Gewalt gegen Frauen und weibliche Suizidrate: Studie zeigt erstmals Zusammenhang auf5. August 2026 Symbolbild © Tinnakorn/stock.adobe.com Dass Frauen, die geschlechtsspezifische Gewalt erleben, häufiger an psychischen Erkrankungen leiden und ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten aufweisen, ist bereits bekannt. Eine Studie der Medizinischen Universität Wien zeigt nun erstmals auf Bevölkerungsebene, dass ein höheres Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt mit höheren Suizidraten bei Frauen assoziiert ist. Im Rahmen der Studie analysierte das Forschungsteam der Medizinischen Universität Wien nationale Daten aus 37 Ländern der WHO-Region Europa. Als Grundlage diente der international etablierte „Violence against Women Index“ (VAWI), der das Ausmaß an geschlechtsspezifischer Gewalt in Ländern anhand von elf Indikatoren aus vier übergeordneten Gewaltformen erfasst. Zu diesen gehören körperliche, sexuelle und psychische Gewalt sowie Formen der Benachteiligung, die Frauen in ihrer wirtschaftlichen Selbstständigkeit einschränken (sozioökonomische Gewalt). Die VAWI-Werte wurden mit den altersstandardisierten weiblichen Suizidraten der jeweiligen Länder verglichen. Um den Zusammenhang möglichst belastbar zu untersuchen, berücksichtigten die Forschenden außerdem weitere Faktoren, die Suizidraten beeinflussen können, darunter das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, die Arbeitslosenquote sowie Kennzahlen zur Gesundheitsversorgung und Kriminalität. Bessere Datenerfassung für gezielte Prävention Die Analysen zeigen einen signifikanten Zusammenhang: VAWI-Werte ab einem mittleren Bereich gingen mit höheren weiblichen Suizidraten einher. Im Bereich niedriger VAWI-Werte zeigte sich hingegen ein gegenteiliger Zusammenhang. „Dieses Ergebnis könnte sich aus den Unterschieden in der Erfassung von Gewalt gegen Frauen und von Suiziden zwischen den Ländern erklären. Beide Faktoren können statistische Analysen auf Bevölkerungsebene beeinflussen“, erklärt Co-Studienleiter Daniel König-Castillo. Die zwischen 0 und 1 angegebenen VAWI-Werte der untersuchten Länder reichen von 0,035 in Norwegen bis 0,292 in Moldawien. Die weiblichen Suizidraten liegen zwischen 1,24 Todesfällen pro 100.000 Frauen in Griechenland und 8,54 pro 100.000 Frauen in Belgien. Die Ergebnisse wurden im „Journal of Interpersonal Violence“ veröffentlicht. Geschlechtsspezifische Gewalt zählt weltweit zu den häufigsten Menschenrechtsverletzungen: Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation ist etwa jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens davon betroffen. Studien haben bereits gezeigt, dass solche Gewalterfahrungen das Risiko für psychiatrische Erkrankungen und suizidales Verhalten erhöhen können. Die nun veröffentlichte Untersuchung erweitert dieses Wissen um eine multinationale Analyse auf Bevölkerungsebene, die verschiedene Dimensionen geschlechtsspezifischer Gewalt berücksichtigt. „Gleichzeitig macht unsere Studie deutlich, wie wichtig eine möglichst vollständige und international vergleichbare Datenerhebung ist. Gewalt gegen Frauen und Suizide werden nach wie vor nicht überall gleichermaßen erfasst. Verbesserungen in diesem Bereich würden nicht nur die Datenlage für weitere Forschung stärken, sondern auch dazu beitragen, das Thema zu enttabuisieren und die Planung von gezielten Präventionsmaßnahmen zu erleichtern“, so Studienleiter Stephan Listabarth.
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