ERC-Grant für Göttinger DZNE-Forscher Markus Zweckstetter10. April 2018 Prof. Markus Zweckstetter (Bildquelle: DZNE/Ole Lentfer) Prof. Markus Zweckstetter vom Göttinger Standort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) darf sich über einen “Advanced Grant” des Europäischen Forschungsrats (ERC) freuen. Mit den Forschungsgeldern (rund 2,5 Millionen Euro für fünf Jahre) will Zweckstetter neue Techniken entwickeln, die es ermöglichen, membranlose Organellen auf Sub-Nanometer-Ebene zu untersuchen. Diese Organellen sind spezielle Kompartimente der Zelle, die bisher kaum verstanden sind. Sie spielen jedoch eine wichtige Rolle bei vielen Erkrankungen wie der Alzheimer Krankheit. Zweckstetter untersucht mittels der Kernspinresonanz (NMR)-Spektroskopie Proteine, die bei neurodegenerativen Erkrankungen eine wesentliche Rolle spielen. In einer aktuellen Studie in “Nature Communications” ist es ihm gelungen, die Anreicherung eines fehlgefalteten Proteins in einem membranlosen Kompartiment in der Zelle mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung zu bringen. Der Physiker konnte zeigen, dass die pathogene Aggregation des Tau-Proteins vor allem in flüssigen Tröpfchen in der Zelle stattfindet. Aggregierte Tau-Proteine scheinen eine Ursache der Alzheimer Erkrankung zu sein. Der zugrunde liegende Prozess ähnelt der Trennung von Öl und Essig in einem Salatdressing. Er führt dazu, dass das Tau-Protein in den Tröpfchen 50-100 mal konzentrierter als normalerweise in der Zelle vorkommt. „Diese Erkenntnisse führen uns zu der Frage: Wie entstehen diese membranlosen Organellen, welche Eigenschaften haben sie und welche Rolle spielen sie bei der Neurodegeneration“, sagte Zweckstetter. Erst vor wenigen Jahren fanden Wissenschaftler heraus, dass diese membranlose Organellen über die so genannte Flüssig-Flüssig-Phasentrennung (LLPS) entstehen, ein Phänomen, über das noch immer wenig bekannt ist. Seitdem hat das Thema aber die Aufmerksamkeit vieler Wissenschaftler auf sich gezogen. In der Tat wird klar, dass zelluläre Kompartimente und die Flüssig-Flüssig-Phasentrennung eine wichtige biologische Funktion haben und bei menschlichen Krankheiten eine bedeutende Rolle spielen. Zweckstetter arbeitet auf diesem aufstrebenden Gebiet, aber die Technik begrenzt die Forschung: „Die Herausforderung ist die Auflösung in Raum und Zeit. Gegenwärtig können wir die Flüssig-Flüssig-Phasentrennung nur mit der Lichtmikroskopie untersuchen und die liefert nur sehr niedrig aufgelöste Bilder. Die zugrunde liegenden Kräfte und biochemischen Prozesse finden jedoch auf der Sub-Nanometer-Ebene statt. Unser Ziel ist daher, leistungsfähige Methoden der NMR-Spektroskopie zu entwickeln und sie mit Methoden der Mechanobiologie zu verbinden. Der ERC Grant gibt uns nun die Möglichkeit, diese Forschungen zu realisieren.“
Mehr erfahren zu: "Neue Technik macht Natriumgehalt in Astrozyten sichtbar" Neue Technik macht Natriumgehalt in Astrozyten sichtbar Das Element Natrium spielt für die Funktion des Nervensystems eine zentrale Rolle. Ein internationales Forschungsteam hat nun die Natriumkonzentration in Astrozyten, speziellen Zellen im Gehirn, genauer untersucht. Die Forschenden entwickelten […]
Mehr erfahren zu: "DGS kündigt klinische Studien zu Cannabis in der Schmerzmedizin an" DGS kündigt klinische Studien zu Cannabis in der Schmerzmedizin an Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) hat beim Medizinal Cannabis Congress in Berlin über die Versorgungssituation chronischer Schmerzpatienten gesprochen und neue klinische Studien zum Einsatz von Medizinal-Cannabis in der Schmerzmedizin […]
Mehr erfahren zu: "Demenzrisiko ist schon in jungen Jahren sichtbar" Demenzrisiko ist schon in jungen Jahren sichtbar Eine Studie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig zeigt, dass ein etablierter Demenzrisiko-Index bereits bei jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 39 Jahren mit Unterschieden in der geistigen Leistungsfähigkeit […]