Expertengruppe empfiehlt, die Beurteilung der Spermienmorphologie stark zu vereinfachen

Mit der Beurteilung der Spermienmorphologie (l. normal, r. abnormal) sollte man es nicht übertreiben, raten französische Experten. Grafik: Abdullah5a – stock.adobe.com

Eine französische Expertengruppe hat eine klinische Leitlinie für die Beurteilung der Spermienmorphologie im Rahmen der männlichen Fertilitätsabklärung erarbeitet. Aufgrund der enormen Variabilität der Verfahren und mangelnder Evidenz empfiehlt sie eine deutliche Vereinfachung der Diagnostik.

Die Arbeitsgruppe bestand aus 15 Mitgliedern, darunter ein Experte für Statistik. Für ihr Experten-Review hielt sie sich an eine vordefinierte Standardmethodik für narrativ erörterte Fragen sowie für Fragen nach dem PICO-Schema (Patient, Intervention, Comparison, Outcomes).

Schließlich kamen die Experten zu fünf Empfehlungen:

  • keine systematische detaillierte Analyse von Anomalien (oder Gruppen von Anomalien) im Rahmen der Beurteilung der Spermienmorphologie
  • Das Labor sollte eine qualitative oder quantitative Methode zum Nachweis einer monomorphen Anomalie anwenden. Dazu gehören Globozoospermie, das Syndrom der großköpfigen Spermien, das Syndrom der „Stecknadelkopf“-Spermien und multiple Geißelanomalien. Das Ergebnis kann entweder in Form eines interpretierenden Kommentars oder als numerischer Bericht über den prozentualen Anteil der detaillierten Anomalien dargestellt werden.
  • Die Arbeitsgruppe empfiehlt den Einsatz von Indizes für multiple Spermienanomalien nicht, da unzureichende Belege für den klinischen Nutzen vorliegen.
  • Einsatz automatisierter Systeme, die auf einer zytologischen Analyse nach Anfärbung basieren – vorausgesetzt, das Bedienpersonal ist qualifiziert und die analytische Leistungsfähigkeit wurde im jeweiligen Labor validiert
  • Der prozentuale Anteil von Spermatozoen mit normaler Morphologie sollte nicht als prognostisches Kriterium vor einer intrauterinen Insemination, In-vitro-Fertilisation oder intrazytoplasmatischen Spermieninjektion herangeogen oder als Entscheidungshilfe bei der Auswahl der assistierten Reproduktionstechnik genutzt werden.

Aufgrund der analysierten Publikationen legen die Autoren eine signifikante Vereinfachung der Spermienmorphologie-Beurteilung nahe – unter gleichzeitiger Gewährleistung der Erfassung monomorpher Spermienanomalien.

(ms/BIERMANN)

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