Erstmals dorsaler Klitorisnerv detailliert dargestellt4. Juni 2026 Symbolbild © lobro/stock.adobe.com Der Aufbau der menschlichen Klitoris ist trotz erster Forschungserfolge noch weitgehend unbekannt. Forschenden aus Düsseldorf gelang es in einer anatomischen Studie nun erstmals, den Klitorisnerv detailliert darzustellen. Die Klitoris spielt eine wesentliche Rolle bei der sexuellen Erregungs- und Empfindungsfähigkeit der Frau. Die anatomische Grundlage für diese Funktion ist der dorsale Klitorisnerv. Trotz erster Forschungserfolge in jüngerer Zeit ist die Klitoris und damit auch ihre Nervenarchitektur weiterhin weitgehend untererforscht. Dabei ist eine bessere anatomische Kenntnis über das Organ vor allem bei chirurgischen Eingriffen, im Rahmen von Geburten sowie in der Diagnostik sexueller Funktionsstörungen wichtig. Insbesondere für die funktionelle Rekonstruktion der weiblichen Geschlechtsorgane nach Verstümmelung, wie sie in manchen Kulturkreisen weiterhin durchgeführt wird, könnte ein besseres Verständnis der Nervenarchitektur zu großen chirurgischen Fortschritten führen. Die nun veröffentlichten Daten von Forschenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) und des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) können künftig einen wichtigen praktischen Beitrag zur Verbesserung der chirurgischen Möglichkeiten leisten. Die Studie entstand in Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Anatomie I gemeinsam mit dem Heidelberger Chirurgen PD Dr. Dan mon O’Dey, einem international ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet der rekonstruktiven Chirurgie im weiblichen Genitalbereich. Erstautor der Studie ist der Facharzt für Anatomie und Wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für Anatomie I Dr. Michael Wolf-Vollenbröker aus der Arbeitsgruppe „Klinische Anatomie“. Geleitet wird diese von Prof. Timm Filler, der ebenfalls Ko-Autor der Studie ist. Umfangreiche Untersuchungen gespendeten Gewebes Die Ergebnisse der Publikation basieren auf Untersuchungen von gespendetem menschlichem Gewebe, das nach dem Tod für die Forschung zur Verfügung gestellt wurde. Mithilfe spezieller Färbe- und Präparationstechniken konnten die Forschenden erstmals den genauen Verlauf des dorsalen Klitorisnervs nachvollziehen und damit die tatsächliche anatomische Grundlage im Gewebe darstellen. Mit einer Datenbasis von insgesamt neun Präparaten handelt es sich um eine vergleichsweise umfangreiche Studie zur Anatomie der menschlichen Klitoris. „Diese Stichprobe erlaubt uns erstmals, Aussagen über anatomische Variabilitäten und typische Muster der Nervenversorgung zu treffen“, so Wolf-Vollenbröker. „Damit hat die Studie eine besonders hohe praktische Aussagekraft“. Die Studie beschreibt erstmals detailliert typische Verzweigungsmuster des dorsalen Klitorisnerv mit den häufigsten Aufteilungspunkten. Durch die Untersuchung der Präparate konnte der tatsächliche Verlauf des Nervs im Gewebe besonders realitätsnah dargestellt werden. Dies ermöglicht auch einen direkten Bezug zur medizinischen Praxis, indem Bereiche mit hoher Nervendichte von solchen mit vergleichsweise geringer Nervendichte abgegrenzt werden. Darüber hinaus bestätigt die Arbeit grundlegende Annahmen zum Nervenverlauf und zeigt diese unmittelbar im Gewebe. Neben der Verbesserung der chirurgischen Wiederherstellung der Klitorisfunktion nach Verletzungen, z.B. in Folge von Geburten, oder weiblicher Genitalverstümmelung sind die Daten auch für chirurgische Eingriffe im Rahmen einer geschlechtsangleichenden Behandlung wegweisend.
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