Fanconi-Anämie: Bei doppelter Genmutation sind Gehirntumore tödlich

Das Forschungsteam der MHH-Kinderklinik (v. l.): Dr. Marena Rebekka Niewisch, Svenja Kastellan und Prof. Christian Kratz. (Quelle: © Maike Isfort/MHH)

Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover haben klinische, genetische, pathologische und Behandlungsmerkmale von Patienten mit Fanconi-Anämie untersucht, bei denen biallelische pathogene Varianten des BRCA2-Gens vorlagen.

Die Fanconi-Anämie (FA) ist eine seltene erbliche Krebsprädispositionserkrankung, die sich durch Knochenmarkversagen sowie endokrine und körperliche Anomalien kennzeichnet. Ein klinisches Hauptmerkmal bei Betroffenen ist ein hohes Krebsrisiko. Grund dafür ist, dass bei der Erkrankung bestimmte Gene nicht richtig funktionieren, die an der Reparatur von DNA-Schäden beteiligt sind. Hierzu zählt auch das Gen BRCA2. Bei betroffenen Patienten wird das größte Krebsrisiko beobachtet, wenn auf beiden Kopien des BRCA2-Gens schädliche Veränderungen vorliegen. „Es gibt kein höheres Risiko für Krebs als bei solchen biallelischen pathogenen Varianten. Betroffene entwickeln im ersten Lebensjahrzehnt eine Reihe embryonaler Tumoren und Leukämien“, erklärt Prof. Christian Kratz, Direktor der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Betroffene aus der ganzen Welt

Über spezifische klinische, genetische, pathologische und Behandlungsmerkmale dieser Patienten ist bislang wenig bekannt. Kratz und sein Team haben daher die Verläufe der Erkrankung erstmals in einer internationalen Kohorte von acht Patienten mit einem Medulloblastom  untersucht. Für die Studie wurden Fälle aus der ganzen Welt gesammelt.

„Die Prognose der Patientinnen und Patienten war sehr schlecht. Alle starben kurz nach der Diagnose Medulloblastom an dem Tumor oder anderen Neubildungen“, sagt Svenja Kastellan, Erstautorin und Medizinstudentin, die an der MHH bei Prof. Kratz promoviert. Die Betroffenen waren sieben bis 58 Monate alt. Sechs der Patienten erhielten eine Chemotherapie und ein Patient zusätzlich eine Protonenbestrahlung. Lebensbedrohlichen Toxizitäten konnten nicht festgestellt werden.

Experimentelle Behandlungen notwendig

„Ein Medulloblastom bei Patientinnen und Patienten mit biallelischen BRCA2-pathogenen Varianten ist eine tödliche Krankheit“, erklärt Kastellan. Das wurde auch in der Studie deutlich. „Es benötigt dringend experimentelle Behandlungen, um diesen Patientinnen und Patienten zu helfen“, ergänzt Co-Projektbetreuerin Dr. Marena Rebekka Niewisch, Wissenschaftlerin und Fachärztin in der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie.