GPA: “Grundlagen des ärztlichen Handelns werden verletzt”31. Januar 2019 An vielbefahrenen Straßen inhalieren Kinder deutlich mehr Schadstoffe als Erwachsene. (Foto: © Ingo Bartussek – Fotolia.com) Nach der Gesellschaft für pädiatrische Pneumologie (GPP) distanziert sich auch der Vorstand der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V. (GPA) von der Stellungnahme zur Gesundheitsgefährdung durch umweltbedingte Luftverschmutzung, insbesondere Feinstaub und Stickstoffverbindungen (NOx), die durch Prof. Köhler und 112 Lungenfachärzte veröffentlicht wurde. Der Vorstand der GPA e.V. unterstützt die Stellungnahmen der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), der European Respiratory Society (ERS), des internationalen Forums der pneumologischen Fachgesellschaften (FIRS) und der World Health Organisation (WHO), die die Belastung mit Luftschadstoffen als eine der wesentlichen Gesundheitsgefährdungen für Menschen insbesondere Kinder- und Jugendliche einschätzen. In einer Stellungnahme der GPA heißt es: “Kinder sind die zukünftigen Erwachsenen von morgen, Schädigungen ihrer in Wachstum und Reifung befindlichen Organe können teilweise zeitlebens nicht mehr wettgemacht werden. Diese Aussagen gelten in Kenntnis vieler aktueller Untersuchungen, die meisten davon sind in der WHO-Publikation „Luftverschmutzung und Kindergesundheit“ vom Oktober 2018 erfasst. Studien mit Kindern belegen beispielsweise, dass schon NO2-Konzentration größer 20 µg/m³ in der Außenluft zu vermehrten Hospitalisierungen wegen schweren unteren Atemwegsinfektionen führen, die Folgeerkrankungen der Lunge und Atemwege verursachen. Zudem erhöht die Exposition mit Luftschadstoffen das Risiko von Kindern, Asthma zu entwickeln. Eine kürzlich in Südengland veröffentlichte Studie erfasste die Belastung mit Luftschadstoffen wie Feinstäuben und NO2 bei Babys, die in ihren Kinderwägen an viel befahrenen Straßen entlang geschoben werden, mit dem Resultat, dass diese bis zu 60 Prozent mehr Schadstoffe inhalierten als begleitende Erwachsene. Dies kann sich auch auf die neurologische Entwicklung negativ auswirken, wie die WHO-Publikation anhand weiterer Studien nachweist.” Deshalb und aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes beharre die GPA auf der Forderung nach strikter Einhaltung der rechtlich verbindlichen EU-Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxid sowie weiteren Untersuchungen, ob und wie diese in den kommenden Jahren weiter abgesenkt werden müssen. “In Synopsis der eindeutigen wissenschaftlichen Datenlage, die zeigt, dass Luftschadstoffe die Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gefährden, lehnen wir die undifferenzierte Stellungnahme der Kollegen ab”, erklärte der Vorstand der GPA. Die oben genannten Fachgesellschaften hätten auch die methodische Kritik an der Festlegung von Grenzwerten widerlegt und hielten die Behauptung, dass Luftschadstoffe keine gesundheitliche Auswirkung haben, in keiner Weise für begründet. Nach Auffassung des Vorstandes der GPA verletzt die öffentliche Verleugnung einer erdrückenden Datenlage die Grundlagen wissenschaftlichen Diskurses und ärztlichen Handelns.
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