Hitzewellen: Nächtliche Abkühlung bietet älteren Menschen keine vollständige Erholung

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Eine kontrollierte Studie zeigt, dass sich die physiologische Belastung durch wiederholte Überhitzung am Tag bei älteren Menschen trotz nächtlicher Abkühlung nicht vollständig zurückbildet. Auffällig: Die Körpertemperatur spiegelt die Belastung nicht zwingend wider.

Die nächtliche Abkühlung einer Wohnung reicht möglicherweise nicht aus, um ältere Menschen während einer mehrtägigen Hitzewelle vor den physiologischen Folgen wiederholter Überhitzung zu schützen. Das geht aus einer Studie der University of Ottawa (Kanada) hervor, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Lancet Planetary Health“ veröffentlicht sind.

Simulation einer mehrtägigen Hitzewelle

Simulationen von Hitzewellen unter kontrollierten Laborbedingungen ermöglichen es, die Auswirkungen von Hitze auf besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen zu untersuchen und Strategien zur Reduktion der gesundheitlichen Belastung zu bewerten. Die aktuelle Studie ist nach Angaben der Forschenden die erste kontrollierte Untersuchung, in der die physiologischen Reaktionen älterer Menschen sowohl während der täglichen Hitzeexposition als auch während der nächtlichen Erholungsphasen einer simulierten mehrtägigen Hitzewelle erfasst wurden.

An der Studie nahmen 18 Erwachsene im Alter zwischen 67 und 84 Jahren aus der Region Ottawa-Gatineau teil. Die Gruppe bestand zu gleichen Teilen aus Frauen und Männern. Die Teilnehmenden hielten sich über drei aufeinanderfolgende Tage und zwei Nächte in einer speziell ausgestatteten, wohnungsähnlichen Klimakammer der University of Ottawa auf und wurden dort kontinuierlich überwacht.

„Zum ersten Mal konnten wir ältere Menschen über eine vollständige dreitägige Hitzewelle hinweg beobachten und dabei auch untersuchen, was während der nächtlichen Erholung passiert“, erläutert Prof. Glen Kenny von der Faculty of Health Sciences der University of Ottawa und Direktor der Human and Environmental Physiology Research Unit.

Physiologische Belastung durch anhaltende Hitze

Während der simulierten Hitzewelle wurde die Temperatur in der Wohnung tagsüber auf 34 °C gehalten und nachts auf 26 °C abgesenkt. Diese Bedingungen entsprechen laut den Forschenden den in Kanada und den USA während realer Hitzeereignisse gemessenen Innentemperaturen. In einer separaten Vergleichsmessung blieb die Raumtemperatur sowohl tagsüber als auch nachts konstant bei 26 °C.

An den heißen Tagen lag die maximale Körperkerntemperatur der Teilnehmenden im Mittel bei 37,8 °C, verglichen mit 37,4 °C unter den kühleren Bedingungen. Die Herzfrequenz war unter den Hitzebedingungen durchschnittlich um fünf Schläge pro Minute erhöht. Blutuntersuchungen zeigten zudem erhöhte Konzentrationen von Biomarkern, die auf eine Belastung der Nieren und des Gastrointestinaltrakts hinweisen.

Darüber hinaus beobachteten die Forschenden einen niedrigeren Blutdruck und eine eingeschränkte kardiale autonome Funktion. Auch beim Gleichgewicht und bei kognitiven Testleistungen zeigten sich leichte Verschlechterungen.

Keine vollständige Erholung durch nächtliche Abkühlung

Durch die Abkühlung der Wohnung auf 26 °C über Nacht bildeten sich die meisten physiologischen Reaktionen annähernd auf das Ausgangsniveau zurück. Die Erholung war jedoch nicht vollständig: So waren auch an den folgenden Morgen ein niedrigerer systolischer Blutdruck und erhöhte Marker für eine Nierenbelastung nachweisbar.

Am auffälligsten war jedoch, was die Forschenden nicht beobachteten: Eine Verschlechterung der Körpertemperatur. Während andere physiologische Parameter eine anhaltende Belastung anzeigten, stieg die Körpertemperatur im Verlauf der Hitzewelle nicht an.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die physiologischen Auswirkungen von Hitze nicht allein anhand der Körpertemperatur beurteilen lassen“, sagt Kenny. Eine stabile Körperkerntemperatur bedeute daher nicht zwangsläufig, dass ältere Menschen vor den Folgen einer länger andauernden Hitzeexposition geschützt seien.

Aufenthalt in Innenräumen bietet nicht automatisch Schutz

Während extremer Hitzeperioden wird häufig dazu geraten, den Aufenthalt im Freien zu vermeiden. In Kanada, ebenso wie in Deutschland, gibt es in den meisten Haushalten allerdings keine Klimaanlage. Ältere Menschen können dadurch erhöhten Raumtemperaturen ausgesetzt sein.

Die aktuellen Daten deuten an, dass der Aufenthalt in Innenräumen jedoch nicht automatisch vor hitzebedingter physiologischer Belastung schützt, wenn die Raumtemperatur über längere Zeit erhöht bleibt. „Die meisten Menschen gehen davon aus, dass sie während einer Hitzewelle geschützt sind, wenn sie sich in Innenräumen aufhalten. Unsere Ergebnisse zeigen, dass dies nicht zwangsläufig der Fall ist“, so Kenny.

26 °C Raumtemperatur als obere Grenze

Eine Raumtemperatur von maximal 26 °C über den gesamten Tages- und Nachtverlauf könne die physiologische Belastung älterer Menschen während extremer Hitze deutlich reduzieren. Diese Temperaturgrenze wurde auch im Juni 2026 von der kanadischen Regierung als Empfehlung veröffentlicht. Sie basiert unter anderem auf früheren Untersuchungen des Forschungsteams der University of Ottawa, in denen die Auswirkungen einer eintägigen Hitzeexposition untersucht wurden.

„Unsere frühere Arbeit hat dazu beigetragen, die Empfehlung von Health Canada zu 26 °C zu untermauern. Die aktuelle Studie liefert weitere Hinweise darauf, wie wichtig es ist, die Raumtemperatur während eines anhaltenden Hitzeereignisses sowohl tagsüber als auch nachts bei höchstens 26 °C zu halten“, erklärt Kenny.

Die Temperatur stelle eine obere Raumtemperaturgrenze dar, die das hitzebedingte Risiko reduzieren solle. Es handle sich jedoch nicht um eine Temperatur, die für jeden älteren Menschen einen vollständigen Schutz gewährleiste.

(mkl/BIERMANN)

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