Frühgeborene: Führen Schmerzen zu Entwicklungseinschränkungen?

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Ein hohes Maß an früher Schmerz­exposition auf der Intensivstation könnte das Ausmaß an funktioneller Dysmaturität bei Frühgeborenen erhöhen, was sich letztendlich auf die zukünftigen Entwicklungsergebnisse der Kinder auswirken könnte. Zu diesem Schluss kommt eine belgische Studie.

Frühgeborene zeigen häufiger kognitive, soziale und Verhaltensprobleme, selbst wenn keine größeren medizinischen Komplikationen während ihres Aufenthalts auf der neonatologischen Intensivstation auftreten. Als Ursache werden frühkindliche Stress­erfahrungen und prozedurale Schmerzen vermutet, die die zerebrale Entwicklung und Reifung beeinflussen könnten.

Die Studie beschreibt die Reifung von Elektroenzephalogrammsignalen (EEG) und Herzfrequenzvariabilität in einer prospektiven Kohorte von 92 Frühgeborenen (<34 Wochen Gestationsalter, Median 31 Wochen und 4 Tage) während ihres Aufenthaltes auf der neonatologischen Intensivstation. Dabei berücksichtigten Mario Lavanga von der Katholieke Universiteit Leuven, Belgien, und Kollegen die Anzahl der noxischen (d. h. hautverletzenden) Prozeduren, denen die Frühchen in den ersten 5 Lebenstagen ausgesetzt waren.

Anhand physiologischer Signalmodellierung zeigt die Studie, dass eine hohe Exposition gegenüber frühen prozeduralen Schmerzen das Niveau der Diskontinuität sowohl im EEG als auch in der Variabilität der Herzfrequenz bei Frühgeborenen erhöht. Diese Ergebnisse wurden auch in einer Untergruppe der am stärksten gefährdeten Frühgeborenen mit einem Gestationsalter <29 Wochen bestätigt. (ah)

Originalpublikation:
Lavanga M et al. The effect of early procedural pain in preterm infants on the maturation of electroencephalogram and heart rate variability. Pain 2021;162:1556–1566.