Gastbeitrag: Freunde der Morgenröte6. März 2018 © textag – fotolia.com Man begegnet ihnen auf Kongressen, bei Fortbildungsveranstaltungen, in Fachzeitschriften und auch beim Gespräch mit dem pharmazeutischen Außendienst: den eosinophilen Granulozyten. Der Stellenwert dieser Leukozytenpopulation in der Pathophysiologie des Asthma bronchiale ist unbestritten, als Biomarker und Angriffspunkt für die Therapie des schweren Asthmas sind sie von wesentlicher Bedeutung. Doch wie steht es um die Rolle der Eosinophilen bei COPD? Sind wir auf dem Weg zu wichtigen, neuen Erkenntnissen? Im GOLD-Report 2018 wird den Eosinophilen ein eigener Absatz gewidmet, in dem die derzeitige Studienlage referiert wird. Die Quintessenz lässt sich wie folgt zusammenfassen: Nix Genaues weiß man nicht. Inzwischen liegen neue Daten für COPD-Patienten mit erhöhter Eosinophilenzahl vor, die zum Zeitpunkt der letzten Revison des GOLD-Reports 2018 wohl noch nicht verfügbar waren – zumindest finden sie dort keine Erwähnung. Eine im Sommer 2017 veröffentlichte Untersuchung der koreanischen KOCOSS-Kohorte analysierte den Zusammenhang zwischen der Eosinophilenzahl und dem Abfall des 1-Sekunden-Volumens (FEV1), dem Risiko für Exazerbationen, der krankheitsspezifischen Lebensqualität sowie dem Ansprechen auf inhalative Corticosteroide (ICS) bei Patienten mit COPD.1 Keiner der genannten Parameter korrelierte mit der Anzahl der eosinophilen Granulozyten, die für diese Untersuchung in Quartile unterteilt wurde. Auch in einer europäischen Studie anhand zweier Kohorten (CHAIN und BODE) wurden die Eosinophilen unter die Lupe genommen.2 Während der 2 Jahre dauernden Beobachtung ließ sich kein Zusammenhang zwischen erhöhter Eosinophilenzahl und dem Risiko für Exazerbationen nachweisen. Im Gegenteil: Interessanterweise war die Mortalität bei Patienten mit mehr als 300 Zellen pro Mikroliter sogar vermindert. Auf den ersten Blick scheinen beide Studien keine aufregenden Neuigkeiten zum Thema Eosinophile bei COPD zu verkünden. Bei genauerer Betrachtung liefern sie jedoch wichtige Aspekte für das Verständnis der bislang inkonsistenten Datenlage. Bei der koreanischen Arbeit wurden ausschließlich Patienten mit reiner COPD untersucht. Nicht nur Asthma bronchiale, sondern auch ein ACO, also das gleichzeitige Vorliegen von Asthma und COPD, wurden ausgeschlossen. Eine solch strenge Definition war in früheren Untersuchungen nicht erfolgt. Auch die europäische Arbeit zeigte eine interessante Beobachtung: Bei fast der Hälfte der beobachteten COPD-Patienten schwankte die Eosinophilenzahl während des Beobachtungszeitraumes ganz erheblich – mal lag sie über dem gewählten Cut-off, mal darunter. Nur bei 12,3 % respektive 15,8 % waren die Eosinophilen dauerhaft erhöht. Bislang wurde das Phänomen der eosinophilen Granulozyten bei COPD-Patienten nur in retrospektiven Analysen untersucht. Die hier zitierten, neuen Publikationen tragen dabei 2 wichtige Erkenntnisse zum Verständnis der bisherigen, inkonsistenten Datenlage bei: Konzentriert man die Beobachtung auf Patienten mit reiner COPD, so scheinen die Eosinophilen keine Bedeutung für den Verlauf der Erkrankung zu haben. Möglicherweise wurden frühere Beobachtung durch eine gleichzeitig bestehende asthmatische Komponente im Sinne eines ACO beeinflusst. Ein weiterer Grund für die bisherigen, widersprüchlichen Beobachtungen im Hinblick auf Eosinophile bei COPD könnte in der deutlichen Schwankung der Zellzahl über den Beobachtungszeitraum liegen. Stress, Hunger und Tageszeit sind nur einige Faktoren, die Einfluss auf die Eosinophilenzahl haben. Bei der Interpretation der Labordaten müssen diese Einflussfaktoren berücksichtigt werden. Nach wie vor liegen keine prospektiven Studien zum Stellenwert der eosinophilen Gronulozyten bei Patienten mit COPD vor. Die bisherige Datenlage ist also allenfalls hypothesengenerierend und keinesfalls handlungsleitend. Eine therapeutische Implikation für Patienten mit COPD, bei denen erhöhte Eosinophilenzahlen gemessen werden, ergibt sich nach derzeitigem Stand der Dinge nicht – trotz der fortdauernden Diskussion um dieses Thema. Literatur: 1. Song JH, Lee CH, Kim JW. Clinical implications of blood eosinophil count in patients with non-asthma–COPD overlap syndrome COPD. Int J Chron Obstruct Pulmon Dis 2017;12: 2455–2464. 2. Casanova C, Celli BR, de-Torres JP et al. Prevalence of persistent blood eosinophilia: relation to outcomes in patients with COPD. Eur Respir J 2017;50(5). pii: 1701162. Dr. med. Justus de Zeeuw
Mehr erfahren zu: "Badeunfall: Kein Sprung in flaches Wasser" Badeunfall: Kein Sprung in flaches Wasser Die DGOU macht zur Badesaison auf das Risiko von Querschnittlähmungen nach Kopfsprüngen aufmerksam. Vor dem Sprung solle die Wassertiefe geprüft und auf Kopfsprünge in trübes Wasser grundsätzlich verzichtet werden, ebenso […]
Mehr erfahren zu: "Schleswig-Holstein: Uniklinikum behandelte bereits 1200 Menschen mit E-Scooter-Unfällen" Schleswig-Holstein: Uniklinikum behandelte bereits 1200 Menschen mit E-Scooter-Unfällen Jeder sechste Unfall mit E-Scootern steht unter Alkoholverdacht – und junge Männer sind besonders häufig betroffen. Was steckt hinter dem Anstieg der Notfälle in Kiel und Lübeck?
Mehr erfahren zu: "„Gute“ Immunzellen helfen bei der Regeneration von Rückenmarksverletzungen" „Gute“ Immunzellen helfen bei der Regeneration von Rückenmarksverletzungen Ein Forschungsteam hat den Mechanismus entschlüsselt, wie bei Zebrafischen Schäden am Rückenmark vollständig heilen. Bestimmte Immunzellen regulieren die Entzündung herunter, damit die Nervenregeneration ermöglicht wird.