Freie Ärzteschaft kritisiert Apotheker: “Präventionsberatung ist kein Arzneimittelverkauf”11. September 2017 Medikamente in einer Apotheke. Foto: © benjaminnolte – Fotolia.com Die Apotheken wollen tiefer in die Patientenberatung einsteigen und Sprechstunden etwa zur Rauchentwöhnung, Ernährungs- und Impfberatung anbieten. Darüber kann sich die Freie Ärzteschaft (FÄ) nur wundern. “Präventionsberatung, wie Ärzte und andere dafür qualifizierte Berufsgruppen sie durchführen, ist etwas anderes als die Beratung zu Medikamenten in den Apotheken”, kommentierte FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich den Vorstoß des Bundesverbandes Deutscher Apothekerverbände (ABDA) am Donnerstag in Essen. Mit solchen Sprechstunden könnten Interessenkonflikte entstehen, da eines der Hauptgeschäfte von Apotheken der Verkauf von Pflegeprodukten, freiverkäuflichen Arzneimitteln und Lifestyle-Präparaten sei. “Die Beratungsleistung des Apothekers wird bereits durch den Gewinn am Verkauf dieser Produkte honoriert”, erläutert der FÄ-Chef weiter. “Erstaunlich an dem Vorstoß des ABDA-Präsidenten Friedemann Schmidt ist zudem, dass er sich hier in die Tätigkeit von Haus- und Fachärzten einmischen will, während die meisten Apotheker vor Ort mit ganz anderen Problemen wie dem zunehmenden Onlineverkauf von Medikamenten kämpfen und bei derlei Vorschlägen dankend abwinken.” Dietrich betont weiterhin, dass Gespräche beim Haus- und Facharzt im geschützten Raum stattfinden und nicht an einem Verkaufstresen. “Das geschützte Gespräch ist ein hohes Gut, in dem sich das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient festigt – dadurch und durch die Kenntnis des gesamten Patienten wird eine fachlich fundierte Beratung erst möglich.” Auch die Forderung des ABDA nach Vergütung solcher Apotheken-Sprechstunden aus dem Topf der gesetzlichen Krankenversicherung stößt auf Unverständnis. “Die Apotheker”, so der FÄ-Chef, “lehnen sich hier weit aus dem Fenster. Wollen sie die gute Koexistenz mit den Ärzten aufkündigen? Dann könnten Ärzte umgekehrt fordern, in ihren Praxen auch Medikamente abzugeben und zu verkaufen – was beispielsweise in der Schweiz sogar gut funktioniert und den Patienten den Weg in die Apotheke erspart.”
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