iGAS-Infektionen: Antibiotika bei Halsschmerzen ohne Effekt auf Inzidenz

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Bei unkomplizierten Halsschmerzen haben Antibiotika nur einen sehr begrenzten Effekt auf die Ausbreitung von Streptokokken oder die Inzidenz invasiver Streptokokken-Infektionen (iGAS). Zu diesem Ergebnis kommt eine schwedische Studie.

Gruppe-A-Streptokokken (GAS) sind häufig. Gelangen sie beispielsweise ins Blut oder in die Lunge, können sie invasive GAS-Infektionen (iGAS) verursachen. Die potenziell lebensbedrohliche Erkrankung ist relativ selten. Allerdings ist ihre Inzidenz in den letzten Jahren in mehreren Ländern gestiegen. Unkomplizierte Halsschmerzen können sich manchmal zu iGAS entwickeln oder andere Personen sich anstecken. Deshalb wird eine frühe Antibiotikatherapie als präventive Maßnahme diskutiert. Ist das sinnvoll?

Dieser Frage ging das Team um Erstautor Ronny Gunnarsson von der Universität Göteborg (Schweden) nach. Die Ergebnisse sind aktuell im International Journal of Infectious Diseases“ erschienen. Wie die Studie jedoch zeigt, hat die Verschreibung von Antibiotika bei unkomplizierten akuten Halsschmerzen mit dem Ziel, iGAS zu verhindern, auf Bevölkerungsebene nur einen sehr begrenzten Effekt.

Prävention von iGAS-Infektion kein Argument für Antibiotikagabe

„Die Absicht, iGAS-Infektionen zu verhindern, sollte nicht länger als Argument für die Behandlung gewöhnlicher Halsinfektionen mit Antibiotika herangezogen werden. Diese Strategie wird stark überschätzt“, erklärt Gunnarsson. Er ist Erstautor der Studie, Hausarzt und emeritierter Professor an der Universität Göteborg. Sowohl die schwedische als auch die deutsche S3-Leitlinie „Halsschmerzen“ empfehlen derzeit eine zurückhaltende Verordnung von Antibiotika bei unkomplizierten Halsschmerzen.

Für ihre Studie haben die Autoren durch die Kombination wissenschaftlicher Evidenz mit epidemiologischen Daten für die gesamte schwedische Bevölkerung im Jahr 2024 berechnet, wie sich verschiedene Strategien auf die Inzidenz von iGAS-Infektionen auswirken. Wie die Ergebnisse zeigen, hätten selbst in einem Extremszenario – in dem alle Patienten mit Halsschmerzen getestet und bei Nachweis der Bakterien behandelt werden – höchstens 6,7 Prozent der iGAS-Fälle bei Kindern und 2,8 Prozent bei Erwachsenen verhindert werden können.

Werden stattdessen die aktuellen schwedischen Leitlinien befolgt, liegt der präventive Effekt bei maximal 1,6 Prozent bei Kindern und 1,2 Prozent bei Erwachsenen. Die schwedischen Leitlinien empfehlen nur dann zu testen, wenn der Patient drei bis vier spezifische Symptome gemäß den Centor-Kriterien aufweist. Die deutsche Leitlinienempfehlung fällt ähnlich zurückhaltend aus.

Antibiotika auf Bevölkerungsebene wenig wirksam

„Der Anteil der iGAS-Fälle, der tatsächlich durch Antibiotika verhindert werden kann, ist deutlich geringer, als man vielleicht annimmt. Unsere Berechnungen zeigen, dass zwischen 45.000 und 110.000 Rachenabstriche durchgeführt und bis zu 110.000 Antibiotikaverordnungen ausgestellt werden müssten, um lediglich einen einzigen iGAS-Fall zu verhindern“, fasst Gunnarsson die Ergebnisse der Analyse zusammen.

Die Forschenden nennen mehrere Gründe dafür, warum Antibiotika auf Bevölkerungsebene gegen iGAS wenig wirksam sind. Die meisten Menschen mit Halsschmerzen suchen keine medizinische Versorgung auf. Diejenigen, die dies tun, stellen sich meist erst am dritten Krankheitstag oder später vor. Dann liegt die ansteckendste Phase aber bereits hinter ihnen. Zudem werden nach Darstellung der Studienautoren 15 bis 25 Prozent der iGAS-Patienten von asymptomatischen Trägern infiziert.

Allerdings kommt die Studie zu dem Schluss, dass eine Absenkung der Schwelle für Testung und antibiotische Behandlung von Halsschmerzen erhebliche negative Konsequenzen für die Primärversorgung hätte. „Eine Ausweitung der Kriterien für Abstrichuntersuchungen und Antibiotikatherapie würde eine enorme Belastung für die Primärversorgung bedeuten und andere Patientengruppen verdrängen – ganz abgesehen vom Risiko von Nebenwirkungen durch Antibiotika“, sagt Gunnarsson. Er ergänzt: „Anstatt Antibiotika bei unkomplizierten Halsschmerzen zu verschreiben, sollte sich das Gesundheitswesen darauf konzentrieren, frühe Warnzeichen schwerer Infektionen rasch zu erkennen und langfristig auf einen sicheren und wirksamen Impfstoff gegen Streptokokken zu warten.“ (ja/BIERMANN)

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