Einseitiger Hörverlust und Cochlea-Implantation17. Juli 2019 Foto: ©peterschreiber.media / Adobe Stock Eine aktuelle Studie legt nahe, das ein Cochlea-Implantat bei Patienten mit einseitigem Hörverlust auch das Hören des gesunden Ohres moduliert. Einer der Hauptgründe für die Cochlea-Implantation bei Patienten mit unilateraler Gehörlosigkeit ist der Umstand, dass diese Population von einer verbesserten Sprachverständlichkeit und Schall-Lokalisierung profitiert. Obwohl Cochlea-Implantate (CI) eigentlich so angelegt sind, dass sie die afferente auditive Stimulierung wiederherstellen, können die Implantate möglicherweise auch verschiedene efferente Effekte mit sich bringen. Die vorliegende Studie des Exzellenzclusters „Hearing4all“ beschäftigt sich mit eben diesem Phänomen. In einer aktuellen Untersuchung mit 5 unilateral gehörlosen CI-Anwendern (Gehörverlust im hörenden Ohr <30 dB, bis 4 kHz) wurde die absolute akustische Schwelle im hörenden Ohr mittels Reintönen der Frequenzen von 500 bis 4000 Hz und einer Dauer von 10 bis 200 Millisekunden in An- und Abwesenheit kontralateraler breitbandiger elektrischer Stimulation (contralateral broadband electrical stimulation, CBES) durch das CI vermessen. Der elektrische Stimulus bestand aus Pulsfolgen (symmetrische, 2-phasige Pulse mit einer Phasendauer von 36 μs) an allen 16 Elektroden, die der Reihe nach mittels einer Frequenz von 843 Hz stimuliert wurden. Deren Intensität wurde so angelegt, dass sie sich quasi so laut anhörten wie Breitbandrauschen mit einem Schalldruckpegel von 50 oder 60 dB. Die Hörschwellen wurden so vermessen, dass eine 71 %ige Korrektheit hinsichtlich der psychometrischen Funktion einschätzbar war. Die Schwellen, die unter Auslassung der CBES gemessen wurden, erwiesen sich bezüglich der längeren Töne gegenüber den kürzeren Tönen als niedriger; die Differenz war bei 500 Hz höher als bei 4000 Hz. Die CBES, die einem Schalldruck von 50 oder 60 dB entsprach, verursachte nur bei kurzen (10 Millisekunden) und tiefen (500 Hz) Tönen eine signifikante Schwellenanhebung (1,2 und 2,2 dB). Diese Zunahmen erweisen sich als kleiner als in vergleichbaren früheren Untersuchungen mit normal hörenden Probanden berichtet. Die Untersuchungsresultate legen nahe, so die Autoren, dass das CI bei Patienten mit unilateralem Hörverlust auch das Hören des gesunden Ohres moduliert. (am)
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