Glukokortikoide bei Kniearthrose: Wie spritzen?14. Juli 2022 © Dragana Gordic – stock.adobe.com (Symbolbild) Die intraartikuläre (i.a.) Glukokortikoid-Injektion ist bei Patienten mit Kniearthrose weit verbreitet, aber die Sicherheit dieser Technik wird von Medizinern infrage gestellt. Ob die intramuskuläre (i.m.) Injektion eine Alternative darstellen könnte, prüften Forscher des Erasmus MC University Center Rotterdam und des Leiden University Medical Centre, Niederlande, in der offenen, randomisierten Nichtüberlegenheitsstudie KIS. KIS wurde in 80 Hausartztpraxen durchgeführt. Teilnehmende Patienten (n=145; 65% Frauen; mittleres Alter 67 ±10 Jahre) erhielten nach dem Zufallsprinzip eine Injektion mit 40 mg Triamcinolonacetonid, entweder i.m. in die ipsilaterale ventrogluteale Region oder i.a. in das Kniegelenk. Die Nachbeobachtung erfolgte über 24 Wochen. Der Schmerzwert nach 4 Wochen wurde mit dem Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score (KOOS; Bereich 0–100; 0 bedeutet extreme Schmerzen) gemessen, wobei eine Nichtunterlegenheitsgrenze von –7 Punkten (i.m. minus i.a.) galt. Als primäre Analyse diente eine Per-Protocol-Analyse mit 138 Patienten (i.m. n=72; i.a. n=66). Klinisch relevante Schmerzverbesserungen wurden in beiden Gruppen bis zu 12 Wochen nach der Injektion erreicht. Nach 4 Wochen betrug der geschätzte mittlere Unterschied im KOOS zwischen den beiden Gruppen –3,4 (95%-KI –10,1 bis 3,3). Eine Nichtunterlegenheit konnte somit nicht festgestellt werden. Die i.m.-Injektion war der i.a.-Injektion nach 8 (mittlerer Unterschied 0,7; 95%-KI –6,5 bis 7,8) und 24 Wochen (mittlerer Unterschied 1,6; 95%-KI –5,7 bis 9,0) nicht unterlegen. Es kam zu keinem signifikanten Unterschied bei allen sekundären Endpunkten. Eine Sensitivitätsanalyse der Intention-to-Treat-Population ergab ähnliche Ergebnisse. Die am häufigsten gemeldeten unerwünschten Ereignisse waren Hitzewallungen (i.m. 10% vs. i.a. 21%) und Kopfschmerzen (i.m. 14% vs. i.a. 18%). Alle Ereignisse galten als nicht schwerwiegend. Fazit Die Ergebnisse der Studie KIS zeigen, dass bei Patienten mit Kniearthrose in der Primärversorgung eine i.m.-Glukokortikoid-Injektion im Vergleich zu einer i.a.-Injektion nach 4 Wochen einen geringeren Effekt auf die Schmerzreduktion haben könnte. Acht und 24 Wochen nach der Injektion wurde keine Unterlegenheit der IM-Injektion festgestellt. Nach Abwägung der Vor- und Nachteile beider Injektionsarten liefert die Studie somit Daten für eine gemeinsame Entscheidungsfindung, erklären die Studienautoren in „JAMA Network Open“. (ah) Autoren: Wang Q et al. Korrespondenz: Jos Runhaar; [email protected] Studie: Effect of Intramuscular vs Intra-articular Glucocorticoid Injection on Pain Among Adults With Knee Osteoarthritis: The KIS Randomized Clinical Trial Quelle: JAMA Netw Open 2022;5(4):e224852. Web: https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2022.4852
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