Fusobacterium necrophorum als Erreger komplizierter Meningitiden nach Otitis media11. August 2026 3D-Illustration von Fusobacterium necrophorum. Bild: Love Employee/stockk.adobe.com Fusobacterium necrophorum kann bei Kindern über einem Jahr schwerwiegende Meningitiden auslösen – meist als Folge einer akuten Otitis media und häufig mit lebensbedrohlichen Komplikationen. Dies geht aus einer französischen Multicenterstudie hervor, deren Autoren daher die Notwendigkeit betonen, diesen Erreger insbesondere bei negativen Befunden in der Standard-Polymerase-Kettenreaktion (PCR) gezielt zu suchen. Für die Studie hatten Wissenschaftler eines Forschungsnetzwerkes aus 259 pädiatrischen Stationen prospektiv Daten zu Fällen von F.-necrophorum-Meningitis in den Jahren 2001 bis 2024 ausgewertet. Die Forschenden analysierten insgesamt 27 Krankheitsverläufe bei Kindern mit einem Medianalter von vier Jahren (Spanne 2–7 Jahre), von denen nur zwei Patienten jünger als ein Jahr waren. Dabei unterschieden sie zwischen „isolierten“ und „komplizierten“ Verläufen, wobei letztere durch lokale oder systemische Komplikationen wie Abszesse, Mastoiditis oder ein Lemierre-Syndrom definiert waren. Ein solch schwere Infektion fanden die Forschenden bei der Mehrheit der Kinder: 20 von 27 Patienten (74 %) litten an einer komplizierten Meningitis. In dieser Gruppe mussten zwölf Kinder chirurgisch drainiert werden, vier verstarben infolge der Infektion. Besonders auffällig war der enge Zusammenhang mit vorangegangenen HNO-Infektionen, die bei allen Betroffenen vorlagen – in 21 von 27 Fällen handelte es sich um eine akute Otitis media. Nachweis des Erregers gelingt mit Standardverfahren nicht immer Diagnostisch erwies sich der Nachweis von F. necrophorum oft als schwierig: Während die Liquor-Kultur in 16 Fällen erfolgreich war, führte bei anderen erst die PCR (n = 3) oder eine spezifische 16S-rRNA-PCR (n = 1; Nachweis in Hirnabzess) zur Diagnose. Bei den anderen Kindern bestand eine Pleozytose im Liquor bei positiver Blutkultur. Als bemerkenswert bezeichnen die Autoren, dass keines der betroffenen Kinder eine medizinische Vorgeschichte aufwies. Bei Kindern ab einem Jahr, die eine Meningitis infolge einer Mittelohrentzündung entwickeln, sollte daher stets F. necrophorum als potenzieller Erreger in Betracht gezogen werden, so das Fazit der Autoren. Dies gelte insbesondere dann, wenn Standardtests negativ blieben. In diesen Fällen empfehlen die Forschenden den Einsatz der 16S-rRNA-PCR sowie eine auf anaerobe Bakterien ausgerichtete Antibiotikatherapie. (ej)
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