Grüne Wohngebiete könnten chronischem Stress während der Schwangerschaft verringern

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Forschende der Bar-Ilan-Universität (Israel) und ihre internationalen Partner haben festgestellt, dass das Wohnen in einer grüneren Umgebung in der Schwangerschaft mit einem niedrigeren Spiegel an Hormonen für chronischen Stress verbunden ist.

Einer neuen Studie unter der Leitung von Forschenden der Bar-Ilan-Universität zufolge könnten schwangere Frauen, die in grüneren Wohnvierteln leben, ein geringeres Maß an chronischem Stress aufweisen. Die Studie ergab, dass eine stärkere Exposition gegenüber Grünflächen im Wohnumfeld während der Schwangerschaft mit niedrigeren Werten von Cortisol und Cortison einherging – zwei wichtigen Stresshormonen, die sowohl die Gesundheit der Mutter als auch die des Fötus beeinflussen können.

Im Gegensatz zu Stresshormonen, die in Blut, Speichel oder Urin gemessen werden und den Stress über Minuten oder Stunden hinweg widerspiegeln, liefern im Haar gemessene Hormone ein Profil der über mehrere Monate hinweg angesammelten Stresshormone. Durch die Analyse von Haarproben hunderter schwangerer Frauen konnten die Wissenschaftler das Ausmaß an chronischem Stress während des zweiten Schwangerschaftsdrittels beurteilen.

Die in der Fachzeitschrift „Environmental Epidemiology“ veröffentlichte Studie ergab, dass Frauen, die während des zweiten Schwangerschaftsdrittels in einer grüneren Umgebung lebten, signifikant niedrigere Konzentrationen von Cortisol und Cortison im Haar aufwiesen. Diese Zusammenhänge zeigten sich unabhängig von der verwendeten Messmethode für das Grüne im Wohnumfeld und den unterschiedlichen Entfernungsradien um die Wohnorte der Teilnehmerinnen.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Kontakt mit Grünflächen im Wohnumfeld mit einem geringeren Spiegel an chronischen Stresshormonen während der Schwangerschaft verbunden ist“, berichtet Sohini Bhattacharya, Doktorandin an der Azrieli-Fakultät für Medizin der Bar-Ilan-Universität, die diese Zusammenhänge untersuchte. „Dies ist von Bedeutung, da eine anhaltende Belastung durch erhöhte Stresshormone sowohl die Mutter als auch den sich entwickelnden Fötus negativ beeinflussen kann.“

Grünflächenanalyse per Satellit und Street View

An der Studie nahmen 385 schwangere Frauen teil, die am Helen Schneider Hospital for Women des Rabin Medical Center in Petah Tikva, Israel, rekrutiert wurden. Die Forschenden entnahmen Haarproben und analysierten die Hormonwerte mithilfe moderner Labortechniken.

Um den Kontakt mit Grünflächen zu erfassen, nutzte das Team zwei sich ergänzende Ansätze. Zunächst maßen sie die Vegetation im Umfeld der Wohnorte der Teilnehmerinnen mithilfe von Satellitenbildern und dem weit verbreiteten „Normalized Difference Vegetation Index“ (NDVI). Anschließend wandten sie eine neuartige Methode an, die auf Google-Street-View-Aufnahmen basierte; diese ermöglichte es, Grünflächen aus der Perspektive von Fußgängern zu beurteilen und zwischen verschiedenen Vegetationsarten – wie Gras, Bäumen und anderen Pflanzen – zu unterscheiden. Beide Methoden führten zu demselben Ergebnis: Frauen, die in einer grüneren Umgebung lebten, wiesen niedrigere Langzeitwerte an Stresshormonen auf.

Die Bedeutung von Grasflächen

Eines der unerwartetsten Ergebnisse der Studie ergab sich aus der Analyse auf Straßenebene. Frauen, die in Gebieten mit einem höheren Grasanteil im Wohnumfeld lebten, wiesen deutlich niedrigere Cortisol- und Cortisonwerte auf als Frauen in Umgebungen mit weniger Grasflächen. Diese Erkenntnis könnte praktische Auswirkungen für Stadtplaner und politische Entscheidungsträger haben, die nach kosteneffizienten Wegen suchen, die öffentliche Gesundheit und das Wohlbefinden zu verbessern.

Warum werden Grünflächen und Stress untersucht?

Stresshormone wie Cortisol und Cortison spielen eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Stoffwechsels, der Immunfunktion, des Schlaf-Wach-Rhythmus und der Regulation schwangerschaftsbezogener Prozesse. Ein dauerhaft erhöhter Spiegel dieser Hormone kann jedoch schädlich sein.

Frühere Studien deuteten darauf hin, dass der Aufenthalt in einer natürlichen Umgebung Stress reduzieren kann; die meisten dieser Untersuchungen stützten sich jedoch auf subjektive Angaben oder kurzfristige biologische Messwerte. Nur wenige Studien haben chronischen Stress anhand von Haarproben untersucht, und noch weniger konzentrierten sich speziell auf schwangere Frauen.

Die aktuelle Studie baut auf früheren Forschungen desselben Teams auf, die einen Zusammenhang zwischen dem Grünanteil im Wohnumfeld und einem niedrigeren Cortisolspiegel im Haar während des ersten Schwangerschaftsdrittels festgestellt hatten. Die neue Studie erweitert diese Ergebnisse, indem sie weitere Hormone, spätere Phasen der Schwangerschaft sowie detailliertere Messgrößen für Grünflächen einbezieht.

Bedeutung der Ergebnisse

Die Ergebnisse liegen zu einem Zeitpunkt vor, an dem viele Bevölkerungsgruppen – auch in Israel – aufgrund anhaltender Konflikte, des Klimawandels und der raschen Urbanisierung vermehrtem Stress ausgesetzt sind. Schwangere Frauen sind besonders anfällig für die gesundheitlichen Auswirkungen von chronischem Stress.

Die leitende Forscherin der Studie, Prof. Keren Agay-Shay von der Azrieli-Fakultät für Medizin der Bar-Ilan-Universität, erklärt: „Unsere Ergebnisse unterstützen Bemühungen, Grünflächen und Begrünung in Wohngebieten zu erhalten und auszubauen. Da Städte weltweit weiter wachsen, könnte die Integration von Bäumen, Rasenflächen und anderer Vegetation in das städtische Umfeld eine einfache und zugängliche Strategie zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit darstellen.“

Das Forschungsteam untersucht als nächstes Umweltfaktoren, die den Hormonspiegel während der Schwangerschaft beeinflussen könnten, darunter die Belastung durch Luftverschmutzung und Temperatureinflüsse.

(lj/BIERMANN)

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