Leberfibrose erhöht das Risiko für plötzlichen Herzstillstand

Für die Bestimmung des FIB-4-Scores bedarf es neben dem Alter lediglich die Laborwerte aus einer einfachen Blutprobe. (Bild: ©Antonio Corigliano/Pixabay)

Wer eine Leberfibrose hat, ist stärker gefährdet, einen plötzlichen Herzstillstand zu erleiden. Das zeigt eine UK-Biobank-Auswertung mit über 450.000 Personen. Der FIB-4-Score könnte zur frühen Risikoeinschätzung beitragen.

Die Wechselwirkungen der Leber-Herz-Achse rücken zunehmend in den wissenschaftlichen Fokus. Während eine Leberfibrose bereits mit ungünstigen kardiovaskulären Verläufen in Verbindung gebracht wurde, war der spezifische Zusammenhang mit dem plötzlichen Herzstillstand (SCA) in der Allgemeinbevölkerung bislang unzureichend geklärt. Eine prospektive Auswertung der UK-Biobank an über 450.000 Personen verdeutlicht jetzt, dass eine mittels Fibrose-4(FIB-4)-Score bestimmte Leberfibrose ein unabhängiger, gestufter Prädiktor für das Auftreten eines SCA ist. Die Studie erschien im Fachmagazin „Heart Rhythm“.

FIB-4-Score: Nicht invasive Risikoeinteilung bei 452.454 Teilnehmern

In die Studie wurden 452.454 Teilnehmer aus der UK-Biobank einbezogen (mittleres Alter 58 Jahre; 45,8 % männlich). Das Ausmaß der Leberfibrose ermittelten die Forscher um Erstautor Le Li vom Peking Union Medical College (China) mithilfe des FIB-4-Scores. Dieser etablierte Risikomarker schätzt unter Einbeziehung des Alters sowie der Laborwerte der Aspartat- und Alanin-Aminotransferasen (AST/ALT) und der Thrombozytenzahl den individuellen Grad der Leberfibrose ab. Die Einteilung erfolgt in eine niedrige (Werte <1,30), mittlere (Werte zwischen 1,30 und 2,67) und hohe (Werte > 2,67) Risikogruppe.

Li und Kollegen stratifizierten auch die Teilnehmer der UK-Biobank-Kohorte entsprechend dieses Klassifikationssystems. Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 13,8 Jahren erfassten sie neuaufgetretene SCA in den jeweiligen Gruppen.

Gestuftes Risiko: Hazard Ratio steigt bis auf 1,69

Im Verlauf der Studie wurden insgesamt 2889 Fälle von SCA dokumentiert. Personen mit höheren FIB-4-Werten wiesen eine signifikant höhere kumulative SCA-Inzidenz auf (Log-Rank p<0,001). Im Vergleich zur Gruppe mit niedrigem Risiko betrug die bereinigte Hazard Ratio (aHR) für einen SCA 1,26 (95 %-KI 1,15–1,39) in der mittleren Risikogruppe und 1,69 (95 %-KI 1,36–2,12) in der Hochrisiko­gruppe. Eine Dosis-Wirkungs-Analyse ergab einen nicht linearen, aber positiven Zusammenhang zwischen dem kontinuierlichen FIB-4-Score und dem SCA-Risiko. Jeder Anstieg des FIB-4-Scores um eine Standardabweichung entsprach einem um 20 Prozent erhöhten SCA-Risiko (aHR 1,20; 95 %-KI 1,15–1,27).

Das Fazit der Studienautoren: Der leicht zugängliche FIB-4-Score ermöglicht eine Risiko­stratifizierung für den SCA in der Allgemeinbevölkerung. Der Biomarker könnte somit dazu beitragen, Hochrisikopatienten frühzeitig zu identifizieren und gezielte primärpräventive Maßnahmen einzuleiten.

(ah/BIERMANN)

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