Glaukomentstehung: Welche Rolle spielt die körpereigene Immunabwehr?2. Juni 2020 Dr. Sabrina Reinehr im Forschungslabor. Foto: Andreas Beyna, UK Knappschaftskrankenhaus Bochum Das Glaukom ist eine der häufigsten Augenerkrankungen und eine Hauptursache für Sehverlust bis hin zur Erblindung. Nach wie vor ist vieles an seiner Entstehung unklar. Wissenschaftler der Augenklinik am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum erforschen eine mögliche Rolle der körpereigenen Immunabwehr. Gefördert wird dieser Ansatz durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die über einen Zeitraum von drei Jahren einen Großteil der Personal- und Materialkosten übernimmt. In diesem Projekt untersucht Dr. rer. nat. Sabrina Reinehr, ob bestimmte Antigene eine Immunantwort hervorrufen, die an den Sinneszellen der Netzhaut und des Sehnervs den für das Glaukom so typischen Schaden hervorrufen. Als wichtigste Ursache des Glaukoms gilt ein erhöhter Augeninnendruck. Rund ein Drittel aller Glaukompatienten indes entwickelt einen solchen Schaden, ohne dass ein über den Grenzwert von 21 mmHg erhöhter Augeninnendruck gemessen wird. Seit Längerem schon werden deshalb andere – oder zusätzliche – krankmachende Faktoren vermutet. Das Forschungslabor der Augenklinik am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum (Leitung: Prof. Stephanie Joachim) untersucht solche potenziell glaukomauslösenden Mechanismen und legt dabei einen Schwerpunkt auf die Rolle des Immunsystems. Forschungsziel: Etablierung einer neuen TherapieBei den durch die DFG geförderten Studien wird erforscht, ob eine Hemmung bestimmter Komponenten des Immunsystems das Krankheitsgeschehen beeinflussen kann. Ziel ist es, eine neue Therapie des Glaukoms zu etablieren, welche bei Patienten mit einer solchen erkennbar immunologischen (Mit-)Ursache die herkömmliche Behandlung – die Senkung des Augeninnendruckes – ergänzt. Die Bochumer Forscher sind sich bewusst, dass eine individuellere und damit auch effektivere Therapie wünschenswert ist, weil zahlreiche Patienten derzeit erst spät behandelt werden, denn: Das Glaukom ist eine der symptomärmsten Erkrankungen des menschlichen Körpers und wird deshalb oft erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium entdeckt. “Bei wohl kaum einer anderen Augenerkrankung ist die Dunkelziffer so hoch”, erklärt der Direktor der Universitätsaugenklinik Bochum, Prof. Burkhard Dick. “Einige hunderttausend Menschen in Deutschland leiden am Grünen Star, ohne es zu wissen. Das ist tragisch, weil wir über sehr gute Früherkennungsdiagnostik verfügen und auch über neue, wenig invasive Operationsmethoden. Wenn sich aufgrund der Forschungen unseres Labors die therapeutischen Optionen sogar noch erweitern, wäre das eine gute Nachricht für viele Patienten.”
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