Eine Tropenkrankheit in der Schweiz: Aufruf zu koordinierten Maßnahmen gegen die Chagas-Krankheit9. Januar 2025 Bild: © Dr_Microbe/stock.adobe.com Das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) hat in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und weiteren Partnern eine umfassende Untersuchung zur Chagas-Krankheit in der Schweiz durchgeführt. Die Chagas-Krankheit, die durch den Parasiten Trypanosoma cruzi hervorgerufen wird, betrifft weltweit etwa sieben bis acht Millionen Menschen, vorwiegend in Lateinamerika. Der Parasit kann durch Raubwanzen, über Lebensmittel, Bluttransfusionen und Organspenden sowie während Schwangerschaft und Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Die Chagas-Krankheit verläuft in zwei Stadien: In der akuten Phase während der ersten zwei Monate sind die Symptome mild oder gar nicht vorhanden, obwohl bei einigen Menschen Fieber, Kopfschmerzen oder Schwellungen an der Bissstelle auftreten können. Jahrzehnte später, in der chronischen Phase, entwickeln bis zu einem Drittel der Infizierten Herz-Kreislauf-, Verdauungs- und/oder neurologische Probleme. In fortgeschrittenen Fällen kann es zu kardialen Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen und plötzlichem Tod kommen. Die Chagas-Krankheit wird von der WHO als vernachlässigte Tropenkrankheit (NTD) eingestuft. 2000 bis 4000 Personen in der Schweiz betroffen Eine in der Zeitschrift Swiss Medical Weekly veröffentlichte Studie gibt Aufschluss über die Verbreitung, die Herausforderungen und die Behandlung der Chagas-Krankheit. Gemäß der Untersuchung sind in der Schweiz schätzungsweise 2000 bis 4000 Menschen von dieser Tropenkrankheit betroffen. Während die meisten Fälle auf Migration zurückzuführen sind, zeigt die Studie auch, dass die Chagas-Krankheit in der Schweiz durch Mutter-Kind-Übertragung während Schwangerschaft und Geburt übertragen werden kann. Die Überträger, Raubwanzen der Gattungen Triatoma, Rhodnius und Panstrongylus, kommen in Europa nicht vor. „Ein Hauptproblem der Chagas-Krankheit besteht darin, dass sie oft unterdiagnostiziert wird, insbesondere in nicht endemischen Regionen“, sagt Pablo Martinez de Salazar, Senior Scientist am Swiss TPH und Seniorautor der Studie. „Tatsächlich bleiben viele Fälle jahrelang unentdeckt, was unbehandelt zu schwerwiegenden kardialen oder gastrointestinalen Komplikationen führen kann.“ Zu dieser Unterdiagnose tragen Faktoren wie die geringe Sensibilisierung des Gesundheitspersonals, das Fehlen landesweiter Früherkennungsprogramme und Hindernisse beim Zugang zur Gesundheitsversorgung, insbesondere für Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus, bei. Gründung des Schweizerischen Chagas-Netzwerkes Um diese Probleme anzugehen, hat das Studienteam das Swiss Chagas Network gegründet, um die Chagas-Krankheit durch koordinierte Maßnahmen als Problem der öffentlichen Gesundheit zu eliminieren. Ziel des Netzwerkes ist es, die Übertragung zu unterbrechen und den Menschen, die in der Schweiz mit der Chagas-Krankheit leben, eine angemessene klinische Behandlung zukommen zu lassen. Zu den wichtigsten Prioritäten gehören die Integration des Screenings in die pränatale und pädiatrische Betreuung zur Früherkennung und die Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung während Schwangerschaft und Geburt. In Übereinstimmung mit internationalen Richtlinien hat die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe kürzlich einen Expertenbrief zu Früherkennung, Prävention und Behandlung der kongenitalen Chagas-Krankheit veröffentlicht. „Ein systematisches Screening von lateinamerikanischen Migrantinnen und Migranten,insbesondere von Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangeren und Kindern, ist vonentscheidender Bedeutung”, sagt Mar Velarde, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Swiss TPH und Mitautorin der Studie. „Wenn die richtigen Maßnahmen ergriffen werden, ist die Schweiz gut positioniert, um die Ziele der WHO-Roadmap für vernachlässigte Tropenkrankheiten bis 2030 zu erreichen und könnte ein Vorbild für andere Länder werden.“ Die Roadmap enthält globale Ziele zur Prävention, Kontrolle, Eliminierung und Ausrottung verschiedener Tropenkrankheiten bis 2030.
Mehr erfahren zu: "Protonentherapie für Kinder: Radioonkologie Dresden etabliert interdisziplinäres Behandlungskonzept" Protonentherapie für Kinder: Radioonkologie Dresden etabliert interdisziplinäres Behandlungskonzept Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden hat ein interdisziplinäres kinderonkologisch-strahlentherapeutisches Behandlungsangebot für Patienten in der Protonentherapie etabliert.
Mehr erfahren zu: "Embryonalentwicklung in 4D: Forschende erstellen Atlas für Gene und Zellen" Embryonalentwicklung in 4D: Forschende erstellen Atlas für Gene und Zellen Ein neues Bildgebungsverfahren macht es möglich, die Aktivität Tausender Gene gleichzeitig im gesamten Zebrafisch-Embryo sichtbar zu machen. Ein Forschungsteam der Universität Basel hat damit nun einen Atlas aller Gene und […]
Mehr erfahren zu: "Forscher entwickeln CAR-T-Zellen gegen Osteosarkome" Forscher entwickeln CAR-T-Zellen gegen Osteosarkome Forschende der Case Western Reserve University und der University Hospitals in Cleveland (USA) haben eine Immunzelltherapie entwickelt, die Osteosarkom-Tumore in Mausmodellen erfolgreich bekämpft.