Gefäßerkrankungen bei Frühchen mit chronischer Lungenkrankheit frühzeitig erkennen11. September 2023 Die Beatmung Frühgeborener kann zu schweren Komplikationen führen. (Foto: © Tobilander – stock.adobe.com) Wissenschaftler von Helmholtz Munich und dem LMU Klinikum haben eine nichtinvasive Methode entwickelt, die frühzeitig Anzeichen von Gefäßerkrankungen in Zusammenhang mit chronischen Lungenkrankheiten bei Frühgeborenen erkennt. Dies eröffnet neue Möglichkeiten zur Risikoeinschätzung und potenziellen Vorbeugung oder Therapie von Komplikationen im späteren Leben. Frühgeborene haben teilweise Schwierigkeiten, eigenständig zu atmen. Jedoch können die daraufhin durchgeführte Sauerstoffzufuhr oder die medizinische Beatmung Schäden an der sich entwickelnden Lunge verursachen, die zur Bronchopulmonalen Dysplasie (BPD) führen. Die BPD geht wiederum häufig mit einer Gefäßerkrankung der Lunge (englisch: pulmonary vascular disease, PVD) einher und betrifft in variierendem Maße die Mehrheit der Säuglinge mit BPD. Dabei bleibt die PVD jedoch oft unbemerkt, da es an geeigneten diagnostischen Methoden zur Früherkennung mangelt. Zudem ist die PVD mit einem signifikanten Risiko für Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie, PH) im Laufe des Lebens verbunden. Die Entwicklung sensibler, gleichzeitig aber routinemäßig anwendbarer Diagnostikverfahren zur Früherkennung der PVD würde ein neues Therapiefenster für Behandlungsmöglichkeiten und für risikoangepasstes Monitoring eröffnen, wodurch schließlich lebenslange Probleme der Patienten abgeschwächt oder verhindert werden können. Die Ärztin und Wissenschaftlerin Dr. Anne Hilgendorff und ihr Team von Helmholtz Munich und dem LMU Klinikum sowie Radiologen und Neonatologen von der LMU widmeten sich zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Leiden in ihrer neuen Studie der Identifizierung und Validierung von Früherkennungsmerkmalen für Lungengefäßprobleme bei Neugeborenen mit Lungenerkrankungen. Neue Methode zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Problemen bei Frühgeborenen In der neuen Studie präsentiert das Team eine Methode zur nichtinvasiven Früherkennung von Auffälligkeiten in der Lungenstrombahn bei Frühgeborenen mit BPD. Die neue Methode nutzt ein spezifisches Herz-Lungen-Magnetresonanztomographie(MRT)-Protokoll. Das bedeutet, dass die Wissenschaftler ein MRT sowohl für das Herz als auch für die Lungen von Frühgeborenen, die sich ihrem voraussichtlichen Geburtstermin nähern, mit und ohne BPD erstellen. Bemerkenswert ist, dass die Säuglinge während des Verfahrens nicht ruhiggestellt werden müssen, sondern im Spontanschlaf untersucht werden können. Veränderungen des Blutflusses vom Herzen zur Lunge über die Lungenarterie (pulmonale Arterie, PA) sowie Anzeichen von Veränderungen der Herzfunktion waren die Grundlage für die Entwicklung eines statistischen Algorithmus, um Anzeichen einer PVD zu identifizieren. Den Forschenden zufolge wurden hiermit zum ersten Mal fortschrittliche MRT-Bildgebungsverfahren bei Frühgeborenen, die vor der 32. Schwangerschaftswoche auf die Welt kamen, angewendet, um die zusammenhängende Wirkung von Veränderungen im Blutfluss der PA und der Herzfunktion zum Zeitpunkt der BPD-Diagnose zu zeigen, wobei gleichzeitig der Grad der Frühgeburtlichkeit berücksichtigt wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass die charakteristischen Veränderungen im Blutfluss der PA und in der Herzfunktion im Zusammenhang mit einem steigenden Druck im Lungenkreislauf stehen, der wahrscheinlich auf ein nicht voll ausgebildetes und umgebautes Gefäßsystem der Lunge zurückzuführen ist. In der sehr heterogenen Gruppe von Säuglingen mit milder BPD identifizierte der Algorithmus erfolgreich jene Fälle mit einem signifikanten Risiko für Gefäßerkrankungen. Schlussendlich besteht mit der neuen Methode eine Möglichkeit zur Risikoeinschätzung für spätere Komplikationen einschließlich eines plötzlichen Herztodes, der bei Erwachsenen, die als Frühgeburt auf die Welt kamen, deutlich häufiger auftritt. Der nichtinvasive Diagnostikansatz hat Potenzial für eine klinische Anwendung Die frühzeitige Erkennung von Anzeichen einer PVD bei Frühgeborenen mit BPD durch MRT-Aufnahmen birgt die Möglichkeit, Frühgeborene in unterschiedliche Risikogruppen für die anschließende Entwicklung von Komplikationen wie dem Lungenhochdruck und sogar einem plötzlichen Herztod im späteren Leben einzuordnen. Der neue nichtinvasive Diagnostikansatz kann in Zukunft standardmäßig bei schlafenden Säuglingen eingesetzt werden und ist damit für eine klinische Anwendung bestens geeignet. Zukünftige Studien werden die identifizierten Früherkennungsmerkmale einer vaskulären Lungenpathologie bis zum (Vor-)Schulalter und ins Erwachsenenalter verfolgen, um risikoadaptierte Überwachungs- und Behandlungsstrategien bei BPD zu bewerten.
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