Eurocom-Mitgliederbefragung 2022: „Engpässe verhindern, Innovationen stärken”22. Juli 2022 Grafik: eurocom e. V. Wie schätzen die Mitglieder der European Manufacturers Federation for Compression Therapy and Orthopaedic Devices, kurz: Eurocom, die Lage des Hilfsmittelmarktes und seiner Rahmenbedingungen in Deutschland ein? Antworten gibt die aktuelle Mitgliederbefragung des Verbandes. Durchgeführt wurde die Befragung im Mai und Juni 2022 mit einer Beteiligung von 81 Prozent der Eurocom-Mitglieder. Abfederungsmechanismus für Preissteigerungen notwendig Vor allem wirft die Mitgliederbefragung 2022 nach Angaben des Verbandes ein Licht auf die schwerwiegenden Folgen von Pandemie und Krieg für die Hilfsmittelbranche: Kostensteigerungen durch gestiegene Energie- und Rohstoffpreise sowie durch höhere Logistik- und Transportkosten stellen für die Hilfsmittelindustrie aktuell das größte Markthemmnis dar. 100 Prozent der Befragungsteilnehmer sind davon betroffen, so das Befragungsergebnis. 83 Prozent von ihnen könnten Kostensteigerungen gar nicht oder nur teilweise an den Markt weitergeben, heißt es weiter. Vor allem deswegen, weil Erstattungspreise in den Versorgungsverträgen langfristig festgelegt seien, identifizierten 69,2 Prozent der Befragten die Hauptursache. Für 89,7 Prozent wirke sich dieser Sachverhalt unwirtschaftlich aus. 31 Prozent befürchteten einen Engpass in der Hilfsmittelversorgung. Erschwerend hinzu komme, dass zwar sämtliche Teilnehmer die Medical Device Regulation (MDR) umgesetzt hätten, diese sich allerdings für 92,9 Prozent als größter regulatorischer Kostentreiber darstelle. Oda Hagemeier (Foto: eurocom e.V.) „Engpässe in der Hilfsmittelversorgung hätten gravierende Auswirkungen auf die Lebensqualität und Teilhabe der Patienten. In dieser Krise eine verlässliche Patientenversorgung zu gewährleisten, stellt für die Branche eine Herausforderung dar, mit der sie nicht alleine gelassen werden darf. Damit langfristig verlässlich produziert und versorgt werden kann, dürfen Preissteigerungen nicht einseitig zu Lasten der Hersteller und Leistungserbringer gehen. Deshalb müssen Festbeträge und Verträge nach objektiven Kriterien flexibel anpassbar sein“, fordert Oda Hagemeier, Eurocom-Geschäftsführerin. HMV-Verfahren nach transparenten und standardisierten Regeln Nach Angaben des Verabandes hat die Mitgliederbefragung der eurocom die unverändert große Bedeutung des deutschen Marktes für die Hilfsmittelhersteller bestätigt. Wie schon in 2021 sei Deutschland wichtigster Markt für über 80 Prozent der Befragten, die einen ausgeprägten Innovationswillen zeigen. Nachdem pandemiebedingt 46 Prozent der für 2020 bis 2022 geplanten Markteinführungen verschoben werden mussten, investieren jetzt wieder 86 Prozent der Teilnehmer in neuartige Hilfsmittel, so der Eurocom. Dies stehe in starkem Kontrast zur Bremswirkung, die das unsichere Aufnahmeverfahren neuartiger Produkte in das Hilfsmittelverzeichnis (HMV) für eine Mehrheit der Unternehmen nach wie vor erzeuge: “Darin sehen – wie schon 2021 – über 60 Prozent der Unternehmen Risikopotenzial und bewerten dieses als größtes Innovationshemmnis”, so ein weiteres Ergebnis der Befragung. Aufnahmeanträge neuartiger Hilfsmittel seien bei 60 Prozent der Befragten abgelehnt worden, bei 53 Prozent habe dies mindestens drei Neuentwicklungen betroffen. Ablehnungen erstreckten sich sogar auf bereits bekannte Hilfsmittel, erkärte über ein Drittel der Befragungsteilnehmer. Bei 70 Prozent von ihnen sind den Angaben zufolge gleich mehrere Produkte betroffen, bei 50 Prozent mindestens drei. Hagemeier erklärt: „Damit Patienten ungehinderten Zugriff auf innovative Hilfsmittel haben, muss deren Aufnahme beschleunigt werden. Denn das Hilfsmittelverzeichnis hat eine marktsteuernde Wirkung, auch wenn es sich nicht um eine Positivliste handelt. Wir brauchen ein standardisiertes Verfahren, insbesondere zur Anerkennung des medizinischen Nutzennachweises. Deshalb fordert die eurocom ein obligatorisches Beratungsgespräch, das die Vereinbarungen zwischen Antragsteller und GKV-Spitzenverband klar regelt, sowie die Einführung eines Fast-Track-Verfahrens für Hilfsmittel, die als Alternativen zu bereits gelisteten Produkten gelten – für eine zukunftsfeste Hilfsmittelversorgung in Deutschland.“
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