ADC plus Immuntherapie verlängert Überleben bei muskelinvasivem Blasenkrebs

Die Kombination von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs) z. B. mit Immuntherapien führt zu vielversprechenden Ergebnissen bei der Behandlung bestimmter Krebsarten. Symbolbild: Love Employee/stock.adobe.com

Die Kombination eines Antikörper-Wirkstoff-Konjugats (ADC) mit Immuntherapie könnte der neue Behandlungsstandard bei Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs (MIBC) werden, die nicht für eine Cisplatin-haltige Chemotherapie infrage kommen.

von Dr. Milo Klesse

Als Prof. Christof Vulsteke auf dem ESMO Kongress 2025 in Berlin gestern Abend die Ergebnisse der Phase-III-Studie KEYNOTE-905/EV-303 präsentierte, ging zunächst ein Raunen durch das Publikum, gefolgt von tosendem Applaus.

„Hazard Ratios von 0,4 und 0,5 für das ereignisfreie beziehungsweise das Gesamtüberleben in dieser Patientenpopulation sind bemerkenswert“, meint auch Dr. Jonathan Rosenberg vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York (USA), der die Ergebnisse anschließend diskutierte.

Hoffnung für vulnerable Patientenpopulation

In der KEYNOTE-905/EV-303-Studie untersuchte das Team um Vulsteke die Behandlung mit einer Kombination des Antikörper-Wirkstoff-Konjugats (ADC) Enfortumab Vedotin (EV) mit dem PD-1-Inhibitor Pembrolizumab (EV+P). Die Patienten mit MIBC kamen entweder nicht für eine Cisplatin-haltige Chemotherapie in Frage oder verweigerten diese. Die Behandlung erfolgte in einem perioperativen Setting, also vor und nach einer radikalen Zystektomie mit pelviner Lymphadenektomie (RC+PLND). Als Vergleich diente die Operation ohne eine zusätzliche Behandlung.

Insbesondere ältere Patienten kommen aufgrund von Komorbiditäten meist nicht für eine Cisplatin-haltige Chemotherapie in Frage. Das spiegelt sich auch in den Studiendaten wider: Alle Patienten waren über 65 Jahre alt und das mediane Alter der Kohorten lag bei über 70 Jahren.

Ergebnisse legen neuen Behandlungsstandard nahe

Bislang gab es kaum alternative neoadjuvante Behandlungsmöglichkeiten für diese Patientengruppe. Das könnte sich nun ändern. Denn EV+P verbesserte nicht nur das ereignisfreie Überleben (EFS) im Vergleich zur Kontrolle signifikant von 39,4 Prozent auf 74,7 Prozent nach 24 Monaten (HR: 0,4; 95%-KI 0,28-0,57; P < 0,001). Auch das Gesamtüberleben (OS) war unter EV+P signifikant verlängert (HR: 0,5; 95%-KI 0,33-0,74; P < 0,001).

Diese Ergebnisse habe bislang keine andere Phase-III-Studie in dieser Population erzielen können, so Vulsteke, Direktor des Integrated Cancer Center in Ghent (Belgien). Darüber hinaus erreichten Patienten mit EV+P nämlich auch eine deutlich höhere Rate an pathologischer Komplettremission (pCR; 57,1% gegenüber 8,6%; 95%-KI 39,5-56,5; P < 0,001).

Nebenwirkungen könnten Anwendung einschränken

Rosenberg betonte allerdings mit Blick auf die Nebenwirkungen, dass die Behandlung mit EV+P nicht automatisch für jeden Patienten geeignet sei. Zwar beeinflusste EV+P nicht, ob sich Patienten der Operation unterziehen konnten, doch die Rate an schweren behandlungsbedingten Nebenwirkungen (Grad 3 und höher) war unter EV+P deutlich höher als ohne EV+P (71,3% gegenüber 45,9%). Am häufigsten wurden dabei Hautirritationen, periphere Neuropathien und Hyperglykämien in Verbindung mit EV und eine Schilddrüsenunterfunktion sowie schwere Hautirritationen in Verbindung mit Pembrolizumab beobachtet.

Fragen bestünden laut Rosenberg noch hinsichtlich der Nachsorge. Nur 67 Prozent der Patienten würden mit einer adjuvanten Therapie fortfahren, doch die Gründe und Auswirkungen seien unklar. Außerdem müsse bei einer möglichen Implementation von EV+P als neuem Behandlungsstandard geklärt werden, welche Therapien bei einem Rückfall oder einer Metastasierung geeignet sind.