Herzschrittmacher nach TAVI beeinflusst Prognose bei Frauen und Männern unterschiedlich

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Nach einer Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) kann aufgrund von Störungen der elektrischen Erregungsleitung des Herzens die Implantation eines Herzschrittmachers notwendig werden. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass dessen Bedeutung für die weitere Prognose bei Frauen und Männern unterschiedlich ist.

Medizinerinnen und Mediziner der Karl Landsteiner Privatuniversität (klu Krems, Österreich) untersuchten dazu die kurz- und langfristigen Überlebensdaten von mehr als 1100 Patienten, die eine TAVI erhielten. Dabei verglichen sie die Ergebnisse von Patientinnen und Patienten mit und ohne zusätzlich implantiertem Herzschrittmacher. Ihre im Fachmagazin „European Journal of Clinical Investigation“ publizierte Studie zeigt deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern, die für eine individuellere Einschätzung von Risiken vor und nach dem Eingriff sprechen. Das ist zunehmend relevant, da die TAVI immer häufiger auch bei jüngeren Menschen zum Einsatz kommt.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Schrittmacherstatus bei Frauen und Männern nicht dieselbe prognostische Bedeutung hat“, sagt Erstautorin Dr. Cecilia Veraar von der Klinischen Abteilung für Innere Medizin III am Universitätsklinikum St. Pölten (Österreich) – einem Lehr- und Forschungsstandort der klu Krems. „Bei Frauen sehen wir vor allem ein erhöhtes Risiko für Komplikationen unmittelbar nach einem neu eingesetzten Schrittmacher, während bei Männern ein bereits bestehender Schrittmacher ein wichtiger Hinweis auf das langfristige Risiko sein kann.“

Vergleichen von Frauen und Männern mit und ohne Herzschrittmacher

Grundlage der Untersuchung waren Daten von 1114 Personen (81±5 Jahre; 49,8 % weiblich), die zwischen 2016 und 2020 am Universitätsklinikum St. Pölten eine TAVI erhielten. Das Team unterschied drei Gruppen:

  • Patienten ohne Herzschrittmacher vor sowie bis zu 30 Tage nach dem TAVI-Eingriff (445 Frauen und 396 Männer)
  • Patienten mit einem bereits vor der TAVI vorhandenen Schrittmacher (38 Frauen und 81 Männer)
  • Patienten, die innerhalb von 30 Tagen nach dem TAVI-Eingriff einen neuen Schrittmacher erhielten (71 Frauen und 82 Männer).

Anschließend analysierten die Forschenden sowohl die 30-Tage- als auch die Fünf-Jahres-Sterblichkeit getrennt nach Geschlecht. Auffällig war ihnen zufolge bereits die Ausgangssituation: So hatten nur 7,0 Prozent der Frauen, aber 14,5 Prozent der Männer schon vor der TAVI einen Schrittmacher. Nach dem Eingriff benötigten dagegen ähnlich viele Frauen und Männer einen neuen Schrittmacher – 12,8 beziehungsweise 14,7 Prozent.

Geschlechtsspezifischer Unterschied beim kurz- und langfristigen Überleben

Geschlechtsspezifische Muster ergaben sich besonders hinsichtlich der 30-Tage-Sterblichkeit. In der Gruppe mit neu implantiertem Schrittmacher nach TAVI war die 30-Tage-Überlebensrate bei Frauen schlechter als bei Männern: innerhalb dieses Zeitraums verstarben sieben von 71 Frauen und nur zwei von 82 Männern. Auch verglichen mit Frauen der anderen beiden Gruppen (ohne Schrittmacher und mit vorbestehendem Schrittmacher) hatten die Frauen mit neu implantiertem Schrittmacher eine statistisch höhere 30-Tage-Sterblichkeit.

Gleichzeitig traten bei Frauen insgesamt schwere Blutungen signifikant häufiger auf als bei Männern. Auch Schlaganfälle, Herzbeuteltamponaden und Wiederbelebungen waren zahlenmäßig häufiger, ohne bei diesen einzelnen Komplikationen statistische Signifikanz zu erreichen. Nach fünf Jahren spielte der Schrittmacherstatus für das Überleben der Frauen dagegen keine erkennbare Rolle.

Bei Männern zeigte sich nahezu das umgekehrte Bild: Die 30-Tage-Sterblichkeit unterschied sich bei diesen nicht wesentlich zwischen den Gruppen. Langfristig hatten Männer mit einem bereits vor der TAVI vorhandenen Schrittmacher die ungünstigste Prognose. Auch nach Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren blieb dieser Zusammenhang bestehen.

Geschlechtsspezifische Faktoren bei der Risikobewertung einbeziehen

Für Prof. Julia Mascherbauer von der Klinischen Abteilung für Innere Medizin III am Universitätsklinikum St. Pölten und Seniorautorin der Studie gewinnen solche Unterschiede zunehmend praktische Bedeutung. TAVI wird heute nicht mehr ausschließlich bei sehr alten Hochrisikopatientinnen und -patienten eingesetzt. Mit der Ausweitung auf jüngere Gruppen wächst der Zeitraum, über den sich Herzrhythmusstörungen und eine Schrittmachertherapie auswirken können. Mascherbauer zufolge sprechen die Ergebnisse daher dafür, geschlechtsspezifische Faktoren stärker in Risikobewertung, Beratung und Nachsorge einzubeziehen.

Gleichzeitig weisen die Forschenden darauf hin, dass ein bereits vorhandener Schrittmacher bei Männern wahrscheinlich vor allem ein Hinweis auf eine weiter fortgeschrittene Herz-Kreislauf-Erkrankung ist und nicht selbst als Ursache der höheren Sterblichkeit interpretiert werden sollte.

(ah/BIERMANN)