Fitnessprogramm für Transplantationskandidaten: Mit geringerer Sterblichkeit auf Warteliste verbunden26. Oktober 2026 Symbolbild KI-generiert mit Gemini Eine Studie an Hunderten von Kandidaten für eine Lebertransplantation hat gezeigt, dass das Absolvieren eines Fitnessprogramms mit einem niedrigeren Sterberisiko einhergeht, während die Betroffenen auf ein Spenderorgan warten. Wenn Kandidaten für eine Transplantation körperlich stark geschwächt sind, besteht seitens der behandelnden Ärzte häufig die Sorge, dass die Betroffenen zu schwach sind, um einen solchen Eingriff zu überstehen. Doch eine neue Studie von Northwestern Medicine und der University of Pittsburgh (beide USA) zeigt: Mit einem gezielten, ärztlich begleiteten Fitnessprogramm lässt sich dieser Zustand deutlich verbessern. „Es spielt keine Rolle, wie schwer die Grunderkrankung ist“, erklärt der leitende Studienautor Dr. Andres Duarte-Rojo, Professor für Gastroenterologie, Hepatologie und Organtransplantation an der Northwestern University Feinberg School of Medicine. „Wenn die Patienten trainieren und unsere Empfehlungen umsetzen, erzielen sie eine deutliche Verbesserung ihrer körperlichen Verfassung und senken ihr Sterberisiko vor der Transplantation.“ Die Studienautoren haben ihre Ergebnisse kürzlich im Journal „Clinical Gastroenterology and Hepatology“ veröffentlicht. Prähabilitation: Fitness vor einer Transplantation Im Rahmen der Studie unterzogen sich die Patienten bereits bei ihrer Überweisung an das Transplantationszentrum Tests, um ihre körperliche Kraft und ihren Ernährungsbedarf zu ermitteln. Bei dieser ersten Einschätzung erhielten sie einen Trainingsplan für zu Hause, der bei Folgeterminen – die alle vier bis zwölf Wochen stattfanden – jeweils angepasst wurde. Für jeden Patienten arbeitete Duarte-Rojo eng mit einem Physiotherapeuten und einem Ernährungsberater zusammen, um die Fitness- und Ernährungspläne zu erstellen und den Fortschritt zu überwachen. „Natürlich gibt es Vorsichtsmaßnahmen“, erklärt Duarte-Rojo, der zudem als Hepatologe für Transplantationsmedizin bei Northwestern Medicine tätig ist. „Man schickt diese Patienten nicht einfach ins Fitnessstudio, damit sie dort 50 Kilo stemmen. Man muss mit geringer Belastung beginnen und die Intensität langsam steigern. Wir beobachten jedoch, dass gerade die körperlich schwächsten Patienten oft die größten Fortschritte machen.“ Duarte-Rojo beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Fitnessprogrammen für Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung. Einige Experten auf diesem Gebiet hätten ihn lange für verrückt erklärt, berichtet Duarte-Rojo. Die Befürchtungen der Kritiker: Blutungsgefahr, vermehrte Entwicklung einer Enzephalopathie, eine Verschlechterung des Allgemeinzustande, Verletzungsgefahr. „Doch wir konnten durch zahlreiche Studien belegen, dass genau das Gegenteil der Fall ist.“ Senkung des Mortalitätsrisikos um rund 50 Prozent Duarte-Rojo und sein Team untersuchten fast 1300 Erwachsene, die zwischen 2018 und 2022 am Transplantationszentrum der University of Pittsburgh im Hinblick auf eine Lebertransplantation beurteilt wurden. Davon kamen 355 Patienten zu mindestens zwei weiteren Terminen zurück und galten somit als Teilnehmer des Prehabilitationsprogramms. Der leitende Studienautor Andres Duarte (rechts) und ein Transplantationskandidat im Northwestern Medicine Organ Transplant Center in Chicago. (Bildnachweis: Northwestern University/Ben Schamisso) Bei diesen Patienten verfolgte das Team um Duarte-Rojo die Veränderungen des Liver Frailty Index. Dieser Wert basiert auf drei Tests: der Griffkraft, dem Aufstehen von einem Stuhl sowie der Fähigkeit, verschiedene Gleichgewichtspositionen zu halten. Unter den Patienten, die an einem Prähabilitationsprogramm teilnahmen, konnten 64 Prozent ihren Wert verbessern. Selbst unter Berücksichtigung von Faktoren, die bekanntermaßen die Sterblichkeit beeinflussen – wie Alter, Schweregrad der Erkrankung und der anfängliche Grad der Gebrechlichkeit –, wiesen Patienten, die ihren Wert um mindestens 0,4 Punkte steigern konnten, ein um etwa 50 Prozent geringeres Risiko auf, während der Wartezeit auf ein Transplantat zu versterben. Laut Duarte-Rojo ist dieser Schwellenwert von 0,4 von entscheidender Bedeutung: Transplantationszentren weltweit könnten ihn als klinisches Ziel nutzen und zudem dazu verwenden, Patienten zu identifizieren, die eine höhere Überlebenschance haben. Patientenerfahrungen Über seine Erfahrungen berichtet ein 62-Jähriger, der auf eine Nieren- und eine Lebertransplantation wartet und seit Januar an Duarte-Rojos Prehabilitations-Programm an der Northwestern-Universität teilnimmt. Der fünffache Großvater wurde bei seinem ersten Besuch als „sehr gebrechlich“ eingestuft, nach monatelangem konsequenten Befolgen eines Fitness- und Ernährungsplans gilt er nun als „robust“ ein. „Ich wurde ziemlich schnell kräftiger“, erklärt der Transplantationskandidat. „Ich bin ehrlich gesagt selbst überrascht, wie viel ich inzwischen schaffe. Ich gehe jetzt täglich drei bis vier Meilen (etwa 5 bis 6,5 Kilometer) zu Fuß.“ (ac/BIERMANN)
Mehr erfahren zu: "Stoffwechselspuren sollen Darmkrebsrisiko früher sichtbar machen" Stoffwechselspuren sollen Darmkrebsrisiko früher sichtbar machen Darmkrebs früher erkennen und möglichst verhindern: Das ist das Ziel des neuen Verbundprojektes NAD-MAGIC.
Mehr erfahren zu: "Das „Durchschnitts-Genom“ und seine Bedeutung für die genetische Diagnostik" Das „Durchschnitts-Genom“ und seine Bedeutung für die genetische Diagnostik Britische Forschende haben das „durchschnittliche“ menschliche Genom charakterisiert. Ihre Studie liefert wichtige Erkenntnisse zur normalen genetischen Variabilität und unterstreicht die Bedeutung des klinischen Kontexts für die Interpretation genetischer Befunde.
Mehr erfahren zu: "Leberfibrose erhöht das Risiko für plötzlichen Herzstillstand" Leberfibrose erhöht das Risiko für plötzlichen Herzstillstand Wer eine Leberfibrose hat, ist stärker gefährdet, einen plötzlichen Herzstillstand zu erleiden. Das zeigt eine UK-Biobank-Auswertung mit über 450.000 Personen. Der FIB-4-Score könnte zur frühen Risikoeinschätzung beitragen.