Fibromyalgie: Immer mehr Betroffene nehmen CBD-haltige Produkte14. Juni 2022 © LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com (Symbolbild) Cannabidiol (CBD) könnte man wohl als ein „Trendprodukt“ bezeichnen. Eine größtenteils US-amerikanische Online-Umfrage zeigt nun, dass Menschen mit Fibromylagie (FM) bewusst CBD-Produkte anstelle herkömmlicher Schmerzmittel einnehmen, obwohl es kaum Beweise dafür gibt, dass diese bei FM hilfreich sein können. Als CBD-Produkte wurden dabei entweder CBD allein (Isolat), Hanfextrakt (mit <0,3% Delta-9-Tetrahydrocannabinol [THC], anderen Cannabinoiden und Terpenen) oder CBD-Cannabis (mit >0,3% THC) eingestuft. Die Studienautorinnen und -autoren um Kevin F. Boehnke von der University of Michigan Medical School in Ann Arbor (USA) führten eine Sekundäranalyse einer Querschnittserhebung durch. In dieser wurden die Muster des Medikamentenersatzes von 878 Personen mit FM (93,6% weiblich, 91,5% kaukasisch, Durchschnittsalter 55,5 Jahre) erhoben, die zur Zeit der Befragung CBD verwendet hatten. Die Forschungsgruppe unterteilte die Teilnehmenden nach dem am häufigsten verwendeten CBD-Produkt (CBD-Isolat, Hanf, CBD-Cannabis, keine Präferenz) und danach, ob sie CBD anstelle von Medikamenten einnahmen. Auch erfragte sie die Gründe für den Ersatz, austauschbedingte Änderungen der Medikation, CBD-Verwendungsmuster und Veränderungen bei schmerzbezogenen Symptomen (z.B. Schlaf, Angstzustände). Die Mehrheit der Befragten (n=632; 72,0%) gab an, Medikamente durch CBD-Produkte zu ersetzen. Am häufigsten wurden dabei nichtsteroidale Antiphlogistika (59,0%), Opioide (53,3%), Gabapentanoide (35,0%) und Benzodiazepine (23,1%) genannt. Eigenen Angaben zufolge verringerten die Befragten die Einnahme dieser Schmerzmedikamente oder setzten sie vollständig ab. Als häufigste Gründe für den Austausch führten sie weniger Nebenwirkungen und ein besseres Symptommanagement unter CBD an. Alter, Hanfprodukte, Marihuana-Konsum im vergangenen Jahr und eine höhere somatische Belastung waren alle mit einem Medikamentenersatz assoziiert (jeweils p≤0,05). Studienteilnehmende, die Schmerzmittel durch CBD-Produkte ersetzten, berichteten über größere Verbesserungen ihres Gesundheitszustandes und ihrer Schmerzen als diejenigen, die dies nicht taten. Konsumenten von CBD-Cannabis berichteten über signifikant mehr ausgetauschte Arzneimittel als jede andere Gruppe (jeweils p≤0,001) sowie über größere Verbesserungen im Hinblick auf Gesundheit, Schmerzen, Gedächtnis und Schlaf. Fazit Die Autoren legen dar, dass Menschen mit Fibromyalgie herkömmliche Schmerzmittel durch CBD-Produkte ersetzen, obwohl es kaum Beweise dafür gibt, dass CBD-Produkte bei Fibromyalgie hilfreich sein könnten. Ob CBD ein mögliches medikamentenreduzierendes und therapeutisches Potenzial innewohnt, sollte den Verfasserinnen und Verfassern der im „Journal of Pain“ publizierten Studie zufolge in weiteren Untersuchungen mit strengeren Studiendesigns beleuchtet werden. (ah) Autoren: Boehnke KF et al. Korrespondenz: Kevin Boehnke; [email protected] Studie: Substituting Cannabidiol for Opioids and Pain Medications Among Individuals With Fibromyalgia: A Large Online Survey Quelle: J Pain 2021;22(11):1418–1428. Web: https://doi.org/10.1016/j.jpain.2021.04.011
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