Fledermausrufe enthüllen individuelle Persönlichkeitsmerkmale31. Januar 2025 (Symbolbild) Foto: © Petr Šimon – stock.adobe.com Forschende des Museums für Naturkunde Berlin fanden heraus, dass soziale Lautäußerungen von Fledermäusen wichtige Hinweise auf ihre individuellen Persönlichkeitsmerkmale geben können. Die in der Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society B“ veröffentlichte Studie zeigt, dass bei der nektarfressenden Fledermaus Glossophaga soricina handleyi Proaktivität, Neugier und Mut eng mit der Häufigkeit sozialer Rufe verknüpft sind. Fledermäuse sind bekannt für ihre komplexen sozialen Strukturen und akustischen Kommunikationsformen. Theresa Schabacker vom Museum für Naturkunde Berlin untersuchte im Rahmen ihrer Dissertation das Verhalten von 60 wildlebenden Männchen der nektarfressenden Fledermausart Glossophaga soricina handleyi in Costa Rica. In verschiedenen Testszenarien – darunter eine unbekannte Umgebung, ein neuartiges Objekt und eine Futterquelle in einer Risikosituation – analysierten die Wissenschaftlerin gemeinsam mit Kolleginnen der Fledermaus-Arbeitsgruppe am Berliner Naturkundemuseum und der niederländischen Wageningen Universität das Verhalten und die Rufe der Tiere. Dabei zeigte sich, dass besonders neugierige und mutige Individuen häufiger soziale Rufe aussendeten.„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Fledermäuse durch ihre Lautäußerungen nicht nur direkt mit Artgenossen kommunizieren können, sondern auch unbewusst Hinweise auf ihre Persönlichkeit geben“, erklärt Theresa Schabacker, Hauptautorin der Studie. Dies könne Artgenossen helfen, individuelle Charaktereigenschaften aus der Distanz einzuschätzen und darauf basierend soziale Interaktionen zu gestalten. Die Ergebnisse könnten weitreichende Auswirkungen auf das Verständnis der sozialen Dynamik von Fledermauskolonien haben. Individuen, die durch häufige Rufe als besonders proaktiv oder mutig identifiziert werden, könnten eine zentrale Rolle in der Gruppenstruktur einnehmen oder kooperativen Beziehungen beeinflussen. Die Studie wirft spannende neue Fragen auf: Wie beeinflussen diese individuellen Unterschiede langfristig soziale Netzwerke? Sind die Rufe absichtliche Signale oder lediglich unbewusste Hinweise auf innere Erregungszustände der Tiere? Weitere Untersuchungen könnten klären, inwieweit diese Rufe die Gruppenkoordination oder Partnerwahl beeinflussen.Die Forschung wurde durch das Museum für Naturkunde Berlin in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Wageningen University durchgeführt und vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert.
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