Gesamtes Ernährungsmuster entscheidet über das Diabetesrisiko15. April 2026 Auf Balance kommt es an: Entscheidend für das Diabetesrisiko ist das gesamte Ernährungsmuster. Symbolbild: naphat/stock.adobe.com Weniger Zucker und Fett im Essen? So einfach ist es laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) nicht, wenn es um die Entstehung eines Typ-2-Diabetes geht. Denn entscheidend für das Diabetesrisiko seien nicht nur einzelne Nährstoffe oder Lebensmittel, sondern das gesamte Ernährungsmuster. Für die allgemeine Gesundheit und Diabetesprävention kommt es darauf an, wie Lebensmittel und Nährstoffe insgesamt kombiniert werden. Untersuchungen zeigen, dass so das Diabetesrisiko um bis zu 80 Prozent gesenkt werden könnte. Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) geben eine Übersicht über aktuelle Erkenntnisse und zeigen, worauf Menschen im Alltag achten sollten. Auf das richtige Verhältnis kommt es an Lange stand die Frage im Fokus, ob Zucker oder Fett krank machen. Heute zeigt sich ein differenzierteres Bild. „Der Einfluss einzelner Nährstoffe wird zunehmend im Kontext des gesamten Ernährungsmusters bewertet“, erklärt Dr. Stefan Kabisch, Mitglied des Ausschusses Ernährung der DDG und Studienarzt in der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Frühere Studien hatten vor allem gesättigte Fette, Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel als Haupttreiber für einen Typ-2-Diabetes identifiziert. Neuere Analysen ergänzen dies um die Erkenntnis: Entscheidend ist auch, wie Menschen insgesamt essen – also welche Lebensmittel sie kombinieren und wie häufig.1 „Es kommt nicht auf das einzelne Kuchenstück zum Kaffeetrinken oder die Chips-Packung vor dem Fernseher an. Wichtig ist, ob diese Lebensmittel in einen insgesamt gesunden Ernährungsplan eingestreut sind oder diesen dominieren“, erklärt Kabisch. „Es geht also nicht um Verbote, sondern das richtige Verhältnis.“ Zuckerhaltige Getränke und Fleisch erhöhen das Diabetesrisiko Besonders deutlich sind die diabetespräventiven Effekte bei pflanzenbetonten Ernährungsweisen. Beobachtungsstudien zeigen, dass Menschen, die viel Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte und Nüsse konsumieren, seltener an Typ-2-Diabetes erkranken.2 Und auch bei Betroffenen wirkt sich eine pflanzenbetonte Ernährung positiv auf den Krankheitsverlauf und die Mortalität aus (wir berichteten). „Entscheidend ist aber auch hier nicht ein einzelnes Lebensmittel, sondern die langfristige Qualität der gesamten Ernährung“, ergänzt Prof. Thomas Skurk, Vorsitzender des Ausschusses Ernährung der DDG und Ernährungsmediziner von der Technischen Universität München (TUM). Neben schützenden Faktoren benennt die Forschung auch klare Risiken. Zuckerhaltige Getränke sind mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes assoziiert und sollten möglichst vermieden werden. Regelmäßig konsumiert führen sie zu schnellen Blutzuckeranstiegen und fördern Gewichtszunahme sowie Insulinresistenz. Auch ein hoher Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch ist problematisch. Studien zeigen, dass das Risiko für Typ-2-Diabetes pro zusätzlich tägliche Portion statistisch um etwa 10 bis 20 Prozent höher ist.3 Die Ernährungsmediziner betonen allerdings, dass viele Empfehlungen auf Beobachtungsstudien beruhen, da randomisierte Langzeit-Interventionsstudien bislang kaum durchgeführt wurden. Dennoch seien die Ergebnisse für viele Nährstoffe und Lebensmittel konsistent: „Die Richtung der Effekte ist eindeutig und diese decken sich auch mit bestehenden Interventionsstudien“, resümiert Kabisch. Ernährung als Schlüssel für Prävention Ernährung ist ein zentraler Hebel in der Diabetesprävention: Modellrechnungen zeigen, dass ein günstiges Ernährungsmuster das Risiko für Typ-2-Diabetes theoretisch sogar um bis zu etwa 80 Prozent senken könnte. In der Praxis liegen die Effekte meist zwischen 20 und 40 Prozent.2 „Leider weist die Entwicklung in Deutschland seit Jahren in die falsche Richtung: Mit rund 83 Gramm Zucker pro Tag, davon etwa 26 Gramm aus Getränken, liegt der Konsum der Deutschen klar über den empfohlenen Mengen. Besonders bedenklich ist, dass etwa jeder bzw. jede Vierte der 14- bis 17-Jährigen täglich zuckerhaltige Getränke trinkt“, gibt Skurk zu Bedenken.4,5 Die DDG spricht sich deshalb klar für eine Zuckersteuer aus und ruft alle in der Medizin tätigen Fachkräfte auf, einen entsprechenden Appell zu unterschreiben. „Gleichzeitig sinkt der Konsum gesunder Lebensmittel. Bei vielen Menschen ist die Ernährung also deutlich aus dem Gleichgewicht geraten.“ Neben Aufklärung brauche es politische Rahmenbedingungen, die jedem und jeder gesündere Entscheidungen im Alltag erleichtern. Referenzen: [1] Kabisch S et al. Epidemiologie und Ernährungsempfehlungen – zwischen Evidenz, Kritik und Aufbruch, Seite 18 bis 21, Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2026 [2] Diab.info: Gesunde Ernährung für Herz und Stoffwechsel [3] Wittenbecher C et al. Amino acids, lipid metabolites, and ferritin as potential mediators linking red meat consumption to type 2 diabetes. Am J Clin Nutr 2015;101(6):1241-50. [4] Statista: Pro-Kopf-Konsum von Zucker in Deutschland in den Jahren 1950/51 bis 2024/25 [5] RKI Diabetes Surveillance 2015-2024 – Zuckerhaltige Erfrischungsgetränke
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