Forschungsprojekt: CHIP-Mutationen als Risikofaktor bei Patienten mit Vorhofflimmern16. Januar 2026 Anhand eines Bluttestes lassen sich CHIP-Mutationen diagnostizieren. (Foto: ©Chutipon/stock.adobe.com) Mit Unterstützung der Deutschen Herzstiftung untersuchen Forschende die Rolle von CHIP-Mutationen bei Patienten mit Vorhofflimmern. Ihr Ziel: Eine personalisierte Behandlung von CHIP-Mutationsträgern. Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich blutbildende Stammzellen verändern und ungewollte Zellklone produzieren. Man spricht dann von klonaler Hämatopoese mit unbestimmtem Potenzial (clonal hematopoiesis of indeterminate potential – abgekürzt CHIP). Einige dieser mutierten Blutzellen stehen im Verdacht, Entzündungsprozesse zu befeuern. Sie können neue Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen und bereits bestehende kardiovaskuläre Probleme verschärfen (wir berichteten). Besonders häufig kommen sie bei Patienten mit Vorhofflimmern vor. Wissenschaftler des Uniklinikums Freiburg und der Charité – Universitätsmedizin Berlin wollen den genauen Mechanismus bei diesen sogenannten CHIP-Mutationen entschlüsseln. Unterstützt werden sie mit 70.000 Euro von der Deutschen Herzstiftung. Jeder dritte Herzpatient zusätzlich von CHIP betroffen Jetzt verdichten sich die Anzeichen, dass die Bedrohung für manche Vorhofflimmer-Patienten noch massiver ist als bisher angenommen. „Mit zunehmendem Alter treten im Körper CHIP-Mutationen auf; dabei entstehen mutierte Blutzellen, die, so unsere Annahme, das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen zusätzlich begünstigen. Man könnte sagen, sie wirken wie eine Art Brandbeschleuniger“, so Dr. Tsai-sang Dederichs vom Universitäts-Herzzentrum Freiburg-Bad Krozingen. Darstelleung des Prozesses der klonalen Hämatopoese mit unbestimmtem Potenzial (CHIP). Ältere Menschen sind naturgemäß häufiger betroffen. (Abbildung: ©Deutsche Herzstiftung) „Auffällig ist, dass etwa jeder dritte Herzpatient zusätzlich von CHIP betroffen ist. Wir sehen einen Zusammenhang zwischen Alter, Vorhofflimmern und CHIP, den wir in unserer Studie untersuchen möchten. Langfristiges Ziel ist es, von CHIP betroffene Herzpatienten effizienter behandeln zu können“, so Dederichs weiter. Doppelt gefährdet: CHIP-Mutationsträger haben häufig Vorhofflimmern Betroffen sind vor allem ältere Menschen. „Wir gehen davon aus, dass in der Generation 70 Plus etwa jeder Zehnte diese Mutationen in sich trägt“, erläutern Prof. Ingo Hilgendorf, Leiter der Klinik für Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum des Deutschen Herzzentrums der Charité Berlin und Dederichs. Die Forscher wollen besser verstehen, welche konkrete Rolle die CHIP-Mutationen beim weiteren Krankheitsverlauf spielen beziehungsweise ob und wie die Mutationen ihn verschärfen. Dazu untersuchen sie nun Patienten mit Vorhofflimmern. CHIP-Träger haben diese Herzrhythmusstörung besonders häufig. „Der Anteil ist um zwölf Prozent höher als in der Allgemeinbevölkerung – für bestimmte CHIP-Mutationen sogar um 45 Prozent. Umgekehrt gilt: Beinahe jeder vierte Patient mit Vorhofflimmern hat eine CHIP-Mutation“, berichten Hilgendorf und Dederichs. Das Schlaganfallrisiko ist bei CHIP-Trägern um 14 Prozent erhöht. Studien und Laboruntersuchungen zeigen, dass auch andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Zusammenhang mit CHIP-Mutationen stehen. So ist das Risiko für eine Koronare Herzkrankheit (KHK) fast um das Zweifache erhöht und jenes für einen Herzinfarkt in jungen Jahren sogar um das Vierfache. Auf dem Weg zur Entschlüsselung der Mechanismen sind die Forscher bereits vorangekommen: „Wir wissen beispielsweise, dass 70 Prozent aller CHIP-Mutationen in drei Genen vorkommen“, erläutert Hilgendorf. Eine jüngst im „European Heart Journal“ publizierte Arbeit liefert überzeugende Belege dafür, dass CHIP ein bedeutender erworbener genetischer Faktor ist, der den Schweregrad der KHK sowie die Mortalität bei KHK-Patienten mit CHIP beeinflusst. Weiterer Schlüssel zur personalisierten Medizin Bei dem CHIP-Forschungsprojekt arbeiten die Freiburger Wissenschaftler eng mit Schweizer Herzspezialisten zusammen. „Wir haben die Daten von 2400 Patienten mit Vorhofflimmern zur Verfügung. Von jedem liegt eine Blutprobe vor. „Wir werden untersuchen, ob CHIP-Mutationen bei diesen Patienten vorhanden sind und ob bei den CHIP-Trägern tatsächlich häufiger beispielsweise Schlaganfälle, Herzinfarkte oder sogar Todesfälle auftreten“, berichtet Dr. Carolin Ehlert, Forscherin und Assistenzärztin am Universitäts-Herzzentrum Freiburg-Bad Krozingen. „Es geht auch um die Frage, ob alle oder nur bestimmte CHIP-Mutationen das Risiko beeinflussen – unabhängig von klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck.“ Die neuen Erkenntnisse der Freiburger und Berliner Forscher über die CHIP-Mutationen sollen mithelfen, die Entwicklung der personalisierten Medizin voranzutreiben. „Eine mögliche Konsequenz könnte sein, dass man CHIP-Träger aufgrund bestimmter Risikoprofile künftig anders behandeln sollte, um klinischen Ereignissen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt vorzubeugen“, sagt Hilgendorf. Beispielsweise könnte eine Medikamentenkombination zum Einsatz kommen, die die Blutgerinnung und zugleich die entzündungsfördernden Mechanismen von CHIP hemmt. Insofern könnte das Forschungsprojekt mit Unterstützung der Deutschen Herzstiftung ein weiterer Schlüssel zur Präzisionsmedizin sein. Das könnte Sie auch interessieren: Krebs und Herzerkrankungen: KI-Tool findet frühe CHIP-Anzeichen
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