E-Scooter: Zahl der Unfälle mit Personenschaden in einem Jahr um fast 50 Prozent angestiegen14. Mai 2024 Foto: wellphoto/stock.adobe.com Die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) macht darauf aufmerksam, dass bei schweren Unfällen häufig das Gesicht betroffen ist und empfiehlt einen sehr vorsichtigen Umgang. E-Scooter sind sehr nützlich für Kurzstrecken und machen Spaß – aber sie sorgen seit ihrem Boom für viele Diskussionen, unter anderem weil ihre Nutzung nicht ganz ungefährlich ist. So ist die Zahl der Unfälle mit Personenschaden durch E-Scooter laut Statistischem Bundesamt (Destatis) von 2021 bis 2022 um 49 Prozent angestiegen, nämlich von 5.535 Unfällen in 2021 auf 8.260 in 2022. Um Unfällen vorzubeugen, hat die Stadt Gelsenkirchen Leih-E-Scooter vor kurzem sogar verboten. Die DGMKG spricht sich für einen sehr vorsichtigen Umgang aus. Im Falle von schweren Gesichtsverletzungen empfehlen die Experten Operationen, die im Vorfeld manchmal sogar virtuell mit Hilfe von Computer- oder Volumentomografie und 3-D-Druckern für den einzelnen Patienten individuell geplant werden sollten. Der Anteil an schweren Unfällen durch E-Scooter war in 2022 hierzulande groß: Von den insgesamt 8 260 verunglückten Personen, erlitten 1.234 schlimme Verletzungen. Die meisten Verunglückten (mehr als 80 Prozent) waren selbst mit dem E-Scooter unterwegs. „Häufig ist bei schlimmen Unfällen auch das Gesicht betroffen“, erklärt Prof. Max Heiland, Ärztlicher Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Charité in Berlin und DGMKG-Vorstandsmitglied. Im Krankenhaus wird ein Schwerverletzter erst einmal stabilisiert, das heißt Atmung und Herzkreislaufsystem werden gesichert und Blutungen gestillt. Die bei Unfällen mit E-Scootern häufig auftretenden Brüche im Gesicht – zum Beispiel im Bereich des Kiefers oder der Augenhöhlen – werden heute nicht mehr wochenlang ruhiggestellt, sondern zeitnah nach dem Unfall operiert. „Wir an der Charité versorgen ausgedehnte Knochenbrüche unserer Patient*innen sogar mit einer virtuellen Operationsplanung“, erläutert DGMKG-Experte Max Heiland. „Wir nennen dies „Virtual Surgical Planning“ (VSP).“ So können die Fachärzt*innen vor der Operation das Vorgehen detailliert planen und dabei die beste Technik für jede einzelne Verletzung einplanen. Hier kommen etwa Computer- oder Volumentomographie sowie 3-D-Drucker zum Einsatz. „Mit intraoperativer Navigation, 3-D-gedruckten Schablonen oder sogar Patienten-spezifischen Implantaten stehen uns verschiedene Techniken zur Verfügung, um eine virtuelle Planung dann während der Operation umzusetzen“, so Heiland. Auch die heute verwendeten Materialen haben entscheidende Vorteile: resorbierbare Membranen, vorgebogene Titangitter oder Patienten-spezifisch 3-D-gedruckte Implantate, die nach ihrem Einsatz oft nicht mehr entfernt werden müssen. „Wir versuchen auf jeden Fall, Folgeoperationen oder spätere Korrekturen zu vermeiden“, betont der DGMKG-Experte. Weil die OPs so kürzer sind und trotzdem bessere Ergebnisse liefern, profitieren die Patient*innen von diesem modernen Vorgehen. Ob bei schwereren oder leichteren Gesichtsverletzungen, MKG-Experten sorgen stets nicht nur für eine funktionelle, sondern auch für eine ästhetische Wiederherstellung des Gesichts. „Wir versuchen, Schnitte im Gesicht und damit auch bleibende Narben zu vermeiden, indem wir möglichst vom Mund aus oder über bestehende Platzwunden operieren“, sagt Prof. Hendrik Terheyden, Pressesprecher der DGMKG. Damit es gar nicht erst zu den Unfällen kommt, rät die DGMKG zu einem vorsichtigen Umgang mit E-Scootern: „Wer nicht auf das Fahren verzichten will, sollte unbedingt einen Helm tragen – auch wenn dazu keine offizielle Pflicht besteht“, betont Heiland. „Zudem sollte nie unter Alkoholeinfluss ein E-Scooter betätigt werden – hier gelten die gleichen Grenzwerte wie für Autofahrer.“
Mehr erfahren zu: "IQWiG zu 15 Jahren AMNOG: „Man muss es nur wollen“" IQWiG zu 15 Jahren AMNOG: „Man muss es nur wollen“ In 1000 frühen Nutzenbewertungen hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nach eigenen Angaben vieles gesehen – darunter zahlreiche Dossiers zu Wirkstoffen in großen Indikationen ohne vergleichende […]
Mehr erfahren zu: "Inhalative Bedarfstherapie: Übermäßiger Gebrauch erhöht Herzinfarktrisiko bei Asthma und COPD" Inhalative Bedarfstherapie: Übermäßiger Gebrauch erhöht Herzinfarktrisiko bei Asthma und COPD Laut einer neuen Studie ist eine zu intensive Nutzung inhalativer Bedarfsmedikamente bei Patienten mit Asthma oder Chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert.
Mehr erfahren zu: "BÄK legt Strategiepapier zur Resilienz des Gesundheitswesens vor" BÄK legt Strategiepapier zur Resilienz des Gesundheitswesens vor „Krisen, Kriege und Umweltkatastrophen zeigen: Unser Gesundheitssystem muss deutlich widerstandsfähiger werden“ betonte der BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt mit Blick auf ein Strategiepapier zur Resilienz des Gesundheitswesens.