Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie

Prof. Dr. Martin Schrappe, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel (Foto: UKSH)
Eine internationale Behandlungsstudie prüft in den kommenden fünf Jahren die Immuntherapie bei Kindern mit  akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL). Unterstützt wird das Vorhaben durch die Deutsche Krebshilfe, die für dieses Projekt mehr als vier Millionen Euro zur Verfügung stellt.
 

„Der Ersatz von Elementen der hochintensiven Chemotherapie durch eine Immuntherapie könnte Kinder vor Schaden bewahren und dabei möglicherweise sogar die Leukämiekontrolle verbessern“, sagte der Leiter der Therapiestudie, Prof. Martin Schrappe, Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel.
 
In den vergangenen Jahrzehnten hat die Medizin deutliche Fortschritte in Diagnostik, Überwachung und Therapie der ALL erzielt. Allerdings ist in den vergangenen Jahren klar geworden, dass allein mit den bisher verwendeten Medikamenten eine weitere deutliche Verbesserung der derzeit circa 80-prozentigen Heilungsrate nicht möglich sein wird. Daher sind neue Therapieformen notwendig.

Die internationale Studiengruppe, die aus 120 Kliniken in acht Ländern besteht und von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I am UKSH, Campus Kiel, aus koordiniert wird, will deshalb neue Wege gehen: Erstens werden neu entdeckte Risikogruppen gezielt einer anderen Behandlung zugeführt; zweitens werden circa 70 Prozent der Patienten mit einem neuartigen Medikament behandelt, welches das körpereigene Immunsystem aktiviert und direkt auf die Leukämiezellen lenkt. Diese neue Therapie wurde bisher nur bei Rückfall-Patienten eingesetzt und scheint enormes Potenzial zu besitzen. Allerdings kann auch diese Immuntherapie starke Nebenwirkungen hervorrufen, die anders sind als die, die von der Chemotherapie bekannt sind (Haarausfall, Übelkeit, Schleimhautentzündungen, etc.).

 
„Wir müssen bei einigen Patienten mit hohem Fieber, neurologischen Symptomen und anderen vorübergehenden Organbeeinträchtigungen rechnen“, sagte Schrappe. „Dafür gibt es aber gut etablierte Vorsichts- und Behandlungsmaßnahmen, für die bereits alle beteiligten Kliniken trainiert wurden.“ Außerdem will die Studiengruppe begleitend untersuchen, warum einige Patienten möglicherweise besonders gut und andere eher nur gering ansprechen werden.

Neben der Immuntherapie wird bei Patienten mit schlechtem Therapieansprechen eine weitere, für die Behandlung der ALL ebenfalls neuartige Therapie geprüft, bei der gezielt die Maschinerie in den Leukämiezellen blockiert wird, die die nicht mehr benötigten Zellbestandteile abbaut – in der Folge gehen die bösartigen Zellen damit an ihren eigenen Abfällen zugrunde.