Genetische Variante erhöht das Risiko für Herzinsuffizienz nach Myokarditis

Virusinfektionen können bei Kindern zu einer Myokarditis führen. (Foto: © freshidea – stock.adobe.com)

Eine genetische Variante erhöht wahrscheinlich bei einigen Kindern mit Myokarditis das Risiko, eine potenziell tödliche Herzinsuffizienz zu entwickeln. Dies geht aus einer in „Circulation Heart Failure“ veröffentlichten Studie hervor.

Der Studie zufolge wiesen 34,4 Prozent der Kinder, die nach einer Myokarditis eine dilatative Kardiomyopathie entwickelten, eine genetische Variante auf, die sie anfälliger für diese Erkrankung machte. Bei Kindern der Kontrollgruppe fanden die Forschenden diese Veranlagung nur bei 6,3 Prozent.

Gentests wären von Vorteil

Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass Gentests für alle Kinder mit Myokarditis und Kardiomyopathie von Vorteil wären, erklärte Steven E. Lipshultz, MD, korrespondierender Autor der Studie und Professor für Pädiatrie an der Jacobs School of Medicine and Biomedical Sciences der University at Buffalo (USA).

„Wenn ein Kind mit neu auftretender Herzinsuffizienz in die Praxis kommt, führen nur sehr wenige Ärzte Gentests auf pathologische Genvarianten durch, die Kardiomyopathie verursachen“, erläuterte Lipshultz. „Das macht diese Studie zu einem Meilenstein.“

Viele Infektionen, aber nur selten Myokarditis mit Herzinsuffizienz 

Die Studie verglich 32 Kinder mit dilatativer Kardiomyopathie und Myokarditis mit Kindern mit Myokarditis, aber ohne dilatative Kardiomyopathie. Eine weitere Kontrollgruppe bestand aus Altersgenossen ohne Herzerkrankungen. Die Teilnehmer mit Kardiomyopathie waren Teil des vom National Institutes of Health finanzierten Pediatric Cardiomyopathy Registry (PCMR), das Lipshultz gegründet hat und leitet.

„In der Vergangenheit und auch heute noch gingen wir immer davon aus, dass bestimmte Infektionen zu Myokarditis mit Herzinsuffizienz führen“, berichtet Lipshultz. „Allerdings erkranken viele Kinder an Infektionen, Säuglinge beispielsweise durchleben im ersten Lebensjahr  durchschnittlich etwa sieben Infektionen. Dennoch entwickeln nur sehr wenige Säuglinge und Kinder mit Infektionen eine Myokarditis mit Herzinsuffizienz oder versterben plötzlich.“

Ein zusätzlicher Faktor

Aus diesem Grund vermutet Lipshultz seit Langem, dass es einen zusätzlichen Faktor geben muss, der diese Kinder gefährdet, insbesondere wenn sie nach Infektionen mit weit verbreiteten Viren plötzlich eine schwere Myokarditis entwickeln, die manchmal auch zum Tod führt.

„Mithilfe von Daten der Centers for Disease Control haben wir zuvor festgestellt, dass einige dieser Familien genetische Mutationen aufweisen, die das Immunsystem dieser Kinder daran hindern, sie vor häufigen Viren zu schützen“, erklärt Lipshultz.

Der Forscher geht davon aus, dass bei einem Kind mit Genmutationen für Kardiomyopathie die Herzreserve, also die Fähigkeit des Herzens, erhöhte körperliche Anforderungen zu bewältigen, verringert ist.

Doppeltes Risiko

Er und seine Kollegen bezeichnen dies als Doppelrisiko. Das erste Risiko besteht darin, dass das Kind mit einer pathologischen Kardiomyopathie-Mutation geboren wird, die es einem höheren Risiko für Kardiomyopathie und Herzinsuffizienz aussetzt. Das zweite Risiko tritt auf, wenn das Kind eine Infektion bekommt, die schließlich die Herzmuskelzellen befällt und zu einer Myokarditis führt.

„In unserer Studie haben wir festgestellt, dass ein signifikant größerer Anteil der Kinder, die wegen Herzinsuffizienz und neu auftretender Myokarditis in Kinderkrankenhäuser und Intensivstationen eingeliefert wurden, pathologische Kardiomyopathie-Genmutationen aufwiesen“, berichtet Lipshultz. „Diese Mutationen führen zu einer geringeren Herzreserve und einer höheren Wahrscheinlichkeit für Herzinsuffizienz als bei Patienten mit Myokarditis ohne Herzinsuffizienz. Daher ist es sehr wichtig, bei der Diagnose dieser Patienten Genmutationen zu identifizieren.“

Diese Mutationen erhöhen dem Forscher zufolge auch das Risiko dieser Kinder, an Herzinsuffizienz mit nachfolgenden wiederkehrenden Myokarditis-Episoden zu erkranken. Dies erhöht wiederum ihr Risiko für einen plötzlichen Herztod. Aus diesem Grund, so Lipshultz, kommen sie für implantierbare Herzdefibrillatoren infrage.

Für Kliniker gelte: Wenn man nicht nach pathologischen Genmutationen suche, wisse man nicht, ob der Patient ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Tod hat. „Wenn man jedoch sucht und besorgniserregende Risikofaktoren findet, sollte man handeln“, betont Lipshultz. (ej/BIERMANN)