Spermaanalyse und IVF: Studien stellen Ejakulationskarenz infrage

Wie lange sollte die Karenz vor einer Spermaabgabe für Analyse oder IVF sein? Symbolbild (KI-generiert): MUHAMMAD – stock.adobe.com

Die Empfehlungen zur Karenzzeit vor Spermienanalysen und künstlicher Befruchtung mittels In-vitro-Fertilisation (IVF) müssen möglicherweise überarbeitet werden. Dies ergeben eine große Metaanalyse und eine aktuelle IVF-Studie, auf welche die European Sperm Bank in Kopenhagen (Dänemark) hinweist.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt derzeit, vor einer Spermienanalyse 2–7 Tage auf eine Ejakulation zu verzichten. Die Europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie und die Nordische Gesellschaft für Andrologie empfehlen 3–4 Tage. Eine neue britisch-deutsche Studie stellt die Bedeutung einer längeren Karenzzeit infrage.

Die Forschenden werteten 115 Studien mit rund 55.000 Männern aus und kamen zu dem Schluss, dass eine längere Speicherung der Spermien im männlichen Reproduktionstrakt mit einer schlechteren Spermienqualität einhergehen kann. Das Phänomen ist als „Post-Meiotic Sperm Senescence“ bekannt und wird unter anderem mit erhöhtem oxidativem Stress und DNA-Schäden sowie einer verringerten Beweglichkeit und Überlebensfähigkeit der Spermien in Verbindung gebracht. Eine längere Karenzzeit könnte demnach für manche Männer kontraproduktiv sein.

Geringere Schwangerschaftswahrscheinlichkeit bei längerer Karenz

Eine aktuelle IVF-Studie aus London (Großbritannien) zeigt, dass eine längere Karenzzeit zwar einzelne Spermienparameter verbessert, aber nicht automatisch zu besseren Behandlungsergebnissen führt. Die Studie mit 2899 Paaren und 3873 IVF-Zyklen hat die Auswirkungen der Ejakulationskarenz in IVF-Zyklen untersucht. Zwar stiegen Spermienkonzentration, Gesamtzahl motiler Spermien und Ejakulatvolumen mit längerer Karenzzeit (5–7 Tage) an, die Rate an Blastozysten guter Qualität blieb jedoch unverändert. Gleichzeitig war eine längere Karenzzeit (5–7 Tage im Vergleich zu 2 Tagen) mit einer geringeren Schwangerschaftswahrscheinlichkeit verbunden (adjustierte Odds Ratio [aOR] 0,786; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,685–0,903; p<0,001). Die Fehlgeburtenrate war allerdings nicht signifikant mit der Dauer der Abstinenz assoziiert (p<0,001). Obwohl die Lebendgeburtenrate mit zunehmender Karenzdauer sank, erreichte dieser Zusammenhang keine statistische Signifikanz (aOR 0,886; 95%-KI 0,769–1,020; p=0,0921).

(ms/BIERMANN)

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