterstützen. Lipide sind chemisch sehr unterschiedlich, komplex aufgebaut und bestehen aus Kombinationen verschiedener Bausteine, wie etwa Zuckern, Fettacylen und Bindungstypen. In der öffentlichen Wahrnehmung sind sie gemeinhin als krank- und dickmachende Fette verschrien – dabei tragen sie im menschlichen Körper eine wichtige Rolle. Denn das Leben ist eingehüllt von Lipiden, Fetten und Wachse: Sie bilden Zellen und Organellen, vermitteln Informationen, schützen den Organismus vor den rauen Umweltbedingungen und dienen als Energiebausteine. Die vielfältigen Funktionen der Lipide im menschlichen Körper nutzt die Forschung zunehmend, um Erkrankungen früher zu diagnostizieren und deren Verläufe besser vorherzusagen. Zwar haben Lipide ein großes Potenzial als Biomarker, doch ihre Analyse war bisher technisch aufwändig. Daher haben Forscher des Leibniz-Instituts für Analytische Wissenschaften (ISAS) und des Instituts für Analytische Chemie der Universität Wien erstmals eine Software für gezielte massenspektrometische Analysen von Lipiden entwickelt. „LipidCreator hat eine hohe klinische Relevanz. So können wir mit der Software schneller und effizienter als zuvor spezifische Lipidgruppen und Lipidsignalmoleküle, die wir mittels Massenspektrometrie entschlüsselt haben, bestimmen. Damit gewinnen wir beispielsweise Erkenntnisse über die Blutgerinnung und die Genese von Thrombosen“, erläutert Ass.-Prof. Dipl.-Biol. Robert Ahrends von der Universität Wien und ehemaliger Leiter der Arbeitsgruppe „Lipidomics“ am ISAS. Die neue Software, über die jetzt die renommierte Fachzeitschrift „Nature Communications“ berichtet, ist ein wichtiger Schritt, um die Analyse aller Lipide in einer Zelle, in einem Gewebe bzw. in einem Organismus zu etablieren. Sie ermöglicht nicht nur neue Untersuchungen in der Gesundheitsforschung, sondern kommt auch für verschiedene Laborumgebungen infrage. Gleichzeitig dient LipidCreator als riesige Bibliothek des Lipid-Wissens. Die für LipidCreator erforderliche Massenspektrometrie ist in den vergangenen Jahren sowohl schneller als auch empfindlicher geworden. Heute lassen sich mittels eines Massenspektrometers bis zu 500 Lipide analysieren.
Mehr erfahren zu: "Spermaanalyse und IVF: Studien stellen Ejakulationskarenz infrage" Spermaanalyse und IVF: Studien stellen Ejakulationskarenz infrage Die Empfehlungen zur Karenzzeit vor Spermienanalysen und künstlicher Befruchtung mittels In-vitro-Fertilisation (IVF) müssen möglicherweise überarbeitet werden. Dies ergeben eine große Metaanalyse und eine aktuelle IVF-Studie, auf welche die European Sperm […]
Mehr erfahren zu: "Neue bioinformatische Tools erkennen Strukturvarianten und Tandem Repeats" Neue bioinformatische Tools erkennen Strukturvarianten und Tandem Repeats Zwei neue bioinformatische Werkzeuge können Strukturvarianten und Tandem Repeats im menschlichen Genom zuverlässiger identifizieren. Künftig könnten sie potenziell dazu beitragen, bislang unerkannte genetische Ursachen von Krankheiten aufzuspüren und die Diagnostik […]
Mehr erfahren zu: "Neue Methode verbessert Diagnose erblicher Nierenerkrankung" Neue Methode verbessert Diagnose erblicher Nierenerkrankung Eine seltene Erbkrankheit der Niere lässt sich mit herkömmlichen Gentests oft nur schwer erkennen. Ein deutsches Forschungsteam hat nun eine neue Methode entwickelt, die krankheitsauslösende Veränderungen im MUC1-Gen zuverlässiger nachweisen […]