Frauen mit Schlafapnoe haben erhöhtes Krebsrisiko16. August 2019 Foto: ©Wavebreak Media LTD/Adobe Stock Laut einer aktuellen Studie schwedischer Wissenschaftler scheinen Frauen, die unter schwerer Schlafapnoe leiden, ein höheres Krebsrisiko zu haben. Allerdings ist der genaue Zusammenhang zwischen der nächtlichen Sauerstoffunterversorgung bei Frauen und Krebs nach wie vor unklar. „Wir können davon ausgehen, dass Schlafapnoe entweder ein Risikofaktor für Krebs ist oder dass beide Erkrankungen gemeinsame Risikofaktoren haben – etwa Übergewicht. Andererseits ist es umgekehrt weniger wahrscheinlich, dass Krebs zu Schlafapnoe führt”, stellt der Seniorautor eine aktuellen Studie Ludger Grote, außerordentlicher Professor für Schlafmedizin und Schlafmediziner in leitender Position, fest. Die Forschungsergebnisse, die im European Respiratory Journal publiziert wurden, basieren auf Registerdaten der europäischen ESADA-Datenbank – insgesamt Daten von etwa 20.000 Patienten mit Schlafapnoe. Circa zwei Prozent von ihnen hatten zudem eine Krebsdiagnose. Erwartungsgemäß korrelierte ein höheres Alter mit einem erhöhten Krebsrisiko. Aber auch nach Adjustierung der Daten für Alter, Geschlecht, Rauchgewohnheiten und Alkoholkonsum zeigte sich eine mögliche Verbindung zwischen intermittierender Hypoxie bei Nacht und einer höheren Krebs-Prävalenz. Der Zusammenhang zeigte sich vor allem bei Frauen und war bei Männern schwächer ausgeprägt. Vertiefende Studien nötig „Unsere Daten zeigen ein zwei- bis dreifach erhöhtes Krebsrisiko für Frauen mit ausgeprägter Schlafapnoe. Wir können unmöglich sicher sagen, welche Gründe der Assoziation zwischen Schlafapnoe und Krebs zugrunde liegen, aber die Hinweise bedeuten, dass wir den Zusammenhang genauer untersuchen müssen”, betont Grote. Schlafapnoe sei einer breiten Öffentlichkeit bekannt und werde mit Schnarchen, Tagesmüdigkeit und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert, so Grote weiter. „Unsere Forschung zeigt den Weg zu einer neuen Sicht – nämlich, dass Schlafapnoe möglicherweise mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden ist, insbesondere bei Frauen.” Mögliche Gründe Bereits frühere Studien hatten gezeigt, dass Schlafapnoe-Patienten häufiger als andere eine Krebsdiagnose in ihrer Anamnese hatten. Die Forschungen in diesem Bereich nehmen zu, allerdings wurde der geschlechtsspezifische Aspekt bisher kaum untersucht. „Der Fokus lag vor allem auf dem Zusammenhang mit einer bestimmten Krebsform, dem malignen Melanom. Brust- oder Gebärmutterkrebs könnten nun eine neuer Bereich werden. Es könnten einen kombinierten Effekt aus weiblichen Sexualhormonen und Aktivierung durch Stress, induziert durch die nächtliche Hypoxie bei Schlafpnoe sein, das die Entwicklung von Krebs auslöst oder das Immunsystem schwächt”, sagt Grote. (ja)
Mehr erfahren zu: "Krebsrisiko und Prävention: Diskrepanz zwischen Wissen und Selbsteinschätzung" Krebsrisiko und Prävention: Diskrepanz zwischen Wissen und Selbsteinschätzung Zwei Befragungen zeigen: In der Bevölkerung wird das persönliche Krebsrisiko oft unterschätzt – gleichzeitig bestehen Wissenslücken über Krebsursachen und Krebsrisikofaktoren. Verlässliche und verständliche Informationen sind gefragt.
Mehr erfahren zu: "Mandeloperationen: Wie aussagekräftig ist die Zahl der Entzündungen?" Mandeloperationen: Wie aussagekräftig ist die Zahl der Entzündungen? Wie oft müssen sich die Gaumenmandeln entzünden, bevor eine Mandeloperation sinnvoll ist? Ersten Daten der TOTO-Studie zufolge spielt die Zahl der Entzündungen keine so große Rolle wie gedacht.
Mehr erfahren zu: "Allergische Rhinitis: Nasensekret und Plasma liefern komplementäre Stoffwechselsignale" Allergische Rhinitis: Nasensekret und Plasma liefern komplementäre Stoffwechselsignale Gepaarte Metabolomanalysen liefern Einblicke in lokale und systemische Veränderungen bei Allergischer Rhinitis. Die unter Immuntherapie beobachteten Verschiebungen waren im Nasensekret ausgeprägter als im Plasma.